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Berlinale 2005

20.03.05

Nur eine kurze Unterbrechung....

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Was bleibt ausser Bildern und Karten

Jetzt ist das Licht wieder an und Kinotag nur noch dienstags. Auch für uns ein schmerzhafter Cold Turkey. Aber holen Sie sich doch noch ein Getränk und stöbern in unseren Filmbesprechungen zur letzten Berlinale. Man kommt leicht wieder rein in den Groove. Viele der Filme werden auch ganz regulär bald gezeigt und somit lohnt sich das Lesen.

Und wenn dann alle besprochenen Filme weggeguckt sind, werden auch wir wieder da sein! Mit dem Blog zum nächsten Filmfestival. Sei es in Lübeck, London, Locarno oder Libyen. So lange: Watch & Wonder.

Ihre ::festivalblog-Redaktion

19.02.05

Die Bären: Preise der Internationalen Jury

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So richtig zufrieden sahen Roland Emerich und Franka Potente nicht aus, als sie die Preise verkündeten. Der beste Film schien ein Kompromiss. Bei Publikum und Presse war ganz klar der politische Film Paradise Now der Favorit. So gab es bei Bekanntgabe des goldenen Bärens vereinzelt die üblichen Buh-Rufe.

Und hier die Gewinner:

Goldener Bär

U-Carmen eKhayelitsha (Südafrika) von Mark Dornford-May

Jury Grand Priz-Silbener Bär

Kong Que/Peacock (VR China)von Gu Changwei

Silbener Bär - Beste Regie

Marc Rothemund für Sophie Scholl - Die letzten Tage (Deutschland)

Silbener Bär - Beste Darstellerin

Julia Jentsch für Sophie Scholl - Die Letzten Tage (Deutschland)

Silbener Bär - Bester Darsteller

Lou Taylor Pucci für Thumbsucker.

Silberner Bär - Künstlerische Leistung

Tsai Ming Liang für das Drehbuch zu Tian Bian Yi Duo Yun/The Wayward Cloud (Taiwan/Frankreich)

Silberner Bär - Beste Filmmusik

Alexandre Desplat für De Battre Mon Coeur S´est Arrete/The Beat That My Heart Skipped (Frankreich)

Alfred-Bauer-Preis
(In Erinnerung an den Gründer der Berlinale, für einen Film, "der neue Perspektiven der Filmkunst" eröffnet)

Tian Bian Yi Duo Yun/The Wayward Cloud (Taiwan/Frankreich) von Tsai Ming Liang

Der Blaue Engel - (Bester europäischer Film)

Paradise Now (Niederlande, Frankreich, Deutschland)von Hany Abu-Assad

Die Preise der Unabhängigen

In dem gediegenen Ambiente der Saarländischen Landesvertretung wurden die Preise der Unabhängigen bekannt gegeben. Fast hatte man das Gefühl, auf der Berlinale konkurrieren nicht nur die Filme sondern auch Preise.
Innerhalb von einer Stunde mussten zehn Preise vergeben werden (und das waren noch nicht einmal alle).

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Preisvergabe-Akkord: ein ständiges Kommen und gehen

Hier ein Aussschnitt aus der Preisvielfalt:
(die komplette Übersicht gibt es auf der Berlinale Seite)

Preise der Ökumenischen Jury
Bester Film im Wettbewerb: Sophie Scholl von Marc Rothemund

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Rothemund nimmt den Preis der Ökumenischen Jury entgegen

Bester Film in der Sektion Panorama: Va, Vis Et Deviens (Live and Become) von Radu Mihaileanu

Bester Film in der Sektion Forum: RatzitiLIhiyot Gibor/On the Objection Front von Shiri Tsur

Panorama Publikumspreis

Va, Vis Et Deviens (Live and Become) von Radu Mihaileanu

Teddy Awards

Bester Spielfilm: Un Año Sin Amor von Anahí Berneri

Bester Dokumentarfilm: Katzenball von Veronika Minder

Preise des Internationalen Verbands der Filmkritik („Fédération Internationale de la Presse Cinématographique“)

Wettbewerb: Tian Bian Yi Duo Yun/The Wayward Cloud von Tsai Ming-Liang

Panorama: Massaker von Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theißen

Forum: Nui Piu/Oxhide von Liu Jiayin

Dialogue en perspective
(TV5 und Deutsch-Französischen Jugendwerk für einen herausragenden Beitrag in der Sektion Perspektive Deutsches Kino)

Netto von Robert Thalheim

Leserjury-Preises der Berliner Morgenpost

Paradise Now von Hany Abu-Assad

Amnesty International Filmpreis

Paradise Now von Hany Abu-Assad

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Hany Abu-Assad mit dem ai-Preis. Besonders freute ihn der Leserjury Preis der Morgenpost, denn das zeige, dass sein Film vom Publikum angenommen werde.

Kosslick IV, die Berlinale endet morgen. Zwei Zeitungsreviews

"Eine Schande für das Land" findet die FAZ den Umgang mit Filmen:

Nach Ende der Berlinale werden diese Filme, vor allem die zahlreichen erschütternden, bemerkenswerten, lehrreichen oder mindestens interessanten Dokumentarfilme, die im Festival zu sehen waren, in keinem deutschen Kino zu finden sein, sowenig wie die kleinen Produktionen aus China, der Mongolei, der Ukraine, Kroatien oder Korea oder die Kurzfilme, die die langen Spielfilme nicht selten durch ihren Witz und ihr technisches Raffinement ausstachen. Kurz, die zehn Tage der Berlinale sind die einzige Zeit im Jahr, in der sich das Kino in Deutschland als ernstzunehmende, wichtigste, entsprechend gepflegte und angemessen präsentierte populäre Kunstform behauptet. Für das Festival ist das Grund genug, stolz zu sein. Für das Land ist es eine Schande.Die Filmfestspiele in Berlin zeigen, daß der erbärmliche Zustand der deutschen Kinokultur, die Monotonie des Programms, die Verwahrlosung vieler Kinosäle, die oft unzureichende Projektion oder wummernde Klangqualität sich nicht damit erklären lassen, daß das Publikum sich vom Kino abgewandt habe und, wenn es sich doch einmal zum Kinobesuch aufraffe, nichts sehen wolle als Mainstreamware. Die Berlinale ist ein Zuschauerfestival. Sie gibt also auch Auskunft über das öffentliche Interesse am Medium und an der Aktivität „Ins Kino gehen”. (der ganze Artikel hier)

Die FR meint: Man muss kein Prophet sein, um die chancenreichen Kandidaten auf die Bären zu benennen: Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn Marc Rothemunds dem alten Hauff-Film Stammheim gar nicht so unähnliche Aktenverfilmung Sophie Scholl nicht prämiert würde, wenigstens für ihre lebendige Mitte, die allseits zu recht bewunderte Hauptdarstellerin Julia Jentsch.

El Inmortal - von Mercedes Moncada Rodríguez

Regie: Mercedes Moncada Rodríguez * Drehbuch: Mercedes Moncada Rodríguez *
Kamera: Javier Morón Tejero * Schnitt: Viviana Garcia, Mercedes Moncada Rodríguez

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Etwas langatmig und betont symbolhaft, aber gute Dokumentation einer Familie im Bürgerkrieg

Der von den USA in Nicaragua gegen die gewählte Regierung der Sandinisten initiierte und unterstützte Krieg war in den 80er Jahren wohl eines der großen Thema der Linken in Europa. Wie skrupellos und teilweise vollkommen ohne politische Motivation viele Nicaraguaner dabei selbst gegeneinander vorgingen, dokumentiert Mercedes Moncada Rodríguez in diesem Film über eine bäuerliche Familie aus Nicaragua, die bei einem Scharmützel zwischen Sandinisten und Contras zwei Söhne und eine Tochter durch Entführung an die Contras verlor. Der einzige "verbliebene" Sohn hat sich später den Sandinisten angeschlossen und damit quasi gegen seine Geschwister gekämpft. Drei dieser Geschwister (der älteste Bruder ist im Krieg gestorben) erzählen mit ihrer Mutter von den damaligen Erlebnissen.

Dabei kommen hauptsächlich die von den Contras entführten beiden Geschwister zu Wort, was auch prompt im Zuschauergespräch moniert wurde - wo sei denn der Standpunkt der Sandinisten? Aber dem Film geht es garnicht im die politischen Positionen, sondern viel einfacher, um die Praxis der Kindesentführung, Ausbildung und des Kampfes. Denn, so erschreckend es war, die drei Geschwister zeigten sich auch heute noch weitgehend unpolitisch.

Die Beteiligten erzählen meist in ruhiger Stimme, was vorgefallen war, ihre Erinnerungen sind präzise und werden lebendig vermittelt. Viele der grauenhaften Konsequenzen des Krieges werden dabei allerdings nur angedeutet: etwa die Vergewaltigungen der (auch kämpfenden) Frauen, die Brutalität, mit der Menschenleben aufs Spiel gesetzt werden (Geschwister durften eigentlich nicht zusammen kämpfen, denn es galt: wenn der eine stirbt, stirbt auch der andere, weil er immer versuchen wird, seinen Bruder oder seine Schwester zu retten).

Es ist ein interessantes Bild, das hier in geruhsamen und dicken Pinselstrichen von einem winzigen Dorf in Nicaraguagezeichnet wird. Etwas bemüht symbolisch quält sich ein bedrohlicher Lastwagen durch verschiedene Bilder, in dessen Windschutzscheibe "El Inmortal" geschrieben steht, der Unsterbliche. Er stehe für all das Übel und das Schlechte in Nicaragua, so die Regisseurin im Gespräch, das auch heute nicht verschwunden sei. Ihr Abschlussbild sei pessimistisch gemeint, aber der dann kaputte, von Pflanzen zugewachsene LKW wäre dann eher ein Symbol für Hoffnung? Vieles bleibt in diesem Film unklar. Unzweifelhaft aber ist, dass es Generationen benötigt, um die durch den Krieg Bruder gegen Bruder, Nachbar gegen Nachbar und Nicaraguaner gegen Nicaraguaner gerissenen Wunden wieder verheilen zu lassen. Das zeigt der Film eindrucksvoll.

Wettbewerb: Paradise now von Hany Abu-Assad

Niederlande, Frankreich, Deutschland 2005 Regie: Hany Abu-Assad * Darsteller: Kais Nashef, Ali Suliman, Lubna Azabal, Amer Hlehel, Hiam Abbass

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“Mit meinem Film kämpfe ich gegen die Besatzung und gegen das, was sie den Menschen antut“, sagt Hany Abu Assad, der Regisseur des viel beachteten Wettbewerbsbeitrags „Paradise now“. Was gibt es noch zu sagen über den Nahostkonflikt, womit kann sich ein Film jenseits der gängigen Klischees noch beschäftigen? Ich nicht längst alles gesagt, und sogar mehr als das? Abu Assad nimmt sich einem der umstrittensten Themen des Palästinakonflikts an, zu dem die Kunst in der Regel schweigt – wo sie es nicht tut, muss sie mit Skandalisierung oder dem Vorwurf der Naivität rechnen.

