"Ich liebe dich, ich töte dich" von Uwe Brandner

Subversion und Waldidylle

Es ist schön in dem bayerischen Dorf inmitten einer malerischen Waldlandschaft, sogar sehr schön. Schafe werden durchs Dorf getrieben. Die Buben sind kurzbehost, brav gescheitelt und gehen wie die Mädchen artig zur Schule. Der Pfarrer schlendert im vollen Ornat die Dorfstraße hinunter. Da kommt der junge Jäger mit seiner Flinte in Jeans und Lederjacke, lässig hat er einen toten Schäferhund geschultert. Den hängt er vor dem Bürgermeisterhaus auf, das gibt eine saftige Belohnung. Alles ist gut auf dem Land in Bayern sogar noch Anfang der Siebziger, oder?

Unter der idyllischen Oberfläche lauert die Verstörung: Der Bürgermeister sitzt in Unterwäsche im Schlafzimmer und knallt mit der Peitsche, zwei zwielichtige Polizisten hetzen nachts im Auto einen Mann und sitzen tagsüber im Büro, warten auf Anrufe und kreuzen dann ein Gesicht auf den Fahndungspostern auf der Wand durch. Alle Einwohner holen sich bunte Pillen aus der Apotheke, die sie gierig in großen Mengen in sich hinein stopfen. Der junge Lehrer, der neu ins Dorf kommt, bringt den Kindern Verben näher: „Die Vögel fliegen, die Blumen blühen, die Regierung regiert, das Gewehr schießt“, skandiert die Klasse im Chor.

Regisseur Uwe Brandner sagte vor der Aufführung in der Berlinale Special-Reihe Aufbruch der Filmemacher: „Ich wollte etwas zeigen über Ordnung und Rebellion mit schönen Bildern“. Dem Zuschauer bietet er eine Folge von lose verbundenen, oft sehr kurzen Szenen, aus denen sich langsam eine Geschichte herausschält. Das ist manchmal verwirrend aber immer spannend. Teile eines Puzzles fügen sich skizzenhaft zusammen: Das Dorf ist auf das Wohlwollen „der Herren“ angewiesen, die einmal im Jahr eine große Jagd veranstalten. Deshalb sind der Jäger und auch der Lehrer, die inzwischen ein geheimes Liebespaar sind, immer auf der Jagd nach herrenlosen Hunden und wildernden Wölfen im Wald. Große Aufregung herrscht in der Gemeinde, als ein unbekannter zweibeiniger Wilderer Rehe zu schießen beginnt. Das wird den Zorn „der Herren“ erregen.

„Die Herren“ kommen schließlich mit Hubschraubern. Man sieht sie nicht, hört nur ein Schussinferno aus dem sonst so stillen Wald. So plötzlich wie sie gekommen sind, verschwinden "die Herren" auch wieder in die Ferne. Doch Brandner steuert den Film auf einen tötlichen Höhepunkt zu: Der Jäger hat seinen Freund den Lehrer als Wilderer entlarvt und führt ihn ins Dorf. Der Schuldige stirbt im Kugelhagel der Polizisten, es werden keine Fragen gestellt. Dann lädt der Jäger durch und erschießt die Uniformierten. Brandner hat die Subversion in einer latent gewalttätigen Gesellschaft auf die Spitze getrieben.

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Credits


Orginaltitel:Ich liebe dich, ich töte dich
Bundesrepublik Deutschland, 1971
Regisseur:Uwe Brandner
Schauspieler:Rolf Becker, Hannes Fuchs, Helmut Brasch

Festival

Quelle: Berlinale

58. Internationale Filmfestspiele Berlin

Sektion:Special Screenings