Blog-Artikel von Veronika Reichl

12.02.08 11:23

“RR” von James Benning

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Zug nach Zug nach Zug nach Zug nach Zug

RR ist ein Eisenbahnfilm, vor allem aber ist es ein Landschaftsfilm, der von zufälliger und absichtlicher Schönheit, von Licht, von Stimmungen und räumlichen Strukturen, von Rhythmen und von den USA erzählt. Es handelt sich um ein kunstvolles Arrangement weniger Parameter innerhalb eines festen Settings.

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16.02.07 14:24

Feine Differenzen, genaue Dialoge, frische Sichtmöglichkeiten

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"Yella" von Christian Petzold (Wettbewerb)

Der neue Film von Christian Petzold erkundet Traumvorstellungen auf eine grazile und ungewohnte Art. Auf der Grundebene des Films verlässt Yella ihr altes verbrauchtes Leben in Wittenberge, um einen Job in Hannover anzunehmen. Ihre neue Firma ist insolvent, aber es ergibt sich ein Einstieg in eine aberwitzige Welt des Finanzmangement, in der sie Platz zu finden sucht. Zudem gibt es die Liebe. Auf einer zweiten Ebene wird diese Handlung als Traum sichtbar und eröffnet ein ungewohntes Feld geträumte Vorstellungen zu betrachten.

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15.02.07 17:45

Ein Traum vom Leben der Boheme

"BerlinSong" von Uli M. Schueppel (Panorama)

Dieser Film handelt von einem Traum. Es ist der Traum eines Bohemelebens, es ist der Traum vom Jungsein und der Traum vom Musikmachen. Alle diese Träume scheinen am Sehnsuchtsort Berlin möglich in diesem Dokumentarfilm über sechs junge Musiker. Sie stammen aus den USA, Norwegen, Holland, England und Australien und leben alle seit ein paar Jahren in Berlin. Sie sind ungefähr zwischen 25 und 35, sie kennen sich und gehören zur Antifolkszene in Berlin, sie spielen in kleinen Clubs, und wirken alle – jeder auf eine andere Weise – ein bisschen schüchtern.
Wenn man von diesem Film einen realistischen Blick auf Berlin oder in das Leben der Immigranten erwartet, wird man enttäuscht werden. Wenn man diesen Film dagegen als Sammlung von Eindrücken und als Bild eines Idylls akzeptiert, dann bekommt man zum Dank einen merkwürdig romantischen Spaziergang am Landwehrkanal und einen Nachmittag voll kleiner Gesten eines gemeinsamen Musikmachens geschenkt.

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12.02.07 12:26

15jährige Mädchen in Berlin, und alles echt

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"Prinzessinnenbad" von Bettina Blümner

Es ist Sommer in Kreuzberg. Mina, Klara und Tanutscha bewegen sich durch ihren Alltag. Sie tun das, was man mit 15 tut: sie telefonieren mit irgendwem, sie sitzen im Park, in der Kneipe, im Internetcafe, sie gehen zur Schule, sie arbeiten, sie sind unterwegs, sie hängen ab. Orte sind angefüllt, wenn man 15 ist.
Die untergehende Sonne eines heißen Sommertags beleuchtet den Strom der Autos am Kottbusser Tor. Die laute Musik dazu verstärkt die gute Laune im Kinosessel. Das ist das Leben, sagt der Film und ich glaube ihm. Dieser Dokumentarfilm macht Spaß.

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11.02.07 11:50

Die Reinheit des Handelns

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"Huhwaehaji Anah" ("No regret") von Leesong Hee-il

Dieser Film erzählt eine archaische Liebesgeschichte zwischen einfachen, fast möchte ich sagen, reinen und damit unschuldigen Charakteren. Es ist eine einfache Geschichte über eine einfache, aber große Liebe.
Der arme, aber fröhliche Weise Su-min trifft auf den melancholischen Fabrikantensohn Jae-min. Ihre Liebe entwickelt sich unter großen Opfern und Anstrengungen gegen das gleichermaßen fundamentale wie unsichtbare Verbot einer Liebe zwischen Männern. (Dies ist nur ein Verbot gegen die Liebe, Sex zwischen Männern ist geduldet, vielleicht sogar erlaubt.)

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08.02.06 14:30

Wettbewerb: Snow Cake von Mark Evans (2)

Ein netter Film

Snow Cake macht es uns gemütlich: Gute Schauspieler, hübsche pointierte Dialoge, keine Szene ohne einen Schuss Humor und ein Setting, das genug dramatisches Potential bietet, damit auch die Tränendrüne gedrückt werden kann. Trotzdem tut hier nichts weh. Es ist ein angenehmer Film, in den man entspannt mit einem Arbeitskollegen oder mit seiner Großmutter gehen kann.