Als der schwedisch-israelische Künstler Dror Feiler in Stockholm Anfang 2004 ein Kunstwerk ausstellte, dass sich mit dem Thema beschäftigte, kam es zum Skandal. Unter dem Titel „Schneewittchen“ schwamm dort das Foto einer palästinensischen Selbstmordattentäterin auf einem Teich aus Blut; ein Begleittext enthielt Einzelheiten über die Biographie der Attentäterin. Das Werk zeigt mit den Mitteln der Groteske das Groteske der Tat. Aber nicht jeder Betrachter sah das Werk als Versuch, sich dem Phänomen der Attentäter anzunähern: Der israelische Botschafter war über das Gezeigte so erregt, dass er das Kunstwerk eigenhändig zerstörte. Ministerpräsident Sharon gratulierte ihm danach zu einem „mutigen Schritt gegen den Antisemitismus“.

Wer sich zum Thema äußert, begibt sich unvermeidbar auf vermintes Gelände. Hany Abu-Assad hat es trotzdem geschafft, einen relevanten Film über „Selbstmordattentate“ zu drehen – allein diese Feststellung macht den Film zu Recht nicht nur zu einem der politisch bemerkenswertesten, sondern wohl zu einem der wertvollsten Beiträge der diesjährigen Berlinale insgesamt. Er nähert sich dem umstrittenen Thema „Selbstmordattentate“ als menschlichem Phänomen und verweigert sich den gängigen Interpretationsmustern.

In der Regel gibt es zwei platte Erklärungen: Die eine – besonders in Israel populäre – Erklärung zeichnet die Attentäter als radikal indoktrinierte Mordmaschinen, deren religiöse Verblendung sie an den Eintritt ins Paradies nach vollbrachter Tat glauben lässt. Dieses Erklärungsmuster lässt keinen Platz für politische Motive, persönliche Verbitterung und das Gefühl der Demütigung. Die andere Erklärung, populär auch auf deutschen „Pro-Palästina-Demonstrationen“, macht es sich nicht weniger einfach: Allein die Besatzung sei schuld, die Grausamkeit der Israelis, die grenzenlose Verzweiflung und Armut der Palästinenser. Aber wer arm und verzweifelt ist, sprengt deswegen noch lange nicht unschuldige Menschen in die Luft.

Die ganze Diskussion um Selbstmordattentate ist ungeheuer politisch aufgeladen und wird auch meist sehr polemisch geführt. Abu-Assads völlig unpolemischer Film macht sich dagegen frei von einfachen Urteilen und pauschalen Argumenten. Er betrachtet im wesentlichen zwei Menschen, die sich zu einem Anschlag entschlossen haben und zeigt Kohärenz und Brüche in ihrer Haltung, in ihrer Biographie, in ihren Motiven und Überzeugungen. Dabei kommt es manchmal zu anrührenden, manchmal skurrilen Szenen, die dem Film nichts von seiner Glaubwürdigkeit nehmen. Den größten Wahnsinn fand Abu-Assad bei seinen Recherchen in der Realität; im Interview mit der „ZEIT“ erzählt er:

„Eine wirklich unglaubliche Geschichte handelt von einem Selbstmordattentäter, der zum Einsatz in Tel Aviv gefahren wird. Plötzlich steigt eine Frau zu ihm ins Auto. Es stellt sich heraus, dass sie ebenfalls einen Sprengstoffgürtel trägt. Daraufhin weigert er sich, den Auftrag mit ihr gemeinsam auszuführen, denn er ist davon überzeugt, dass das Töten Männersache ist, während die Frauen Leben schenken sollen. Beide werden furchtbar wütend und brüllen sich im Auto an. Sie beschimpft ihn als Frauenfeind, als Reaktionär, und sie besteht darauf, dass eine Frau das gleiche Recht hat, in den Tod zu gehen, wie der Mann. Das muss man sich mal vorstellen: Zwei Selbstmordattentäter in einem Riesenkrach über die Moderne, den Feminismus, die Geschlechterpolitik.“

Es sind solche krassen Brüche, die auch die Charaktere in Abu-Assads Film kennzeichnen. Sie sind weder gefühlskalte Monster noch religiös Fanatisierte, die vom sofortigen Eintritt in Paradies überzeugt sind. Es sind widersprüchliche Charaktere, deren Biographien stark von der Besatzung geprägt sind – was heute ohne Zweifel auf jeden jungen Palästinenser in der Westbank und besonders in Gaza zutrifft. Dabei macht es sich der Film nie so einfach, Selbstmordanschläge allein mit der schwierigen Lage der Palästinenser zu erklären. Aber er zeigt, dass das Gefühl der andauernden Erniedrigung, der Perspektivlosigkeit und des hergebrachten Hasses gegen „die Besatzer“ unabdingbare Grundvoraussetzungen sind. Die islamistischen Drahtzieher der Anschläge zeichnet Abu-Assad als Menschen, die hinter ihren Propagandaformeln kein menschliches Empfinden mehr bewahrt haben.

3181_0001_Thumb2.jpg Regisseur Hany Abu-Assad

Abu-Assad sagt von sich selbst, er sei „Pazifist“. Auch lässt der Film keinerlei Zweifel an der Tatsache, dass die Attentate moralisch falsch sind. Aber er nimmt die Motive der Attentäter ernst und versetzt sich in ihre Perspektive. Besonders das Ende von Abu-Assads Film ist dementsprechend wenig hoffnungsvoll. Es wäre einfacher gewesen, einen Film zu drehen, in dem alle Charaktere letztlich „bekehrt“ werden und zum gewaltlosen Widerstand übergehen. Dann wäre es ein Film geworden, der Hoffnung macht. Und ein Film, der sich der gegenwärtigen Realität verweigert.

Es wird auch bei diesem Film Stimmen geben, die Abu-Assad „Verständnis“ für die Selbstmordattentäter vorwerfen werden. Sollte er in Israel gezeigt werden, wird es lautstarke Proteste geben. Vielleicht wird wieder jemand versuchen, die Aufführung zu verhindern. Für Abu-Assad wäre das ein Erfolg: „Es wäre unglaublich, wenn die Isrealis einen Film sehen könnten, der Selbstmordattentäter als Menschen und nicht einfach als Monster porträtiert. Ich will Paradise Now aber auch in Nablus zeigen, wo wir viele Szenen gedreht haben. Leider gibt es dort kein Kino mehr...“

Forum: Violent Days - von Lucile Chaufour

Regie: Lucile Chaufour * Drehbuch: Lucile Chaufour * Kamera: Dominique Texler * Schnitt: Elisabeth Juster * Darsteller: Frédéric Beltran, Franck Musard, Francois Mayet, Serena Lunn

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Zwiespältig: Gute Musik, schöne Bilder, totale Leere


Vieles was Andreas in seiner Rezension über Ultranova geschrieben hat könnte man auch über Violent Days sagen. Auch hier ein Porträt von Langeweile, Leere, Ausweglosigkeit. Diesmal allerdings aus Frankreich und in einem zeitgenössischen Rockabilly/Rock´n´Roll-Setting.

"Violent Days" ist konsequent in schwarz/weiß-gedreht, denn die Zeit ist für die Figuren in den 60ern stehen geblieben. Mit Riesentolle, Jeans mit Schlag und gealtigen Koteletten trotzen sie dem Zeitgeist und machen "ihr Ding", eben den Rock´n´Roll. Bloß spielt der Film nicht in den USA der 50er oder 60er Jahren, sondern in einem ziemlich zeitgenössichen Frankreich. Das stellt natürlich die Verlorenheit und Unstimmigkeit dieses Lebensstils heraus.

Die Handlung ist schnell erzählt: Eine Clique von vier Männern und eienr Frau verbindet nicht nur ihre Liebe zur 50er Jahre Rock-Musik, sondern auch ihre Hintergrund aus der Arbeiterklasse. Und ihr gewaltiges Aggresionspotenzial. An einem Wochenende fahren Sie zu einem Rock-Konzert nach LeHavre.

Sonst passiert nicht viel, in diesem Film, der sich oft an der Grenze zur Dokumentation bewegt, wenn bspw. nicht mehr klar ist, ob die Besucher des Konzertes Schauspieler sind oder nicht. Die Leere und Langsamkeit der Handlung wird konterkariert von dem ständigen Aggresionspotenzial der Figuren und eben der guten, schnellen, schönen Musik. Das alles passt nicht wirklich zusammen, und genau das zeigt der Film auch in eindringlichen Bildern, die auch uns Zuschauer nicht vor dieser Leere und Langeweile bewahren. Denn es passiert nichts. Die fünf haben sich nichts zu sagen, sind ziemlich kaputte, verlorene Existenzen und der Konzertbesuch gerät beinah zur Freak-Show. Aber, und das ist die große Qualität des Filmes, werden die Figuren ernst genommen, werden zwar als Unsympathen dargestellt, aber nicht lächerlich gemacht, und es wird auch kein einfaches, positives Identifikationsmodell daneben gesetzt. Man ist einfach dabei, pseudo-dokumentarisch, bei einer Autofahrt von vier kaputten Existenzen, die eigentlich kein Leben leben, aber in ihrer Musik so tun können als ob.

Bei uns ist niemand eingeschlafen, ich war begeistert von diesem Film, Christian, Karen und Kathrin dagegen verwirrt bis gelangweilt. Daher Gesamturteil: zwiespältig.

Panorama: Ultranova von Bouli Lanners

Belgien, Frankreich 2004 Regie: Bouli Lanners * Drehbuch: Bouli Lanners * Kamera: Jean-Paul de Zaeytijd * Schnitt: Erwin Reyckaert * Darsteller: Vincent Lécuyer, Hélène De Reymaeker, Marie Du Bled

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Die Hälfte des Film habe ich verschlafen. Kann ich jetzt trotzdem darüber schreiben? Immerhin beweist es wie glaubwürdig der Film war, in seinem Versuch Leere, Langeweile und Ausweglosigkeit in der belgischen Provinz zu zeigen. Hier passiert nichts. Und wenn etwas passiert, dann ist es traurig. Zeigen können die Menschen in dem Film ihre Traurigkeit allerdings nicht. Leere lässt auch Traurigkeit nicht wirklich zu. Wie die Menschen, so die Landschaft: es ist Winter, keine Farben, alles grau. Mir ist als ob ein Vampir dem Film die Farben entzogen hätte.

In seiner Trockenheit erinnert Ultranova mich ein wenig an Detlev Buck mit "Wir können auch anders" oder "Karniggels". Oder an Kaurismäki. Unterschied: es gibt nicht wirklich was zu lachen. Und: es entwickeln sich keine grossen Geschichten im kleinen Universum der Akteure. Sie sind keine Helden des Alltags. Sie können dem grauen Nebel der Bedeutungslosigkeit nicht entkommen. Ausbruchsversuche fahren gegen die Wand.

