
Für viele pubertierende Jungs, die in den 80ern in der Kleinstadt aufgewachsen sind, war Heavy Metal eine willkommene Gelegenheit, mit Headbanging und Air Guitar spielen überschüssige Energie abzubauen – auch für mich. Neben Accept, Saxon und Iron Maiden waren Judas Priest die absoluten Metal-Heroes und es gab keinen, den es hielt, wenn auf den Beat-Abenden in der Schule die ersten Riffs von BREAKING THE LAW gespielt wurden.
Leider konnte (na ja…durfte) ich damals nicht auf Metal-Konzerte gehen. Daher deckt THE BALLAD OF JUDAS PRIEST meinen Nachholbedarf sehr gut.
Es ist beeindruckend, wen Sam Dunn und Tom Morello (von Rage Against the Machine) vor die Kamera bekommen haben. Jack Black hat einen Heidenspaß, wenn er mit Rauschebart und Hippieklamotten im Schneidersitz in einem hellen chilligen Wohnambiente Judas Priest-Songs gestikulierend begleitet.

Man staunt nicht schlecht, wenn Lzzy Hale von Halestorm, Darryl McDaniels von RUN-D.M.C., Billy Corgan von den Smashing Pumpkins und Scott Ian von Anthrax sich mit Tom Morello zu einem Judas Priest-Round Table treffen. Was Metal für Musiker bedeutet, wird auch in einer Interviewszene offensichtlich, wenn Kirk Hammett von Metallica unerwartet in Tränen ausbricht, wenn er bekennt, dass Metal für ihn sein Leben bedeutet.
An Judas Priest ist neben ihrem prägenden Einfluss auf Heavy Metal als Genre etwas anderes sehr besonders. Lead Sänger Rob Halford musste viele Jahre lang verheimlichen, dass er schwul ist. Heavy Metal war in dieser Zeit durchgängig männlich heteronormativ. Als Halford sich dann 1998 in einem Interview outete, war die Reaktion anders als erwartet: Er bekam viel Liebe und Unterstützung zurück. Die Zeiten hatten sich geändert.
THE BALLAD OF JUDAS PRIEST ist auch noch in anderer Hinsicht ein Zeitdokument. Heavy Metal war für viele im prüden Amerika eine Musik des Teufels. Als zwei Jugendliche versuchten, sich umzubringen, wobei einer von ihnen starb und der andere stark entstellt wurde, zerrte man Judas Priest vor Gericht. Die Jugendlichen hatten nicht nur jede Menge Drogen eingenommen, sondern vorher auch Judas Priest gehört. Nun beschuldigte man die Band, in einem ihrer Songs die unterschwellige Botschaft DO IT untergebracht zu haben. Der Film fasst die Absurdität des aufsehenerregenden Prozesses gut zusammen. Am Ende wurden Judas Priest freigesprochen
THE BALLAD OF JUDAS PRIEST ist eine schöne Abwechslung im häufig kopflastigen Berlinale-Programm und Pflicht für jeden Metalhead.