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17.02.05 23:26

Gespenster von Christian Petzold

Regie: Christian Petzold * Darsteller: Julia Hummer, Sabine Timoteo

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Ein leichter, schwerer, schöner Film

Zwei Mädchen, eines aus dem Heim, das andere klauend und streunend, lernen sich in Berlin kennen. Vierundzwanzig Stunden eines Sommertag lang bewegen sie sich in Kreisen durch Seitenstraßen des Potsdamer Platzes und durch den Tiergarten. Gleichzeitig führt ein zweiter Erzählstrang ein Paar aus Frankreich ein, das für kurze Zeit in Berlin sind, wo sie vor vielen Jahren ihre Tochter als Dreijährige vor einem Supermarkt verloren haben.
Drei Personen lassen sich von der Möglichkeit von Nähe verführen. Sie öffnen sich je für ein paar Stunden, soweit sie können. Sie zeigen in dieser Zeit Loyalität, legen Zärtlichkeit und Schönheit offen, trotz aller Bedrohung und aller Rückschläge und ohne Garantien für die Zukunft.

Nach dem Film erzählte Christian Petzold, eine Inspiration für den Film sei «Der schöne Sommer» von Cesare Pavese gewesen: ein Roman, der von zwei Proletariermädchen erzählt, die in die Boheme Roms eintauchen, dort mit einem Leben in Leichtigkeit, Sexualität, Party infiziert werden, und im folgenden Winter, als die Boheme ohne sie weiterzieht, sterben. Obwohl ich dieses Thema nicht als Zentrum des Filmes gesehen habe, glaube ich, dass der Film viel seiner Frische aus dieser fein dargestellten Infizierung gewinnt.

Der neue Film von Christian Petzold ist ein schöner Film. Er schafft es von Anfang bis Ende die Spannung zu halten, mehr durch Intensität denn durch Geschwindigkeit oder Plot. Der Film nimmt sich Zeit für Bewegungen und Gesten, er bleibt da, ohne den Rhythmus der Handlung zu überspannen.
Trotz allem enthaltenen Elend und Scheitern ist es ein Film, der seine Zuschauer eher verführt als quält. Er wirkt entspannter und leichter als frühere Filme von Christian Petzold ohne dabei an Brisanz einzubüßen. Die Kamera folgt liebevoll den Protagonisten. Aus ihren Gesten entwickelt eine Spannung, die sich ohne Reibungswiderstand in Ereignisse umsetzt. Die Liebe des Filmes zu den Figuren und zu den Schauspielerinnen (Männer kommen in diesem Film nur am Rande vor), zeigt sich auch in der Weigerung zuviel preiszugeben. Diese unbedingte Liebe und dieser volle Respekt vor den Figuren unterscheidet den Film von fast allen Filmen, die ähnliche Jugendfiguren aus sozialen Randbereichen abbilden.

Die lange Aufmerksamkeit, die Einfachheit des Plots, der trotzdem mehrfach überrascht und das große Vertrauen in Figuren, Dialog und Schauspieler, machen diesen Film zu einem großen Schauspielerfilm. Der Film ist durchgehend hervorragend besetzt. Die beiden Hauptfiguren bilden ein gegnsätzliches und überzeugendes Paar. Julia Hummer als Nina haut einen genauso um wie Sabine Timoteo als Toni.

Als ich aus dem Kino komme, möchte ich Filmemacherin werden, damit ich auch solche Filme machen kann. Mehr kann ein Film nicht schaffen.

Wettbewerb: Kakushi Ken – Oni no tsume (Hidden Blade) von Yoji Yamada

Regie: Yoji Yamada * Darsteller: Masotoshi Nagase, Takako Matsu

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Ein kindlich-ernster Samurai

Dieser Film enthält jede Menge Standarts eines Samurai-Films: das Schwert-Duell, die Frage der Ehre, den Tyrannenmord, und eine große, unmögliche Liebe. Kombiniert wird diese Mischung mit einem Setting, in dem sich die Kunst der Samurai überlebt hat, aber noch nicht gestorben ist und den Protagonisten in einem Gefühl von Sinnlosigkeit lässt.

Das reicht leider nicht, um einen interessanten Film zu schaffen. Der Film spult seine Handlung in hübschen Bildern langsam und gleichmäßig ab, ohne Gewichte zu setzen. Dabei wird (zumindest in der deutschen Untertitelung) kein Satz gesagt, der nicht der Story dient. Die Menschen scheinen völlig unentfremdet und sind eins mit ihren Worten. Sie sind von derselben erstaunlichen Naivität und Gradlinigkeit, die den ganzen Film auszeichnen. Alles erscheint kindlich: der Humor, die Ehre, der Ernst, die Liebe und die Arbeit des Samurai, das Schießen mit Kanonen und Gewehren zu erlernen. Diese Kindlichkeit hat noch nicht einmal die Vorpubertät erreicht, und es ist nur folgerichtig, dass dieser Film keinen Kuss zeigt, denn die gezeigte Liebe ist so asexuell, wie das Abfeuern der Kanone ein lustiges Kinderspiel ist. Nirgends kann der Film die behauptete Umwälzung der Gesellschaft in Bilder und Ereignisse umsetzen.

So kann der Film trotz schöner Menschen und Bildern weder Märchen sein, noch eine wahrhaftige Geschichte erzählen. Stattdessen zeigt er einen kindlichen Blick, dessen Unschuld den Zuschauer je nach Naturell entweder anrührt oder auch langweilt.

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