Vielleicht sollte ich mir den Film noch einmal im Sommer anschaun. Vormittags und nicht in der Spätvorstellung. Berlin im Winter scheint mir der denkbar ungünstigste Augenblick. Zu wenig Kontrast. Im Sommer würde ich aus dem Kino kommen, eine Brise würde wehen und mit einer leichten Traurigkeit würde ich nach Hause schlendern.

Forum: Mahiru no hoshizora (Starlit High Noon) von Nakagawa Yosuke

Japan 2005 * Regie/Buch: Nakagawa Yosuke Darsteller: Suzuki Kyoka, Wang Leehom, Kashii Yu Musik: Sawada Joji

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Dieser Film ist nicht empfehlenswert, wenn man mit leerem Magen hingeht. Und tatsächlich geben die Produzenten zu, ja! wir hatten eigens dafür Food Production. Und einen Superkoch-Double. Denn der Hauptdarsteller Wang Leehom kann besser Musik machen als kochen: er ist im wahren Leben ein großer Popstar und Teenieschwarm in Ostasien. Seine Figur Lian Song ist ein Auftragskiller, der in Taipei „arbeitet“ und in Naha, Okinawa, der Muße nachgeht: kochen, schwimmen und Modellflugzeuge bauen. In diesem Refugium begegnet er Yukiko bei seinem wöchentlichen Besuch im Waschsalon und überwindet sich nach langem Beobachten, sie anzusprechen. Er lädt sie zum Essen ein, dem sie schließlich nach langem Zögern nachgibt. Doch soll er zurück nach Taipei. Man will ihn an das verfeindete Triadenlager zum Zeichen der Wiedergutmachung opfern, da Lian den gegnerischen Boss im Auftrag umgebracht hatte. Lian schreibt einen Brief an Yukiko, sie solle sich entscheiden: zum Flughafen kommen, dann würde er in Naha bleiben, oder er würde für immer nach Taipei gehen. Diesen Brief vertraut er der jungen Frau an, an die er täglich im Schwimmbad vorbeigeht – sie ist dort eine Angestellte, die ihn heimlich von ferne bewundert. Eifersüchtig schmeißt sie den Brief weg.

Im Film fällt entgegen unseren Erwartungen kein einziger Schuss. Er ist ruhig und voller Bilder der üppigen subtropischen Landschaft Okinawas. Samtige Brisen, warmes Sonnenlicht, leises Klingeln von Windspielen und das Meer, kein Wunder, dass Protagonist Lian sich hier in seinem Gaijin-Haus wohlfühlt (hier sind US Militärbasen und extra für sie errichtete Häuser). Er wirkt naiv und jungenhaft, fast tollpatschig, verliehen durch seine für asiatische Verhältnisse große Statur, und ist ein Träumer. Er will einmal in der Mittagssonne die Sterne sehen. Denn man erzählt sich, auf dem Himalaya wäre dies möglich. Gleichzeitig schwimmt er wie ein Berufssportler, geht geschmeidig gefährlichen Situationen aus dem Weg. Suzuki Kyokas Rolle spricht wenig. Ihre Mimik ist subtil, die Figur ist verhalten, und trotzdem erkennen wir die tiefe Trauer in einem einzigen Blick. Wir sehen eine leise Andeutung von Skepsis in ihrem Gesicht, als sie das taiwanesische Essen probieren soll, und den plötzlichen Umschwung in ein erstaunt begeistertes Aufleuchten. Sie ist im Gegensatz zu Wang Leehom eine ausgebildete Schauspielerin, die wir aus Radio no jikan kennen und in Blood and Bones mit Beat Takeshi sehen werden.

Der Regisseur nimmt sich viel Zeit, diese Geschichte zu erzählen. Sehnsüchtige Landschaftsbilder und unterschwellig erotische Essensszenen, bloß nichts überstürzen oder offen ansprechen. Kleine Gesten entscheiden. Ich muss die fantastische Musik von Joji Sawada erwähnen, endlich wieder Filmmusik: mit richtigen Instrumenten und richtiger Komposition. Gezielt eingesetzt, ohne zu sehr von der Handlung abzulenken.

Ein großer Wermutstropfen bleibt, denn wie soll dieser Film synchronisiert werden? Mir wurde erst bei einer Publikumsfrage bewusst, dass kaum ein Zuschauer merken konnte, wie Lian seine Monologe auf Mandarin führt und mit Bravour ins Japanische wechselt, wenn er sich mit Yukiko unterhält. In dem Film ist es völlig normal zwischen den Sprachen zu wechseln (und sie sind sich in keinster Weise ähnlich, auch nicht untereinander mit kantonesisch oder koreanisch). Es zeigt eine Form von „inter-connectedness“ in Ost- und Südostasien und erzeugt eine ganz eigene Atmosphäre, die mittlerweile in mehreren Filmen vorkommt – Fulltime Killer auf japanisch, kantonesisch, mandarin und etwas englisch, Comrades - Almost a Love Story auf kantonesisch, mandarin und englisch usw.

Nun denn, wem asiatische Sprachübungen zu umständlich sind, der soll sich einfach nur auf die schönen Bilder konzentrieren und sich den Duft vom Essen vorstellen.

18.02.05

Retrospektive: "Who is afraid of Virginia Woolf?" von Mike Nichols

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Richard Burton und Liz Taylor geben in diesem Klassiker das middle-aged Paar, dass sich in Kampf, Hass und Versöhnungsritualen durch das Ende ihrer Ehe schleppt. Ein anderes Paar dient ihnen für einen Abend als Publikum und zugleich Spiegel für das, was sie mal sein wollten, und Bestätigung, was aus ihnen geworden ist. Sie ist eine Trinkerin, er ein Geschichtsdozent, der vor allem der Schwiegersohn des Unidirektors ist und in Augen aller, und wohl auch nach seinen eigenen Maßstäben, ein Verlierer. Die kleinen Geheimnisse einer Beziehung, die dunklen Stellen, die man dem anderen mal anvertraute, werden gnadenlos hervorgezerrt, um zu verletzen. Die Gäste müssen eine Nacht lang die kurzen Wortgefechte verfolgen und wie die beiden in einer jahrelang einstudierten Choreographie aufeinander einschlagen. Alles ist nur ein Spiel. Ist alles nur ein Spiel? Der Sohn, den es nie gab, der aber weil man ihn so gern gehabt hätte, wie man das ganze Leben gern anders gehabt hätte, ihn lassen sie am Ende sterben. Liz Taylor spielt die leicht aufgedunsene, keifende Alkoholikerin, die sie wirklich noch werden sollte und Richard Burton gibt den Ostküsten Professor im Strickjäckchen, der im Verlauf des Abends all seine aufgestauten Aggressionen nicht mehr hinter eine Fassade aus Ironie, Sprachwitz und Understatement versteckt, sondern den anderen sein Spiel diktiert, bitterböse und gewalttätig wird. Am Ende liegen nicht nur die Lügen dieser beiden offen zu Tage, sondern auch das andere Paar, die eigentlich nur auf eine Drink vorbei kommen wollten, sie haben einander ganz nebenbei, im Schlachtgetümmel der Älteren und durch sie ihre Lügen gestanden.
2 Stunden nur Reden, Reden, Reden. Jeder Dialog auf den Punkt, voller Doppeldeutigkeiten und Witz oder Bissigkeit. Aber nichts passiert eigentlich und doch zerbricht ein ganzes Leben. Was ein Film

Wettbewerb: „The Life Aquatic with Steve Zissou“ von Wes Anderson

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Jack Cousteau auf Dope

*Regisseur: Wes Anderson, *Darsteller: Owen Wilson, Bill Murray, Anjelica Huston, Cate Blanchett, Willem Dafoe

Es gibt Regisseure, die nehmen sich vor Filme zu machen, die man nicht zusammenfassen kann. Wenn man versucht zu sagen, worum es in so einem Film geht, spürt man schon beim Sprechen, dass man der eigentlichen Handlung nicht näher kommt mit all den Figuren die man da aufzählt und deren Zusammenspiel man erläutert. So ein Film ist auch Wes Andersons "Life Aquatic..." Irgendwie. Es geht um einen Kapitän und Meeresfilmer, der einen Hai jagt, der seinen Buddy gefressen hat, aber auch um einen Sohn, den er er findet und wieder verliert, um eine Ehe zu einer Frau, die das Geld hat und um eine Geliebte, die auch der Sohn liebt, um eine Manschaft mit Zipfelmützen, um einen Konkurrenten, der all das Geld für Filme bekommt, das Zissou fehlt, wehalb der auf einem klapprigen Kahn über die Meere schippert, diesem anderen seine Forschungsgeräte stiehlt, um sie dann wieder an Piraten zu verlieren, die wiederum auf einer Insel dann alle umgelegt werden, weil sie auch noch einen Versicherungsagenten entführt hatten. Am Ende sitzen alle im U-Boot, der große Fisch schwimmt vorbei, Zissou lässt ihn am Leben und Schluss. Dazu gibt es von einem Besatzungsmitglied gesungen David Bowie Songs auf Portugiesisch. Eine Mischung aus Yellow Submarine von den Beatles, James Bond und Theaterstück auf einer Schiffsattrappe. Worum es in dem Fim geht, müßt ihr euch anschauen. Und das ist vielleicht auch das Schönste an dem Film. Alles klar?

Angelica Houston hat auf der Pressekonferenz gesagt, sie habe den Film inzwischen fünf Mal gesehen und wisse immer noch nicht genau, worum es gehe. Ich weiß, was sie meint. Aber sie mochte den Film. Ich auch.

Panorama Special: Riyuu (The Motive) von Nobuhiko Obayashi

Japan 2004 * Regie: Nobuhiko Obayashi Buch: Nobuhiko Obayashi und Shiro Ishimori nach einem Roman von Miyuki Miyabe Darsteller: Ittoku Kishibe, Masami Hisamoto, Miyoko Akaza, Jun Fubuki

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Bevor der Film beginnt, kommt der lächelnde ältere Regisseur Herr Obayaki auf die Bühne. Er sagt uns einige Sätze zum Film, lächelt viel, genauso wie die widerwillig herbei geholten drei Produzenten, darunter seine Frau, die ganz verlegen kichern. Er hofft, der Film berühre uns, geht uns ans Herz. Irgendwann sagt er das noch einmal. Als schon alle denken, jetzt kann der Film beginnen, sagt er das wieder und lächelt ganz freundlich dabei.

Genauso ist der Film. Wie ein lieber alter Großonkel, der uns eine Geschichte erzählt. Dann holt er aus und erzählt weiter. Und holt wieder Luft und erzählt und erzählt und kommt nicht zum Punkt.

