Berlinale 2016: INERTIA von Idan Haguel

Ein ver-rücktes Leben

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Mira wacht mit einem lauten Schrei auf. Sie liegt alleine im Bett und nimmt an, dass ihr Mann bereits zur Arbeit gegangen ist. Es wird ein schwieriger Tag. Ihre Mutter holt sie ab. Die beiden Frauen fahren gemeinsam zum Hafen. Auf einer Müllhalde liegt dort ein Schiffswrack, das etwas mit dem Tod des Vaters zu tun hat. Die Mutter befestigt einen Blumenstrauß an dem Wrack. Das hat sie anscheinend schon häufiger getan. Der Name des Schiffes: „Beth Saida“ – das Haus der Herrin. Miras Mann ist auch zum Abendbrot nicht zu Hause. Auf Anrufe reagiert er nicht. Für Mira beginnt in der kleinen Wohnung in der riesigen Hochhaussiedlung eine einsame und verwirrende Zeit.

Mira geht zur Polizei. Die Polizistin ist nicht wirklich hilfreich. „Die meisten Männer“, sagt sie, „tauchen spätestens nach ein paar Tagen wieder auf.“ Und siehe da: Nach kurzer Zeit steht die Polizistin mit einem Mann in Miras Wohnung, aber dieser Mann ist nicht Miras Mann, sondern ein Schwindler. Ein Arbeitskollege ihres Mannes, will seine Angel zurückhaben. Mira wusste nicht mal, dass ihr Mann angelt. Aber im Schrank findet sie die Angel. Der Kollege sagt: „Wir sind einmal in der Woche zusammen angeln gegangen.“ Mira ist seit 18 Jahren mit ihrem Mann verheiratet. Die Sache mit dem Angeln ist völlig neu für sie.

Mira schläft praktisch nicht mehr. Sie hängt Zettel mit dem Bild ihres Mannes auf. Überall in der Stadt. Irgendwann sagt ihre Mutter. „Du legst Dich jetzt hin, schläfst und ab morgen stehst Du auf eigenen Füßen.“ Das tut Mira. Dann nimmt sie die Sachen ihres Mannes aus dem Schrank und verbrennt sie. Langsam kommt Miras Leben wieder ins Gleichgewicht. Sie findet einen Job als Kellnerin. Und sie gibt zu, dass sie Gewissenbisse plagen. In der Nacht, in der ihr Mann verschwand, hatte sie einen Traum: Sie war mit ihrem Mann auf einer Feier und hat sich für ihn geschämt. Er war ihr einfach peinlich. Und dann war da ein attraktiver Mann mit einem weißen Bart, zu dem sie sich hingezogen fühlte.

Miras Leben ist im Wortsinne ver-rückt. Ebenso ist es die Wahrnehmung des Zuschauers. Erzählt INERTIA eine in sich konsistente Geschichte? Gibt es eine (Film-)Wirklichkeit und eine Traumebene. Es ist unmöglich zu entscheiden, was Wirklichkeit ist und was nur Miras Kopf existiert. So überträgt sich die Verunsicherung in Miras Leben auf die Zuschauer. Kann Mira ihrer eigenen Erinnerung trauen und damit der Zuschauer der Geschichte, die Mira von sich erzählt? Genau mit dieser Unschärfe spielt Idan Haguel.

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Titel

Orignaltitel

Inertia

Credits

Regisseur

Idan Haguel

Schauspieler

Ami Weinberg

Ilanit Ben Yakov

Galia Yshay

Drehbuch

Land

Flagge IsraelIsrael

Jahr

2015

Dauer

72 min.

Festival

Berlinale 2016

Festivalplakat Berlinale 2016

Berlin, 11.02. - 21.02.2016

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