THE GRAND BUDAPEST HOTEL von Wes Anderson

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Wes Anderson ist ein Ausstattungsfetischist. Er baut seine eigenen kleinen Welten: Alle Details sind gut überlegt und schaffen die Atmosphäre in der Wes Andersons Helden und Anti-Helden ihre absurden Abenteuer erleben. Die Welt, das ist in seinem neuen Film vor allem das Grand Budapest Hotel im schönen osteuropäischen Land Zubrowka, idyllisch in den Bergen gelegen aber leider ziemlich heruntergekommen,. Wir schreiben das Jahr 1985. Dann machen wir einen Zeitsprung nach hinten ins Jahr 1932 und gehen mit dem Concierge Monsieur Gustave H. (Ralph Fiennes) und dem frisch eingestellten Hotelpagen Zero Moustafa (Tony Revolori) auf eine Reise durch das 20. Jahrhundert. Dabei trotzen sie dem Krieg und versuchen einen ganz besonderen Schatz vor einer Reihe der erstaunlichsten Bösewichter zu retten, die die Filmgeschichte gesehen hat.

Schon wer die Namen der Hauptcharaktere hört, ahnt: Normal ist im Grand Budapest Hotel eigentlich gar nichts. Nützlich könnte bei einer weiteren Einschätzung der Lage noch die Information sein, dass Monsieur Gustave H. der wahrscheinlich beste Concierge der Welt ist. Er kennt die Wünsche seiner Gäste schon bevor diese sie aussprechen, sein Stil ist untadelig und seinen britischen Akzent „refined“ zu nennen, wäre eine geradezu unverschämte Untertreibung. Monsieur Gustave H. ist ein Meister des Service, ein Gigant der persönlichen Dienstleistung. Ein nicht unerheblicher Teil dieser Dienstleistung besteht darin, dass Monsieur Gustave H. Damen fickt. Er drückt das gegenüber seinem lernbegierigen Pagen Zero genau so aus, natürlich mit dem umwerfenden Upper-Class-Akzent eines Oxford-Absolventen. Um genauer zu sein, fickt er sehr alte, sehr reiche, sehr blonde Damen. Die mit Sicherheit älteste und reichste und vielleicht auch blondeste dieser Damen ist die Gräfin Madame Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis, a.k.a. Madame D. (Tilda Swinton). Als Madame D. das Zeitliche segnet und dem Concierge das unermesslich wertvolle Gemälde „Junge mit Apfel“ vermacht, überstürzen sich die Ereignisse, und die Welt des Grand Budapest Hotel wird auf den Kopf gestellt.

THE GRAND BUDAPEST HOTEL ist eine Farce, die Oscar Wilde in Ekstase versetzt hätte (noch ekstatischer hätte Wilde wahrscheinlich nur Monsieur Gustave H. persönlich gemacht) und eine Screwball Comedy, die Ernst Lubitsch, Frank Capra oder Howard Hawks nicht besser hingekriegt hätten. Liebe, Krieg, Reichtümer, Schurken, Gewalt, Schicksal – alles das verquirlt Anderson zu einem hochprozentigen Cocktail, der vor allem so gut schmeckt, weil die Geschichte so absurd und unerwartet ist, aber die Figuren so menschlich und lebendig sind. Genau deswegen sieht man Andersons Film so gerne zu. Wie sollte das bei diesem Schauspieler-Ensemble auch anders sein. Hier eine bei weitem nicht vollständige Liste hochkarätiger Nebendarsteller: Edward Norton, Adrien Brody, Lea Seydoux, Harvey Keitel, Jude Law, Willem Defoe usw. usw. Hinzu kommt der besondere Anderson-Stil: Nicht nur bei der Ausstattung, sondern auch bei den Kamerafahrten und der Musik. Alles ist in Bewegung. Es gibt keinen Leerlauf und keine Langeweile. Das gilt auch für die Handlung. Wes Anderson und Hugo Guinness sind für die Story verantwortlich und Andersons Drehbuch glänzt mit seinen Dialogen.

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Inspiriert hat den Regisseur und Autor, wie er selbst sagt, Stefan Zweig – vor allem Zweigs biographisches Buch „Die Welt von gestern“. Das ist zu spüren. Schließlich wurde Zweig 1881 in Wien geboren, als die k.u.k.-Monarchie am mächtigsten war. Der Film zeigt uns habsburgische Pracht gepaart mit Andersonscher Phantasie vor dem Hintergrund der Geschichte des 20. Jahrhunderts. Was Monsieur Gustave H und Zero Moustafa an Triumphen erleben und an Tragödien erleiden, ist mitreißendes und sehr komisches Kino.

Kommentare ( 1 )

Ein wunderbarer Film, der mit viel Fantasie und Witz die Überlegenheit der Menschenfreundlichkeit gegen die Brutalität feiert. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll, um die vielen schönen Einfälle zu würdigen: Den ZigZag-Club, der die Nazis und ihre Runen persifliert, den Crossed Keys Club, eine Art Untergrundnetzwerk der erlesensten Conciergen, die schöne Hommage an James-Bond-Verfolgungsjagden im Schnee, und vieles mehr. Ralph Fiennes hält perfekt die Waage zwischen vollendeten Manieren und immer wieere hervorblitzender temperamentvoller Vulgarität, Adrien Brody ist ein veritabler Dracula-Verschnitt als geldgieriger (und auch nach dem Blut seiner Feinde gierender) pseudotranssylavanischer Adliger, Willem Dafoe ist mal wieder so richtig schön bös, Jeff Goldblum herrlich hilflos und integer, Harvey Keitel brilliert als harter Knastbruder mit künstlerischer Ader und, ach, Bill Murray macht aus seinem 3-Minuten-Auftritt ein kleines Highlight des Films.
Die Farben, das Tempo, die Kamerafahrten, die Bewegungen der Figuren - alles ist perfekt choreographiert, komplett künstlich und doch voller Leben. Weil die Figuren leben.
Ein toller Eröffnungsfilm. Mit Liebesgedichten!

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Titel

Orignaltitel

The Grand Budapest Hotel

Deutscher Titel

Grand Budapest Hotel

Credits

Regisseur

Wes Anderson

Schauspieler

F. Murray Abraham

Mathieu Amalric

Adrien Brody

Ralph Fiennes

Tony Revolori

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge Vereinigtes KönigreichVereinigtes Königreich

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