Eigentlich ist Riyuu eine spannende Geschichte, geschrieben von der in Japan erfolgreichen Autorin Miyuki Miyabi. Vier Tote in einer Wohnung, von denen aber keiner wirklich hingehört. Was haben sie dort alle gemacht? Kannten sie sich untereinander überhaupt? Was verbindet sie mit dem Besitzer? Was war das Motiv von diesen Morden? Die zuständigen Polizisten sind verwirrt, und in einzelnen Szenen erzählen alle Zeugen, was sie gesehen haben, woher sie wen kennen. Sie erzählen es in die Kamera, uns, als würden wir sie bei einem kleinen Plausch ganz locker verhören. Aus verschiedensten Winkeln sehen wir die Mordnacht wie bei einem Miss Marple oder Hercule Poirot Film, die Puzzleteile ergeben nach und nach ein großes Bild.

Es ist leider ein sehr, sehr großes Bild. Alle erzählen und erzählen. Sicher gibt es einige witzige Details, die einen zum Schmunzeln bringen. Ein Mann plaudert seine Geschichte, während im Hintergrund des Segelclubs zwei halbnackte Mädchen ins Bild kommen. Als ein junges Mädchen in sehr kurzem Mini ein Orangensaft serviert und in die Kamera lächelnd grüßt, wird der befragte Mann wütend und schmeißt alle hinaus, da er nicht gefilmt werden möchte. Alle, die ins Bild kommen, grüßen uns freundlich verlegen, bitten uns zum Tee oder Kaffee. Es ist das einfache alltägliche Tokyo fernab vom bizarren und verrückten Shibuya oder Shinjuku. Keine Louis Vuitton Taschen oder Gucci Schuhe, keine stylischen oder im Fetisch verkleidete Figuren. Kein buntes rastloses Treiben voller Salarymen oder Geschäftsleuten. Nicht die uns fremde Popwelt wie in Lost in Translation, ganz frei von Klischees und dem verkorksten westlichen Bild Nippons. Hier werden einfache Familien in einem der vielen Stadtteilen Tokyos gezeigt, mit einem seufzenden Bedauern, dass sich so vieles vor allem seit dem Krieg verändert hat. Häuser abgerissen, alte Straßenzüge platt gemacht. Leise Kritik an Geldgier und Profitwahn, die einfache Existenzen kaputt macht, die so hart gearbeitet haben, die noch an familiäre Werte glauben.

Ein ruhiger Film mit viel Liebe zu Details. Zu viel Liebe zu Details. Man traut sich kaum aufzustehen, als man zum Tee gebeten wird und erzählt bekommt, wie der Vater von der verdächtigen Person war. Ja, er hatte es damals so schwer, dieses Süßwarengeschäft zu erhalten. Denn dessen Mutter war eigentlich auch bemitleidenswert. Sie musste in eine vorherbestimmte Familie einheiraten. Und der Verdächtige, der wollte ja nur das Beste für seine Kinder. Er ist ja gleich nach der Schule von zu Hause ausgezogen. Und sein Vater ist nie darüber hinweggekommen. Man schielt schon zur Tür, guckt heimlich auf die Uhr und lächelt freundlich, weil man doch endlich wissen will, was war nun das Motiv???

Favoriten der Presse für den besten Film im Wettbewerb

Welcher Film im Wettbewerb hat der Presse am besten gefallen?


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Ying Yong, Chinese Movie Channel

Favorit
Paradise Now von Hany Abu-Assad

Warum?
Wegen des politischen Themas und der grossartigen Leistung der palästinensischen Schauspieler.

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Wei-Jeu Liu, Movie Magazine (Taiwan)

Favorit
Paradise Now von Hany Abu-Assad


Warum?
Die diesjährige Berlinale wurde stark von Filmen bestimmt, die ein politsches Thema hatten. Von all diesen Filmen hat mir "Paradise Now" am besten gefallen, u.a. weil er sein Thema nicht so politisch korrekt angeht, wie z.B. "Sophie Scholl". Neben seiner politischen Dimension ist der Film aber auch sehr menschlich und bewegend.


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Edwinar Patski, freier Journalist (Litauen)

Favorit
Paradise Now von Hany Abu-Assad

Warum?
Weil alle anderen Filme schlecht und langweilig waren.


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Markus Hockenbrink, Intro (Deutschland)

Favorit
Gespenster von Christian Petzold

Warum?
Weil er diesen Kontrast der Realität zum Unweltlichen, dem die Personen ausgesetzt sind, sehr gut rübergebracht hat. Der Film war wirklich sehr gespenstisch.


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David Mitjans, Radio Matorell (Spanien)

Favorit
Paradise Now von Hany Abu-Assad
The Wayword Cloud (Tian Bian Yi Duo Yun) von Tsai Ming Liang

Warum?
Paradise Now spricht über ein reales Thema.
Wayword Cloud ist sehr orginell und anders, er ist eher wie ein koreanischer Film.

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Lia Witteck, freie Journalisten (Georgien und Deutschland)

Favorit
The Hidden Blade (Kakushi Ken - Oni No Tsume) von Yoji Yamada

Warum?
Sehr gute Darstellung der Moral der japanischen Krieger und der Reinheit der Personen.

Wettbewerb: Tian Bian Yi Duo Yun (The Wayward Cloud) von Tsai Ming Liang

Taiwan, China, Frankreich 2004 * Regie/Buch: Tsai Ming Liang Darsteller: Shiang Chyi Chen, Kang Sheng Lee, Yi Ching Lu, Sumomo Yuzakura

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Dieser Film hat ganze 112 Minuten gedauert, fällt in die Kategorie Musical/Comedy/Drama (imdb.com) und verleitet Berliner Boulevardblätter zu sagen, die Berlinale hätte sich in die “Sexinale” verwandelt. Wo beginne ich nur… Man hätte sich wohl Tsais vorhergehenden Film ansehe müssen, „What Time is it there?“ (2001), denn sonst weiß man sicher nicht, dass die Hauptfigur Shiang-Chyi aus Frankreich zurückkehrt, dass sie die andere Hauptfigur Hsiao Kang kennt, der einmal am Hauptbahnhof Uhren verkauft hat. Die Hauptpromenade, an der er stand, ist abgerissen, und sie kann ihn nicht mehr dort finden. Soweit in der Zusammenfassung des offiziellen Berlinale Programms.

Verdammt, diesen Anfang habe ich ja gar nicht gesehen! Ich habe nur scheinbar ziellos umherirrende einsame Menschen in der leeren Millionenstadt Taipei gesehen. An einer Stelle setzt sich die Frau einfach zu einem schlafenden Mann an eine Kinderschaukel, der sie anlächelt, als sie aufwacht. Dann nimmt sie ihn gleich mit in die Wohnung.

Und da gibt es noch die Pornoszenen. Ja, der Uhrenverkäufer ist Pornodarsteller geworden. Wenn man ganz konzentriert aufpasst, sagt Shiang-Chyi an einer einzigen Stelle, „Verkaufst du keine Uhren mehr?“ Und er sagt nichts, wie im ganzen Film nicht. Irgendwann kommt sie dahinter, denn es wird gleich nebenan gedreht.

Viel Symbolik: Wassermelonen, Wassermangel und Dürre in der Sommerhitze Taipeis, eiskaltes reines Wasser in durchsichtigen Plastikflaschen in Shiang-Chyis Kühlschrank, ein Koffer, der nicht aufgeht, ein Schlüssel, der im Asphalt fest eingewalzt wurde, eine japanische Pornodarstellerin, die sich im vollen Lift auszieht, weil sie Ameisen am Körper hat. Sonst sind die Lifte immer leer, die Gänge leer, die Wohnungen karg und unbewohnt. Alles wirkt kalt trotz der unerträglichen Hitze. Es ist eine Entfremdung und Rückzug in ein kleines Mikrokosmos von Einsamkeit. Stille durchzieht den Film, viel Text musste niemand lernen, eigentlich sagt Hsiao Kang nicht ein einziges Wort im ganzen Film, die Japanerin stöhnt viel und sagt einen einzigen Satz. Die gedrehten Pornoszenen wirken routinehaft, alltäglich und auf keinen Fall schmutzig oder anrüchig – seltsamerweise. Kleine Pannen lassen diese äußerliche Nacktheit ganz normal erscheinen. Es steckt sogar Witz in den meisten Szenen, ohne die Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben oder bloß zu stellen. Und plötzlich, als wäre die Filmhandlung in Theaterakte gegliedert, durchbrechen bunte, laute Musikszenen die Stille. Jede Figur singt sein Liedchen in Shanghaier Chansonmanier der 30er und tanzt wie im Musical – fast losgelöst vom eigentlichen Film, würde man schnell genug die Untertitel durchlesen und sehen, ah! es handelt sich doch immer noch um den gleichen Film, sie singen ja darüber!

1997 hat Tsai Ming Liang mit „Der Fluss“ den Silbernen Bär gewonnen. Und dieser Film? Es ist ein Kunstfilm. Wie eine lange Videoinstallation. Der Film plätschert hin und endet mit einem Höhepunkt – sozusagen. Was wollte uns der Regisseur sagen? Dass man mit Wassermelonen Frauen leichter verführen kann? Dass in meiner Nachbarswohnung Pornofilme gedreht werden könnten? Dass Wolken eigensinnig sind und nicht regnen wollen, auch wenn man zu ihnen betet? Keine Ahnung. So verlasse ich das Kino genauso ratlos wie all die anderen Zuschauer, war er witzig oder war er anrüchig oder war er symbolisch oder war er mutig oder lag das an der französischen Koproduktion oder waren die Untertitel schlecht übersetzt oder…

17.02.05

Gespenster von Christian Petzold

Regie: Christian Petzold * Darsteller: Julia Hummer, Sabine Timoteo

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Ein leichter, schwerer, schöner Film

Zwei Mädchen, eines aus dem Heim, das andere klauend und streunend, lernen sich in Berlin kennen. Vierundzwanzig Stunden eines Sommertag lang bewegen sie sich in Kreisen durch Seitenstraßen des Potsdamer Platzes und durch den Tiergarten. Gleichzeitig führt ein zweiter Erzählstrang ein Paar aus Frankreich ein, das für kurze Zeit in Berlin sind, wo sie vor vielen Jahren ihre Tochter als Dreijährige vor einem Supermarkt verloren haben.
Drei Personen lassen sich von der Möglichkeit von Nähe verführen. Sie öffnen sich je für ein paar Stunden, soweit sie können. Sie zeigen in dieser Zeit Loyalität, legen Zärtlichkeit und Schönheit offen, trotz aller Bedrohung und aller Rückschläge und ohne Garantien für die Zukunft.

