der Wettbewerb

Die Königsdisziplin der Berlinale. Filme für die große Leinwand und das breite Publikum. Stars die auf dem roten Teppich Pirouetten drehen. Nur die Filme des Wettbewerbs konkurrieren um die begehrten silbernen und goldenen Bären.

SHEYTAN VOJUD NADARAD von Mohammad Rosoulof (Berlinale 2020)

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© Cosmopol Film

Paukenschlag: Mohammad Rasoulofs Film „Sheytan Vojud Nadarad“ gewinnt die Berlinale. Damit setzt sich die starke Präsenz des iranischen Kinos auf der Berlinale auch in der post-Kosslick Ära fort. Kosslick lag der Dialog mit Iran besonders am Herzen, Regisseure wie der unter Hausarrest stehende Jafar Panahi waren seit vielen Jahren mit der Berlinale verbundenen. Er war schon mit Offside 2011 vertreten und wurde 2015 für "Taxi" mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

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GNADE von Matthias Glasner

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Niels (Jürgen Vogel) und Maria (Birgit Minichmayr) ziehen mit ihrem Sohn Markus (Henry Stange) hoch in den Norden Norwegens. Sie wollen dort einen zweiten Anlauf nehmen für ihre Beziehung, wie Maria einer Freundin erklärt. In Hammerfest, wo die Polarnacht lang und eisig ist, sieht es allerdings zunächst nicht so aus, als ob ihnen das gelänge.

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Pat Garrett & Billy the Kid von Sam Peckinpah

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Pat Garrett hat drei Wünsche: Er will alt und grau und reich werden. Dafür ist er zur falschen Zeit am falschen Ort. Das New Mexico Territory um 1880 bietet sich nicht für eine beschauliche Verrentung an. Außerdem hat Pat Garrett ein Problem: Er hat die Seiten gewechselt und ist vom Outlaw zum Sheriff geworden. Dafür verachtet ihn nicht nur sein alter Freund Billy the Kid, sondern sogar seine eigene Frau. Im Auftrag des Gouverneurs macht sich und der Großgrundbesitzer macht sich Garrett (James Coburn zeigt, dass auch der Vollstrecker des Systems cool aussehen kann) auf die Suche nach Billy the Kid (Kris Kristofferson mit Babyspeck). Am Ende hat sich der Outlaw quasi-selbstmörderisch in die Kugeln des Gesetzeshüters gestürzt. Garrett verzweifelt trotzdem an dem erfolgreich ausgeführten Auftrag und reitet allein in den Sonnenaufgang.

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Wettbewerb: Candy von Neil Armfield

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Die Intensität meiner Eindrücke ist noch nicht diskursivierbar...

Wow! Heath Ledger, einer der Cowboys aus Brokeback Mountain, und Abbie Cornish haben es wirklich geschafft. Candy ist eine Liebesgeschichte, in der auch Drogen eine Rolle spielen. Kein Drogenfilm, kein Klischeefilm, einfach nur gut. Kein leichter Film, kein schöner Film, aber ein bewegender. Mein persönliches Berlinale-Highlight! Ansonsten: siehe Überschrift.
Ansehen!

Offside von Jafar Panahi (III)

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Zwei Kritiken zu Offside gibt es schon, warum noch eine? Weil es der beste Film war, den ich bei dieser Berlinale gesehen habe. Es gab komplexere, ambitioniertere, aufwendigere und schwierigere Filme bei diesem Festival. Aber es gab keinen Film, der mir soviel Spaß gemacht hat, bei dem ich so viel und so laut gelacht habe.

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Wettbewerb: Requiem von Hans-Christian Schmid (II)

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Schon jetzt ist klar, dass dieser Film in der deutschen Medienlandschaft landauf-landab besprochen werden wird. Er greift Themen auf, die Deutschland bewegen: zum einen der katholische Glaube aber noch viel mehr die Sprengkraft der Institution Kleinfamilie. Requiem beobachtet die Ambivalenz dieser sozialen Form, die oft Hort der Liebe und Quell von Psychosen zugleich ist.

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Wettbewerb: Isabella von Pang Ho-Cheung

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Der frustrierte und wegen Korruption suspendierte Polizist Shing, gespielt von Chapman To, stürzt sich von einem Frauenabenteuer ins nächste. Dabei macht er eines Nachts in einer Bar ein junges Mädchen an. Yan sitzt in seinem Wohnzimmer am nächsten Morgen und schlürft Nudeln. Sie verfolgt Shing, bis er sie entnervt zur Rede stellt. Sie behauptet, seine Tochter zu sein. Yans Mutter war seine erste Freundin, ist kurz zuvor gestorben. Und Isabella? Das ist ein kleiner Streuner, den Yans Mutter ihr geschenkt hatte. Der ist verschwunden, und Yan ist verzweifelt. Die Suche nach Isabella bringt die beiden näher zusammen. Nach und nach findet Yan einen Platz in Shings Leben, zieht bei ihm ein und stellt seinen bisherigen Lebenswandel auf den Kopf, während Shing sich immer mehr mit seiner neuen Rolle anfreundet. Die Geschichte spielt kurz vor der Übergabe Macaos an die Volksrepublik China Ende 1999. Pang Ho-Cheung versucht dem Film etwas Künstlerisches zu geben, wird auch mit Wong Kar-wai verglichen, doch davon ist er noch einige Längen entfernt.

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Wettbewerb: Offside von Jafar Panahi (II)

"Was ist bloß los mit euch Teheraner Mädchen?"

