Berlinale 2016: CREEPY von Kiyoshi Kurosawa / WHILE THE WOMEN ARE SLEEPING von Wayne Wang

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Zwei japanische Filme. Der gleiche Hauptdarsteller und die gleichen Probleme das Publikum zu begeistern. CREEPY von Kiyoshi Kurosawa nennt sich selbst „Mystery Thriller“ und ist eine Mischung aus Serienmörder Cppfilm und Nachbarmörderfilm und (unabsichtlich) Groteske.
WHILE THE WOMEN ARE SLEEPING für den Wayne Wang mal wieder in Asien drehte, ist Schriftstellerfilm und (unabsichtlich) Groteske, der immerhin ganz am Ende gerade noch die Kurve kriegt. Beide Hauptfiguren werden von Hidetoshi Nishijima gespielt, eine Art japanischer jüngerer Bruder von Kevin Spacey.

CREEPY: Kenji, Sereinmörderexperte bei der Polizei trifft eine fatale Entscheidung. Eine Frau kommt um, er wird verletzt und scheidet aus dem Dienst aus. Ein Jahr später zieht er mit seiner Frau in ein neues Haus. Die Nachbarschaft ist eigenartig unfreundlich. In seinem neuen Job an der Uni stößt er durch Zufall auf einen nicht gelösten Fall, in dem eine Familie verschwunden ist. Sein „Instinkt“ sagt ihm beim Blick auf das Haus, dass hier ein Verbrechen geschehen ist und er beginnt mit Nachforschungen.

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Der neue Nachbar und seine Tochter und seine Frau, (die erst in Minute 100 auftaucht und dann gemeuchelt wird) benehmen sich eigenartig. Natürlich ist nach 20 Minuten des 2-stündigen Films klar: der Nachbar ist der Serienmörder des ungelösten Falls und (ein bisschen) Spannung entsteht daraus, wann der „Experte“ Kenji das auch kapiert - weil der führt natürlich auch mit ihm und des Kommissars Frau Ungutes im Schilde.
Nach einer Stunde wird es so abstrus und unglaubwürdig und künstlich in die Länge gezogen, dass alle Freude an dem tollen Hauptdarsteller im messy Script versinkt: Das überlebende Mädchen wird in quälend langen Befragung zum „Durchbruch“ geführt, der Nachbar macht Kenjis nett-harmlose Frau qua seiner geheimen Macht über Mädchen und Frauen heroinabhängig und will wiederholen, was er schon in dem ungelösten Fall zuvor durchgezogen hat: im Keller gestapelte, in Plastik vakuumierte Leichen usw..
Wie es ausgeht ist egal, weil ab mit des Films nur noch die Frage wichtig war: Wann ist dieser Film zuende?
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WHILE THE WOMEN ARE SLEEPING: Regisseur Wayne Wang (SMOKE) hat einige Filme in USA unterm internationalen Radar gemacht, bevor er seinen neuen Film mit Superstar Beat Kitano (Hana Bi etc.) und wieder Hidetoshi Nishijma, diesmal als Autor in der Krise, drehte.
Ein „typisch japanischer“ Film, wenn man die Obsession mit jungen Mädchen als typisch bezeichnet, Stichwort Schulmädchen, Mangaporno bis getragene Unterwäscheversand usw.
Hier ist der alte Mann (Kitano), der mit einem sehr jungen, sehr hübschen Mädchen in einem Hotel residiert und der Autor mit Schreibblockade, der mit seiner Karrierefrau dort ebenfalls am Pool liegt. Und nicht wegsehen kann. Der Klassiker PEEPING TOM stand hier Pate, ein bisschen LOLITA. Die Grundlage des Films ist aber eine Kurzgeschichte von Javier Marias, der der Frage nachging: Was inspiriert den Künstler zu seinem Tun?

Und während also der alte Mann, die junge Frau filmt die ganze Zeit (schlafend und sich in Unterwäsche auf dem Bett räkelnd) versucht der Autor in der Krise, das Geheimnis hinter den beiden herauszufinden, wird hineingezogen in einen möglichen Mordfall oder eine Entführung oder schlicht eine bizarre Beziehung - und kann plötzlich wieder schreiben. Am Ende scheinen alle ihre Freiheit wiederbekommen zu haben und das Buch ist fertig. Schwach ist die plakative Kamera, die schief filmt, wenn etwas Schräges passiert oder Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen und ansonsten konventionell bis öde die allmählichen Verwicklungen abfilmt. Innovation, Eigenwille, Handschrift? Nicht hier. Ein Film für alle, die sich bei Passantenpaaren gelegentlich fragen, was die zusammenhalten mag und dann eine Geschichte ausdenken.

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Titel

Orignaltitel

While the Women Are Sleeping

Credits

Regisseur

Wayne Wang

Schauspieler

Lily Franky

Shioli Kutsuna

Hidetoshi Nishijima

Sayuri Oyamada

Beat Takeshi

Land

Flagge JapanJapan

Jahr

2016

Dauer

103 min.

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