Nach dem Film erzählte Christian Petzold, eine Inspiration für den Film sei «Der schöne Sommer» von Cesare Pavese gewesen: ein Roman, der von zwei Proletariermädchen erzählt, die in die Boheme Roms eintauchen, dort mit einem Leben in Leichtigkeit, Sexualität, Party infiziert werden, und im folgenden Winter, als die Boheme ohne sie weiterzieht, sterben. Obwohl ich dieses Thema nicht als Zentrum des Filmes gesehen habe, glaube ich, dass der Film viel seiner Frische aus dieser fein dargestellten Infizierung gewinnt.

Der neue Film von Christian Petzold ist ein schöner Film. Er schafft es von Anfang bis Ende die Spannung zu halten, mehr durch Intensität denn durch Geschwindigkeit oder Plot. Der Film nimmt sich Zeit für Bewegungen und Gesten, er bleibt da, ohne den Rhythmus der Handlung zu überspannen.
Trotz allem enthaltenen Elend und Scheitern ist es ein Film, der seine Zuschauer eher verführt als quält. Er wirkt entspannter und leichter als frühere Filme von Christian Petzold ohne dabei an Brisanz einzubüßen. Die Kamera folgt liebevoll den Protagonisten. Aus ihren Gesten entwickelt eine Spannung, die sich ohne Reibungswiderstand in Ereignisse umsetzt. Die Liebe des Filmes zu den Figuren und zu den Schauspielerinnen (Männer kommen in diesem Film nur am Rande vor), zeigt sich auch in der Weigerung zuviel preiszugeben. Diese unbedingte Liebe und dieser volle Respekt vor den Figuren unterscheidet den Film von fast allen Filmen, die ähnliche Jugendfiguren aus sozialen Randbereichen abbilden.

Die lange Aufmerksamkeit, die Einfachheit des Plots, der trotzdem mehrfach überrascht und das große Vertrauen in Figuren, Dialog und Schauspieler, machen diesen Film zu einem großen Schauspielerfilm. Der Film ist durchgehend hervorragend besetzt. Die beiden Hauptfiguren bilden ein gegnsätzliches und überzeugendes Paar. Julia Hummer als Nina haut einen genauso um wie Sabine Timoteo als Toni.

Als ich aus dem Kino komme, möchte ich Filmemacherin werden, damit ich auch solche Filme machen kann. Mehr kann ein Film nicht schaffen.

Wettbewerb: Kakushi Ken – Oni no tsume (Hidden Blade) von Yoji Yamada

Regie: Yoji Yamada * Darsteller: Masotoshi Nagase, Takako Matsu

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Ein kindlich-ernster Samurai

Dieser Film enthält jede Menge Standarts eines Samurai-Films: das Schwert-Duell, die Frage der Ehre, den Tyrannenmord, und eine große, unmögliche Liebe. Kombiniert wird diese Mischung mit einem Setting, in dem sich die Kunst der Samurai überlebt hat, aber noch nicht gestorben ist und den Protagonisten in einem Gefühl von Sinnlosigkeit lässt.

Das reicht leider nicht, um einen interessanten Film zu schaffen. Der Film spult seine Handlung in hübschen Bildern langsam und gleichmäßig ab, ohne Gewichte zu setzen. Dabei wird (zumindest in der deutschen Untertitelung) kein Satz gesagt, der nicht der Story dient. Die Menschen scheinen völlig unentfremdet und sind eins mit ihren Worten. Sie sind von derselben erstaunlichen Naivität und Gradlinigkeit, die den ganzen Film auszeichnen. Alles erscheint kindlich: der Humor, die Ehre, der Ernst, die Liebe und die Arbeit des Samurai, das Schießen mit Kanonen und Gewehren zu erlernen. Diese Kindlichkeit hat noch nicht einmal die Vorpubertät erreicht, und es ist nur folgerichtig, dass dieser Film keinen Kuss zeigt, denn die gezeigte Liebe ist so asexuell, wie das Abfeuern der Kanone ein lustiges Kinderspiel ist. Nirgends kann der Film die behauptete Umwälzung der Gesellschaft in Bilder und Ereignisse umsetzen.

So kann der Film trotz schöner Menschen und Bildern weder Märchen sein, noch eine wahrhaftige Geschichte erzählen. Stattdessen zeigt er einen kindlichen Blick, dessen Unschuld den Zuschauer je nach Naturell entweder anrührt oder auch langweilt.

Ghost Machine - Ein Video-Walk von Janet Cardiff und George Bures Miller

Große Theater bzw. besser: Physical Cinema

... und weil mich die Kino-Müdigkeit gepackt hatte, weil ich sehr gutes darüber gehört und weil ich es meinen Studenten aufgegeben habe, war ich gestern im HAU1 um mir den Video-Walk anzusehen. Die Arbeit gehört darüber hinaus zum Rahmenprogramm der Berlinale und liefert einen großartigen Kommentar zum Berlinale-induzierten Kino-Hype. Cardiff und Miller haben auf der Biennale in Venedig 03 mit einer ähnlichen Arbeit einen Preis abgeräumt und für die Berlinale nun eine ganz neue Arbeit konzipiert.

Das HAU 1 steht dazu fast den ganzen Tag offen. Wer die 6 Euro (also Kinopreis) ausgibt, bekommt eine kleine Digitalvideokamera in die Hand und einen Kopfhörer dazu aufgesetzt. Alleine wird man dieses Theater/Kino-Erlebnis durchwandern müssen. Dann geht der Film los, der mit der Videokamera als Guide und Kinoleinwand, durch die abgelegensten Räume des HAU1 führt.

Das Prinzip ist einfach, eine Stimme (entweder Cardiff selbst oder auf deutsch Sophie Rois) erzählen eine Geschichte, wie sie auf der Kamera gespeichert ist, und geben dazu Handlungsanweisungen ("steht jetzt auf und geh dir Treppe nach oben. Nicht so schnell. Stop"). Die Geschichte gerät dabei allerdings schnell in den Hintergrund, zu spannend ist das Spiel der Wahrnehmungsebenen: denn das, was auf dem Display zu sehen ist, stimmt oft nicht zu ganz mit dem überein, was man sieht, wodurch man läuft.
Den schon abgedrehten Film nachlaufend und nachdrehend, bewegt man sich dabei durchs HAU. Dazu gibt es eine faszinierende und überraschende eindrucksvolle Soundlandschaft über die Kopfhörer. Waren das meine Schritte oder die eines anderen? Man vertraut der führenden Stimme, wohin sie auch führt: ob Künstlergarderobe, Bühne oder Foyer. Immer gerät dabei die eigene Wahrnehmung aus ihrer Sicherheit: hab ich das jetzt selbst gesehen, oder war es in der Kamera? Hat da jemand geflüstert? Ist das mein Atem?

Zusätzlich kommt noch eine Erzählebene hinzu, da in den einzelnen Räume jeweils besondere Geschichten erzählt werden, so dass zu Wahrnehmungsraum, gefilmten Raum noch der Erzählungsraum hinzukommt. Alle drei durchdrigen sich gegenseitig auf eine spielerische, leichte Weise, schaffen immer wieder überraschende Momente von Intensität und hinterfragen dabei konstant die Wahrnehmung. Und ganz nebenbei kann man damit endlich mal etwas tun, was man im Kino eigentlich schon immer tun wollte: aufstehen und mitspielen. Sich körperlich in den Film, in das Geschehen integrieren, dabei sein, statt nur zuschauen.

Zum Hau kommt man vom Potsdamer Platz übrigens, wenn man einfach die Stresemannstr. runtergeht. Den Video-Walk gibt es noch bis Sonntag, Einlasszeiten sind 16-23 Uhr und man sollte vorher vielleicht eine Karte reservieren (telefonisch oder über die homepage) um Wartezeiten zu vermeiden.

16.02.05

Zuschauerraktionen: "Yeoja, Jeong-hae" (This Charming Girl)

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Susanne Krämer

Eindruck
Sehr schön, sehr ruhig, aber gerade richtig

Lieblingsfilme
Auf der Berlinale 2004: Internal Affairs

Forum: "Yeoja, Jeong-hae" (This Charming Girl) von Lee Yoon-ki

Süd Korea, 2004 Regie: Lee Yoon-ki * Drehbuch:Lee Yoon-ki * Kamera: Choi Jin-woong * Schnitt: Ham Seong-weon, Kim Hyeong-ju* Darsteller: Kim Ji-soo, Hwang Jeong-min, Lee One-yeon, Lee Geum-ju

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Langatmig sei der Film warf eine Zuschauerin dem anwesenden Regisseur Lee Yoon-ki nach der Vorstellung vor und fragte ihn: "Warum haben Sie nicht einen 15 Minuten Film gemacht?". Der Regisseur antwortet, das einige Geschichten ihre Zeit zum erzählen brauchten.

Diese Geschichte von "Yeoja, Jeong-hae" erzählt von der jungen Post-Angestellten Jeong-hae, in deren Leben wenig passiert. Alltag abspulen: Briefsendungen wiegen, mit der Kollegin diskutieren, wo man in der Pause essen geht, wieder Briefe wiegen, nach Hause gehen, Salat waschen, vor dem Fernseher einschlafen, der Wecker klingelt, fertig machen, zur Arbeit gehen. Lee Yoon-ki beobacht den Alltag mit derselben Ruhe, wie sie auch die Hauptfigur aufbringt. Doch unerwartete Dinge treten langsam in das Leben von Jeong-hae ein: ein kleines Kätzchen, ein Kunde, der verliebt macht, ein Betrunkener, die Nachricht von der Hochzeit ihres ehemaligen Mannes. Mit den Ergeignissen schleicht sich die Vergangenheit wieder in das Jetzt, bis unterdrückter Schmerz die stoische Gelassenheit von Jeong-hae bricht.

Manche Geschichten brauchen Ihre Zeit. Der Regisseur hat Recht. Und "Yeoja, Jeong-hae" verschenkt diese nicht. Langsam und mit fliessend eingearbeiteten flashback Szenen beschreibt Lee Yoon-ki die Lebensituation eines Menschen, dessen Alltag keinen Raum für seinen Schmerz hat. Das dieses Porträt gelingt, ist auch dem ausgeglichenen Spiel von Kim Ji-soo zu verdanken, die nach jahrelanger Arbeit in koreanischen Seifenopern das erste Mal in einem Kinofilm mitwirkt.

Wettbewerb: „Fateless“ von Lajos Koltai

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KZ taugt nicht als Filmset

*Regie: Lajos Koltai *Kamera: Gyula Pados *Musik: Ennio Morricone *Darsteller: Marcell Nagy, Aron Dimény, Andreas M Kecskes, Daniel Craig

Wenn der Regisseur spürt, dass sein Film nicht gelungen ist, dass die Bilder und die Geschichte nicht allein tragen, versucht er ihn zu retten, indem er am Ende noch ein Voiceover, eine Erzählstimme einfügt, um die nicht gelungene Dramaturgie und ein befriedigendes Ende künstlich zu erzeugen. So ein Ende hat Fateless. Leider, aber mit Recht.
Der Junge, gerade den Todeslagern entkommen, kehrt zurück nach Budapest und sinniert in dem Voicecover eine Weile über Glück im KZ und wie er sich jetzt in der Freiheit nach dem Lager sehnt. Diese Szene steht auch am Ende des Buchs, „Roman eines Schicksalslosen“, das als Vorlage diente. Im Buch ist sie überwältigender Schluss einer Figurenentwicklung, die so überraschend wie glaubwürdig ist. Dem Film ist das nicht gelungen, überhaupt nicht. Seine Vorführung im Berlinale Palast als nachnominierter Wettbewerbsbeitrag war ein wirklich trauriges Ereignis für mich. Ich habe das Buch geliebt, es ist für mich DER Roman über den Holocaust. Deshalb bin ich noch im Saal sitzen geblieben, als schon nach der Hälfte des Films klar war: Dies ist ein traurig gescheiterter Film.

Der Film war nicht aufgrund der Thematik eine Qual, sondern weil die bemüht farblosen Bilder im KZ, die auf graugeschminkten Männer in Lumpen, die nackten Leibern auf Holzkarren kein Gefühl erwecken konnten, keinen Schmerz, keine Scham, keine Empörung, kein Mitleid - nur Wut. Über den Film. Ein schlechter Film, der all das nicht leisten kann, was das Buch zum Thema Ausschwitz und Holocaust fertigbrachte. Anteilnahme, Verständnis für die graduelle Entmenschlichung und Entkörperung der Gefangenen, die Wirre psychologie der Unterwerfung, wenn ein verlumpter Gefangener seinen Schinder in strahlender SS-Uniform anhimmelt und es ihm Recht machen will, die feine Ironie in Kertez Sprache, die sich selbst beim Verfall und Entstehen des eigenen Lebens beobachtet.
Dieser Film beweist ein weiteres Mal, dass man das Grauen des Holocaust nicht filmisch abbilden kann, ohne es dabei austauschbar zu machen und zu banalisieren. Das KZ taugt nicht als Filmset, weil die Bilder schon so tief in unserem Bildergedächtnis liegen, dass sie nur als plumpe Annäherungsversuche erscheinen (Die SZ nannte es „beschämend banale, harmlose Kinobilder“). Geschminkte, zerlumpte Schauspieler spielen Halb-Tote und sind allerhöchstens schlechte Kopien eines niemals wirklich fassbaren Geschehens. Die Musik von Ennio Morricone trägt in ihrer Saucenhaftikeit nur noch zur Distanzierung von den Bildern bei.

Traurig und beschämt bin ich noch während des Abspanns aus dem Kino, weil ich Imre Kertez, der zur Premiere angereist war, nicht dort oben auf der Bühne sehen wollte, wie er allerhöchstens höflichen Applaus für diesen schlechten Film entgegennimmt, dessen Thema sein Leben bis heute prägt, für das er in seinen Büchern aber längst einen passen Ausdruck gefunden hatte.

Panorama: „Protocols of Zion“ von Marc Levin

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Die Mutter aller Verschwörungstheorien

*Regie: Marc Levin *Produzenten: Marc Levin & Steve Kalafer *Schnitt: Ken Eluto * Musik: John Zorn

Panorama: „Protocols of Zion“ von Marc Levin

Die Mutter aller Verschwörungstheorien
*Regie: Marc Levin *Produzenten: Marc Levin & Steve Kalafer *Schnitt: Ken Eluto * Musik: John Zorn

„Here come the Jews!“ sollen irakische Bürger ausgerufen haben, als die amerikanischen Soldaten in Bagdad einrollten. Juden, das ist vor allem in der arabischen Welt ein Synonym für Verschwörung, Unterdrückung und vor allem die große Weltverschwörung. Aber wie der Film zeigt gibt es auch genug Rechte in den USA, Schwarze und Verwirrte, die an die großangelegte, seit Jahrhunderten geplanten Umsturz der Juden glauben. „Die Protokolle“ sind bis heute ein weltweit populäres Buch (im Film sowohl an N.Y.er Strassenständen sowie beim Naziversand immer ausverkauft), in dem alle bekannte antisemitischen Vorurteile eingeflossen sind.
Marc Levin interviewt verschiedene Personen zu ihren Kenntnissen der Protokolle, der Juden im Allgemeinen und deren Rolle in der Welt. Von arabisch stämmigen Jugendlichen und schwarzen Nationalisten auf der Straße in New Jersey über den Manager der Organisation „National League“, eine rassistische, rechte Truppe, die in die ganze Welt mit Naziaccessoires und Propagandamaterial versorgt. Er mischt sich unter die Leute an Ground Zero und dokumentiert solch weitverbreitete wie wirre Vorstellungen, dass die Juden am 11. September 2001 alle gewarnt worden seien und es deshalb keine jüdischen Opfer unter den Toten gebe. Man weiß bei dem absurden Geseier dieser Leute nicht, ob man lachen oder bestürzt sein soll. Wie bei Verschwörungstheorien üblich, retten sich alle, egal ob radikale Muslime, Neonazis oder normale Irre wenn ihre Argumente durch einfache Fakten widerlegt werden können, in die selbstreferentielle Ecke: Aller Widerspruch wird mit dem Argument, man sei eben von jüdischen Informationen in den Medien verwirrt, abgeschmettert.

Die Recherchen führen Levin letztlich zur antisemitischen „Basislüge“ zurück, die Juden hätten Jesus ermordet. Vor dem Hintergrund des Filmstarts von Mel Gibsons „Passion of Christ“, spricht er mit Christen und Juden über diese Mutter aller antisemitischen Verschwörungen.

Levin tritt zum erten Mal in einem seiner Filme selbst auf, diskutiert mit den Leuten auf der Straße, setzt sich in eine rechtsradikale Radiosendung, er agrumentiert, streitet, wird angegriffen und bleibt bewundernswert gelassen, bei all dem Irrsinn den er sich da anhören muss.
Der Mut diesen Leuten seinen Widerspruch ins Gesicht zu sagen und dabei seinen jüdischen Glauben nicht zu verheimlichen, macht den Film zu einer sehr persönlichem Auseinandersetzung mit den Ursprüngen der weltweit florierenden antisemitischen Propaganda.

Panorama: „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“ von Malte Ludin

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*Buch&Regie: Malte Ludin *Kamera: Franz Lustig *Musik: Werner Pirchner, Hakim Ludin, Jaroslav Nohovica *Produzentin: Iva Svarcová *Web: www.2oder3Dinge.de KINOSTART: 7. April 05

Wieder eine typische Berlinale Kombi. Erst dieser Film vom Sohn eines hingerichteten Nazi Kriegsverbrechers über seine Familie, die NICHT mit den Taten des Vaters umgehen kann bis heute. Und im Anschluss „Fateless“, der verfilmte Ausschwitz Roman von Nobelpreisträger Imre Kertez (Review siehe hier). Zwei Perspektiven, eine Leinwand.

Malte Ludins Film eröffnete mit dem Satz. „(...) eine typisch deutsche Geschichte.“ Ludin versucht den Schatten seines nationalsozialistischen Vaters filmisch abzuschreiten und interviewt deshalb drei Generationen seiner Familie: Die eigenen Schwestern und Schwager, Neffen und Nichten. Wer war Hans Elard Ludin? Und wer war und wer IST er in den Augen seiner Familie? Diese Frage traute Malte Ludin sich erst zu stellen als seine Mutter, quasi die Lordsiegelverwahrerin der Vater-Erinnerungen, gestorben war. Es gibt einige wenige Interviews mit ihr, die in den Film geschnitten sind, aber man meint, ihr Geist schwebe über dem ganzen Film.
Viele Kinder distanzieren sich von oder brechen im Verlauf ihres Lebens mit den Eltern. Entweder weil es unüberbrückbare Konflikte gibt oder man zu unterschiedliche Ansichten über die Lebensführung des jeweils anderen hat. Darum ist es so erstaunlich, warum es Kindern von Nazitätern so schwer fällt zu sagen: „Mein Vater/meine Mutter war ein Nazi und Täter!“

Diese Frage beantwortete Malte Ludin in der Diskussion nach dem Film: Er hat bis heute das Problem, mit der Tatsache leben zu müssen, dass sein Vater ein Verbrecher war und zugleich sein Vater; ein guter Vater. Von dieser Zerrissenheit handelt auch Ludins Film: Malte Ludins Schwestern können ihren Vater nicht „Täter“ nennen, nicht einmal „Beteiligten“ wollen sie ihn nennen. Für sie ist ihr Vater ein zu unrecht Beschuldigter, den sie noch nach 60 Jahren vermissen, ein anständiger Mann, der bis zuletzt seine Vorstellungen treu geblieben ist. Für sie ist die ganze Diskussion darüber müßig. Wie in Malte Ludins Film auf der Familienebene, wird ja auch in Deutschland die „Schlussstrich“-Debatte (ob Holocaust, Wehrmacht oder Mitläufertum ) meist von denen angestossen, die sich nie mit der Vergangenheit wirklich auseinandergesetzt haben.
Zahlreiche Dokumente, Zeugenaussagen und Forschungen, die sein Sohn Malte Ludin zitiert beweisen die Schuld dieses Mannes. Hans Elard Ludin war ein Nationalsozialist der ersten Stunde, hat schon vor der Machtergreifung einen SA Kameraden gedeckt, der einen Juden ermordet hatte und ist später als Botschafter in Bratislava verantwortlich für die Deportation und Ermordung 1000ender slowakischer Juden. All dies spielt für seine Töchter keine Rolle.
Es war aber erbärmlich als ein paar Zuschauer im Kinopublikum selbstgerecht und laut lachten, als die Schwestern sich mit Wischi-Waschi Formulierungen und auch körperlich vor der Kamera wanden, um nach den bohrenden Fragen ihres Bruders um eine klare Aussage zur Täterschaft ihres Vaters herumzukommen.
Malte Ludin kann sich in diesem Zusammenhang zugute halten, dass er eine wichtige Szene nicht aus seinem Film herausgeschnitten hat: In der Slowakei spricht er mit dem Dichter Tuvia Rübner, dessen gesamte Familie im Holocaust umgebracht wurde. Ludin traut sich zunächst nicht, seinen Namen zu sagen. Als er es tut, sagt der Mann ganz trocken: „Ach, dann ist ihr Vater also dafür verantwortlich, dass mir meine gesamte Familie genommen wurde.“ Darauf hin windet sich auch Malte Ludin, erwähnt die Namen anderer Täter und formuliert, sein Vater sei ja „nicht direkt physisch verantwortlich“ gewesen. Eine mutige diese Szene, die im Gedächtnis bleibt, weil auch der kritische Filmemacher die Verteidigungmechanismen seiner Familie nicht ganz abstreifen kann. Von der Familie sind zur Vorführung nur ein Neffe, eine Nichte und ein Schwager des Filmemachers erschienen. Die Schwestern zogen es vor, den Film nicht zu sehen.

Cate, Cate, Cate....

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....schreien die Fotografen wie wild geworden. Wenn Glamour Fotografen mal was anderes werden wollen....als Marktschreier sind sie sicherlich auch nicht schlecht. Cate Blanchet stellte heute zusammen mit Anjelica Hostan und Regisseur Wes Anderson den Wettbewerbs-Film "The Life Aquatic" vor.

Forum: Vers Mathilde (Towards Mathilde) von Claire Denis

Frankreich, 2005 Regie: Claire Denis * Kamera: Agnès Godard, Héléne Louvart * Schnitt: Anne Souriau

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Clairs Denis, eine Filmemacherin von der man sagt Ihre Filme seien choreographisch trifft Mathilde Monnier, eine der bekanntesten Coreographinnen Frankreichs. Eine Anäherung an die Arbeit von Mathilde: ohne viele Beiwerk, ohne Kommentar oder Linerarität zeigt sie Mathilde Monniert beim Tanzen und bei der Anleitung junger TänzerInnen, auf der Suche nach einer Weiterentwicklung der Körperbewegung als Ausdrucksform. Denis hat Vers Mathilde paralell zu den Dreharbeiten von The Intruder (L´Intrus) gefilmt und der Cutterin Anne Souriau weitgehend freie Hand gelassen.
Der Film ist wie die Arbeit von Monnier: improvisiert, eine Erkundung, eine Anäherung an die Tanzideen von Mathilde Monnier.

Kinderfilmfest: Der Italiener von Andrei Kravchuk

Regie: Andrei Kravchuk Drehbuch: Andrei Kravchuk
Darsteller:Kolya Spiridonov, Maria Kuznetosova, Nikolai Reutov

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italienische Reise

Von Filmemachern wird gerne behauptet, sie hätten ihre Kindheit bewahrt. Filmemacher behaupten das auch gerne von sich. Wer dieser Mähr nicht länger aufsitzen soll, dem sei ein Besuch des Kinderfilmfestes empfohlen. Bei einer durchschnittlichen Kinderquote von um die 50 % wird man sich seines und der Filmemachers Alter schnell bewusst: man brabbelt nicht mehr durch ganze Filme hindurch, stellt (ziemlich kluge) Fragen, robbt durch die Reihen und schaut anstelle der Leinwand fasziniert in die Gesichter ernster Filmrezensenten. Nein, nein, das macht man nicht, mehr, aber vielleicht sollte man mal wieder.
Dabei ist „der Italiener“ durchaus schwere Kost. Ein Waisenhaus in Russland. Alle sind korrupt. Ein älterer Waise, ohne Hoffnung auf Adoption, schickt die Mädchen auf den Straßenstrich. Der Leiter verkauft die Kinder in den Westen. Und mitten drin ist der sechsjährige Wanya, „der Italiener". Er soll an eine Familie nach Italien vermittelt werden. Alle beneiden ihn. Aber dann erscheint die Mutter eines anderen Waisen und Wanya stellt sich vor, dass auch seine Mutter ihn eines Tages suchen könnte. Wanya will nicht nach Italien und widersetzt sich damit den wirtschaftlichen Interessen von vielen. Es beginnt eine spannende Geschichte, die in einem kleinen Roadmovie mündet, das die Schwelle zum Kitsch nie überschreitet. Ein bisschen erinnert die Geschichte an John Irvings „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ – allerdings sind die Kinder rund um Wanya wesentlich härteren Bedingungen ausgesetzt und müssen mit weniger Schutz auskommen.
Dem jungen Publikum war das nicht zu viel. Im Gegenteil wurde heiß diskutiert, was man in welcher Situation selbst gemacht hätte. Und als dann nach dem Film der Schauspieler-Hänfling Kolya Spiridonov Autogramme verteilte, konnte man in den Augen vieler Kinder lesen, was sie selbst einmal werden wollen: Ins Filmgeschäft und für immer Kind bleiben...

Wettbewerb : Le Promeneur des Champes du Mars/ Der späte Mitterand von Robert Guediguian

Regie: Robert Guediguian Drehbuch: G. Taurand
Darsteller:Michel Bouquet, Jalil Lespert, Philippe Fretun, Anne Cantineau, Sarah Grappin, Catherine Salviat

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L’état c’est moi !

Eine Brunette solle er sich suchen! Nicht unter 25 Jahren, die würden nur spielen, 35 Jahre, das wäre ein ideales Alter. Kein Modell, die dürfe man nur anschauen, keinesfalls kennen lernen, Am besten aus dem Norden... boff. Späte Tipps des „späten Mitterands“ (hervorragend gespielt von Michel Bouquet)an einen jungen Journalisten.
Dieser Journalist Antoine Moreau (Jalil Lespert) fragt sich während des ganzen Films, warum der Präsident ihn für seine Memoiren ausgesucht hat, gerade ihn. Er spürt, gesteuert zu werden, der verkörperten französischen Geschichte nicht gewachsen zu sein und hat zu allem Überfluss auch noch private Probleme.
Letztlich brauchen und missbrauchen sie aber einander. Und da es im stillschweigenden Wissen geschieht, finden sie fast so etwas wie Halt in einander. Freilich nur für wenige Tage, die sich über Mitterands letzte Lebensmonate erstrecken. Vom Krebs gezeichnet, will er seine Präsidentschaft würdig über die Runden bringen, ohne, dass in der letzten Ministerratssitzung sein „Kopf schief zur Seite hängt“. Der im Film gezeichnete Mitterand ist ein Schelm, ein Mann mit Witz und Selbstironie, der lieber Julia Roberts in New York besuchen würde, als mit den Polit-Rentnern Thatcher, Gorbatschow und Bush Sen. In Palm Springs Geschichte zu feiern. Dann würde er die Roberts fragen, ob es wirklich nicht ihre Beine waren, damals in „Pretty Woman“. Dabei ist der Präsident an Geschichte durchaus interessiert. Sehr sogar. Schließlich geht es um sein Geschichtsbild. Und er ist sich sicher, der letzte große französische Präsident zu sein. Was komme, sind Bürokraten – daran sei Europa und die Globalisierung schuld. Seine Selbstgewissheit sagt ihm jedoch auch, dass man ihn bald vergessen haben wird. „Leidenschaft für die Gleichgültigkeit“ lautet eines der kältesten Motti, die er dem jungen Journalisten mit gibt, während sie wichtige Orte der französischen Geschichte besichtigen.
Der Film beruht auf einer umstrittenen Mitterand-Biographie. Buch wie dem Film wird Fiktion vorgeworfen. Darüber hinaus die Auslassung großer Skandale. Aber genau das macht den Film so gut. Es ist eine hervorragende Charakterstudie – ob sie dabei Mitterand genau trifft oder nicht, scheint fast egal. Man kann ihn sich so vorstellen. Viel näher kann man sich einem Menschen ohnehin kaum nähern. Noch dazu wird so auch der Film zum Thema seiner selbst: wie entsteht Geschichte, wer hat die Definitionsmacht. Wer bestimmt, entlang welcher Wegmarken die historischen Autobahnen durch den Dschungel der viel zu vielen Fakten und Meinungen gebaut werden?
Unweigerlich fragt man sich beim Schauen des Films, welcher junge Journalist wohl gerade Helmut Kohl begleitet. Wer neben ihm stand, als er im Weihnachtsurlaub auf Sri Lanka dem Tsunami trotze, wer sich in die Flut seines Erzählstromes wirft und darin unweigerlich mitgerissen und untergehen wird.
Der Joournlist Moreau ertrinkt übrigens nicht. Er wächst an der und an dieser Geschichte. Und die Sache mit der Brunetten... wird nicht verraten.

Panorama: Yes von Sally Potter

Großbritannien, 2004 Regie: Sally Potter * Drehbuch: Sally Potter * Kamera: Alexei Rodionov * Schnitt: Daniel Goddard Darsteller: Darsteller: Joan Allen, Simon Abkarian, Sam Neill, Shirley Henderson

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Nach Jahren der Ehe ist die Liebe unter 0: Betrügereien, Kommunikation über Zettel, kurze Wortgefechte. Mit Anzug, Krawatte und Scotch spielt Er nach der Arbeit zu seinem Lieblingsblues die Air-Gittare. Doch es nutzt nichts: Er hat sein Feuer verloren. Sie, Wissenschaftlerin, hat noch die Sehnsucht, doch versteckt Sie diese hinter ihren unterkühlten Wortgeschossen.
Als Sie einen libanesischen Koch kennenlernt, entwickeln sich zwischen Ihnen im britischen Eismeer Blumen von Verlangen, Hingabe und Anahme.

Mit Yes ist Sally Potter ein ästhetisches Kunststück gelungen, in Worten wie in Bildern. Die Liebe zwischen Ihr und dem libanesischen Koch etwickelt sich über die Poesie. Sie sprechen wie alle Figuren in Reimen. Für die Typenzeichnung verzichtet Potter nicht auf Klischees, wie das des romantischen Liebhabers aus 1001 Nacht in Gestalt des libanesischen Kochs. Doch es funktioniert. Die Charaktere , die bis auf das Patenkind von Ihr keinen Namen haben, als sei Ihnen die Persönlickeit abhanden gekommen, heben sich mit scharfen Konturen vor dem durcharangierten Hintergrund ab.
Im Abspann war zu sehen, das das Team vor Ort mit einem 5 Sterne Catering versorgt wurde. Dies wird vom Film an den Zuschauer weitergegeben. Er ist ein kulinarischer Genuss.

15.02.05

Perspektive Deutsches Kino: Happy End - von Sebastian Strasser

Zwiespältig: netter aber klischeehafter Coming-of-Age-Kurzfilm

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Deutschland 2004, 30 min Regie: Sebastian Strasser * Drehbuch: Sebastiab Strasser, Jürgen Wierners *
Kamera: Julian Hohndorf * Schnitt: Peer-ArneSveistrup * Darsteller: Matthias Schweighöfer, Katharin Schüttler, Adela Bierich, Alexander Seidel

Der Junge ohne Namen zählt. Schritte, Pommes Frites, Regentropfen, Klopapier, einfach alles. Und nervt damit seine Eltern gewaltig. Erst als er Lila kennenlernt (beide Kinderschauspieler sind wunderbar "normal" gecasted und spielen überzeugend) trifft er jemanden, der ihn versteht. Eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich, die auch einen Erzählsprung von ca. 10 Jahren überdauert. Die beiden Teenager sind immernoch zusammen, auch wenn sie sich noch nie geküsst haben. Erst als Lila wegzieht verändert sich für den Jungen etwas. Aber er hat noch keine Lust erwachsen zu werden.

Der Film lebt von der gezielten Gegenüberstellung der spießigen-heilen, norddeutschen Vorstadtwelt der Eltern und den ebenso zwanghaften Handlungen des Jungen - wobei die letzteren natürlich viel positiver bewertet werden. Während die Eltern Ketterauchen, Briefmarken sammeln oder sich zwanghaft räuspern zählt der Junge eben, und zwar alles, und ohne dass dies akzeptiert würde. Leider bleibt die Gegenüberstellung aber allzu Klischeehaft und die bemüht bedeutungsvolle Erzählerstimme bringt ebenfalls nicht die Leichtigkeit, auf die der ansonsten ruhig erzählte Film eigentlich abzielt. So ist das Ergebnis zwiespältig.

Perspektive Deutsches Kino: Blackout - von Maximilian Erlenwein

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Deutschland 2005 Regie: Maximilian Erlenwein * Drehbuch: Maximilian Erlenwein *
Kamera: The Chau Ngo * Schnitt: Uwe Zimmer * Darsteller: Fabian Hinrichs, Carsten Ludwig, Julia Brendler

Stark und intensiv

Der 30minütige Film ist die Arbeit für das dritte Studienjahr von Maximilian Erlenwein an der dffb hier in Berlin und mag vor allem durch sein spannendes Drehbuch und seine Darsteller zu überzeugen (einzige Ausnahme: Carsten Ludwig, dessen Marius oft zu dick aufgetragen wirkt).

Tom Schulze kommt per Bus in Berlin an, irgendwie auch zurück, aber die meisten seiner Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen und seine Freundin setzt ihn vor die Tür. Irgend etwas schreckliches ist passiert, aber Tom kann sich nicht wirklich daran erinnern.

Nach und nach gewinnt er seine Freunde, Freundin und ein normales Leben zurück, er ist ein charmanter, netter Kerl. Aber die Ruhe ist trügerisch.

Inspiriert von persönlichen Erfahrungen mit Freunden, die leichte Agressivitätsprobleme haben, hat der Regisseur selbst das Drehbuch geschrieben. Fabian Hinrichs - die beiden wohnen seit den Vorarbeiten des Films sogar zusammen in einer WG und der auf der Berlinale auch die Hauptrolle in "Sophie Scholl - die letzten Tage" spielt - erweist sich dabei als Glücksgriff für die Besetzung der Hauptrolle. Superb spielt er den, vielleicht nicht ganz untypischen Berliner Mitdreißiger, dessen Unfähigkeit erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernhemen er glaubwürding verkörpert.

Es gab sehr viel Applaus zum Film und Fragen nach der Motivation der Hauptfigu etc., die der sympathische Maximilian Erlenwein nicht alle beantworten konnte. Braucht er auch nicht: sein Film spricht für sich selbst.

Feten und gefetet werden

Kleines Fernsehspiel/ großes Gedränge

Der Mann schleicht durch den Schnee wie ein Schwarzmärktler in „der dritte Mann“. Seine Ware: Eintrittskarten für den Empfang des „ZDF kleines Fernsehspiel“. Ich frage, ob er auch Karten für das WM-Endspiel hat. „Das ist das WM-Endspiel, Mann!!“ raunt er mir zu.

Wer sich nicht für Einladungen zu den etlichen Partys und Empfängen interessiert, der interessiert sich auch nicht für Geld. Denn diese Einladungen, Platzierungen auf Gästelisten und „Ich kenne jemanden der jemanden kennt, der schon drin ist“-Informationen sind neben Filmen im Berlinale Programm an denen man beteiligt ist und gottgegebenen gutem Aussehen, die einzige handelbare Währung des Festivals und damit des deutschen Kinos. Oder einfacher: Wer sich nicht dafür interessiert, hat keine Einladung. Wer sich nicht dafür interessiert, muss Filme gucken.
Natürlich sind diese Veranstaltungen in ihrer Großartigkeit durchaus zu übertreffen. Aber es gibt üppig zu essen, ebenso zu trinken, es gibt Gedränge, Lärm und man trifft immer jemanden, den man kennt, der jemanden kennt, der einem dann vorgestellt wird. Dann hört man, was andere gerade für ein Projekt ins Leben rufen (an dem man nie nie nie teilhaben wird) oder warum der und der dies und das nicht kann, ein Arsch ist, unsympathisch, unliebenswert etc (durchaus zu übertreffen). Denn das Filmgeschäft unterscheidet sich von anderen, durch eine manchmal schlicht ordinäre Offenheit.
Noch beliebter in diesem riesigen „Wir über uns“ ist allerdings das schlichte Vergleichen der einzelnen Veranstaltungen. „Warst du auch bei hmhmhm??“ – wer so fragt, fragt rhetorisch und erzählt dann, was man verpasst hat.
Ich hoffe nicht falsch verstanden zu werden. Diese feucht-fröhliche Nullkommunikation hat letztlich eine feste betriebswirtschaftliche Funktion im Business. Denn erst, wenn der Motor durch Sponsorenbier und –wein einigermaßen auf Touren ist, werden neue Projekte ins Leben gerufen. So etwas passiert sonst nur bei Künstlers im Schreibstübchen (werden nie realisiert), an Filmhochschulen (will keiner sehen) und eben auf Partys (klassische Ursprungsmythos-Anekdote, die man dann bei Kerner oder Beckmann zu hören bekommt).
Das kleine Fernsehspiel des ZDF ist ein solcher Ort für Ursprungsmythen. Darum verzeiht man den Veranstaltern, dass sie nicht ein paar öffentlich-rechtliche Groschen mehr in den Veranstaltungsort investiert haben, dass es Bier nur in schwer zugänglichen Ecken gibt, als handele es sich um Bückware und das Buffet in einem Durchgang aufgebaut ist. Denn das alles gehört dann später zum Mythos. Sollte ich zum Beispiel eine Karte für das WM-Endspiel Anfang Juni 2006 in Berlin bekommen, werde ich in meinen Ursprungsmythos die Fete des kleinen Fernsehspiels einflechten und versuchen im Jahr darauf, ein entsprechendes Filmprojekt ins Leben zu rufen.
So, ich muss dann auch los.

Klatsch, Tratsch, Promis - Die Bunte

Na klar, Berlinale ist natürlich auch Promi-Time. Christian war mit Keanu Reeves im Kino, in meinem Nachbarkino saß Bruce Willis etc. Auch solche Geschichte gehören dazu. Wer topaktuell informiert sein möchte kann vor den Berlinalekinos am Potsdamer Platz die kostenlose Hochglanzausgabe von "Bunte-night" abgreifen. Mit dem "Roben-TÜV", sinnlosen Infos wer mit wem wann wo und vor allem: was er bzw. sie dabei anhatte.

Für die ganz harten Promifans gibts die Bunte-night auch als PDF zum Download und Ausdruck, und zwar hier.

Panorama: Massaker von Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theissen

Deutschland, Libanon, Schweiz 2004 * Regie: Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theissen

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Bilder, die der Film nicht zeigt: Palästinensische Überlebende in Shatila, Südlibanon 1982

Hehre Ziele, leerer Film: Narrative der Gewalt in einer Dokumentation ohne Struktur

Der Inhalt der Dokumentation „Massaker“ lässt sich erschreckend knapp zusammenfassen: Einige junge Männer berichten über ihre brutalen Taten während des Massakers an Palästinensern im Libanon 1982. Punkt.

„Sabra und Shatila“, der Ort des Verbrechens steht für die entfesselte Brutalität des Bürgerkriegs und ein furchtbares Verbrechen an den Plästinensern, dass mit Billigung der israelischen Besatzungsmacht verübt wurde. In den letzten Jahren stand vor allem die Rolle des damaligen Verteidigungsministers Ariel Sharon, dem eine israelische Untersuchungkommission „persönliche Verantwortung“ für das Verbrechen bescheinigte, im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Die Dokumentation beschränkt sich auf die Erzählungen von ehemaligen Angehörigen der „Kataib“ (Phalanx), der christlichen Milizen unter Kommando Pierre Gamayels. Nach der Ermordung Gamayels richten diese Milizen in den Palästinenserlagern im Südlibanon ein Blutbad an, das selbst aus dem Wahnsinn des libanesischen Bürgerkries heraussticht. Mindestens mehrere hundert Palästinenser, darunter Alte, Frauen und Kinder wurden von den bis an die Zähne bewaffneten Kämpfern regelrecht abgeschlachtet - unter den Augen der israelischen Armee.

Die Männer der Kataib berichten in der Dokumentation freimütg von ihren Taten: Wie sie Kinder ermordeten, weil sie „irgendwann erwachsen und dann zu Feinden geworden wären“, wie sie Menschen mit dem Messer langsam aufschlitzten, weil dann „das Opfer den Tod erst richtig spüre“. Während die Kämpfer von ihren Taten berichten, umkreist die ewig wackelnde Handkamera ihre schwitzenden Körper. Die Gesichter bleiben dunkel. Ab und zu rollen sie Scharzweißfotgrafien auf und zeichnen Lagepläne des Massakers mit Edding auf große weiße Folien. Die Kämpfer sitzen in kargen Räumen ohne Möbel, doch die Leere des Ortes bringt nicht den gewünschten Kontrast zur Brutalität ihrer Berichte. Die zwanghaft künstliche Inszenierung ist bald nur noch ärgerlich, und der Zuschauer fragt sich sich zunehmend: Warum dieser Film? Die Reaktion des Publikums ist verhalten, der Beifalll schwach. Nach kritischen Nachfragen an die Macher bestätigt sich ein schlimmer Verdacht: Die Regisseure wollen ganz naiv „die Motive der Täter“ erklären. Das Ziel wird konsequent verfehlt. Dass die immanente Beschäftigung mit Tätern nicht weiterführt, wenn man sich nur an ihren verschwommenen Erinnerungen abarbeitet, hat die dokumentarische Aufarbeitung des Nationalsozialismus schon oft erwiesen. Die freimütigen Geständnisse von schlichten SS-Leuten und KZ-Aufsehern alleine können nicht viel erklären.

Dass die Regisseure den Film in der anschließenden Diskussion trotzdem als Beitrag zur Untersuchung von „struktureller Gewalt“ verkaufen wollen ist skurril: Strukturen kommen nur am Rande vor, wenn die Kämpfer von Ausbildungslagern in Isral, von Propagandaschulung, Jugendverbänden und verordneten Drogenexzessen erzählen. Die Geschichte von Sabraa und Shatila selbst, von Opfern und Kontext, wird zur Fußnote der Gewalt. Das Massaker an den Palästinensern wird - trotz der Brutalität der Schilderungen - in den Narrativen der Milizionäre letztlich banalisiert, die Opfer kommen nicht vor.

Die hehren Ziele der Autoren sind gewiss: Die Aumaße des Massakers in Sabra und Shatila ins Bewustsein zu rücken. Aber der Film err