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Iran gegen Bahrain. Qualifikationsspiel für die WM in Deutschland. Die fußballbegeisterte Stadt Teheran ist in heller Aufregung. Fahnen, bemalte Gesichter, Sprechchöre – junge und ältere Männer strömen ins Stadion. Und wenn man genau hinschaut, steckt unter dem einen oder anderen Basecap auch ein Mädchengesicht. Weibliche Fußballfans gibt es auch im Iran. Allerdings müssen sie sich als Jungs tarnen, um ins Stadion zu gelangen. Was passiert, wenn die Verkleidung dieser Mädchen auffliegt? In Jafar Panahis "Offside" nichts wirklich Schlimmes – denn die erwischten Mädchen sind erfrischend selbstbewusst, bringen die Ordnung der Dinge ins Wanken, und entlarven mit Witz und Raffinesse die Absurdität des Stadionverbots.

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Wettbewerb: Requiem von Hans-Christian Schmid (I)

Von der Ohrfeige zur Stillen Nacht

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Beeindruckend, beklemmend und großartig gespielt: Hans-Christian Schmid hat mit "Requiem" den mit Abstand besten deutschen Wettbewerbsbeitrag vorgelegt. Das Thema: Ein Fall von Exorzismus mit tödlichem Ausgang, der sich in der süddeutschen Provinz in den 70er Jahren mehr oder weniger tatsächlich so zugetragen hat. Aber vor allem geht es um Michaela: Eine empfindsame junge Frau, gespielt von der großartigen Sandra Hüller, die mit ausgeprägt starkem Willen versucht, ihren eigenen Weg zu finden: Zwischen tief empfundenem Glauben, erzkatholischer Familie und der ersehnten Befreiung aus dem kleinbürgerlichen Milieu durch das Studentenleben. Aber epileptische Anfälle und Wahnvorstellungen treiben Michaela zur Verzweiflung. Bald ist sie fest davon überzeugt, von Dämonen besessen zu sein.

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Wettbewerb: "Offside" von Jafar Panahi (I)

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Männerfussball ist Frauenfussball ist Völkerball

Dann bin ich ihn doch noch losgeworden: Den schwarz rot goldenen Kugleschreiber mit dem einem Fussball als Druckknopf, den wir letztes Jahr im Iran mithatten (dazu Mützen, Magneten, den ganz Fanquatsch). Als Gastgeschenke und Propagandamaßnahme für die WM. Denn die Iraner lieben Fussball, lieben Deutschland (Ja! Wirklich!) schauen via Satelit sogar Bundesliga (obwohl ihnen die 1 Liga in Italien, England und Spanien besser gefällt). Überreicht bekam diesen dollen Kugelschreiber der Tonmeister des Films "Offside", weil ich außer einem "Danke für den Film" gerade nichts parat hatte.

Das Setting von "Offside" ist das Spiel Iran gegen Bahrain, bei dem sich die Iraner im letzen Jahr für die WM bei uns qualifiziert haben. Vom Spiel selbst sieht man aber nur einige Sekunden, einmal kurz in Stadion und einmal auf einem Fernseher. Der Rest dreht sich um eine handvoll Frauen, die als Männer verkleidet ins Stadion wollten und dort aufgegriffen werden. Von 3 Soldaten bewacht, können das Spiel nur noch hören oder lassen es sich von einem der Soldaten beschreiben. In der Zwischenzeit diskutieren sie mit den Soldaten über den Irrsinn der Trennung der Geschlechter im Iran...

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Wettbewerb: Invisible Waves von Pen-ek Ratanaruang

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Im Auftrag seines Chefs Wiwat muß der japanische Koch Kyoji dessen Frau umbringen, die zufällig auch seine Geliebte ist. Er bekommt von Eric Tsang als mysteriöser bandagierter Mönch einen Umschlag mit Geld und einer Überfahrt nach Phuket. Er steigt also in Hongkong auf ein lautes, ungemütliches Schiff ein, versucht in der fensterlosen, donnernden Kabine die Zeit zu verdrücken. Es sind zwar kaum Menschen auf dem Schiff zu sehen – leere Gänge, leere Bar, leerer Pool -, doch zufällig ist an Deck eine wunderschöne junge Frau namens Noi mit einem kleinen Baby. Irgendwie kommt Zuneigung bei ihm auf, obwohl er von Schuldgefühlen und Übelkeitsanfällen geplagt ist. Gleichzeitig folgt ihm ein anderer Mann und sehr viel Pech, denn was er noch nicht ahnen kann, Noi ist die Freundin vom Chef. Klingt ganz nett – aber auch nur wenn der Film 15 Minuten statt quälende 115 Minuten gedauert hätte. Achtung: hier ist die eigentliche Rezension zu Ende. Weiterlesen auf eigene Gefahr.

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Wettbewerb: "Find me guilty" von Sidney Lumet

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Einer für alle und alle für Einen

Nach eine wahren Geschichte. Diese Einblendung gab es bei auffallend vielen Filmen in diesem Jahr. Es ist Lumets dritter Gerichtsfilm in seinem über 50 jährigen Filmeschaffen. Unfassbar, was der Mann alles gemacht hat (Filmographie). Diesmal geht es um einen gigantischen Prozess gegen die Mafia, der mit hunderten Zeugen über zwei Jahre gegen 20 Angeklagte gleichzeitig geführt wurde. Vin Diesel spielt Jackie DiNorscio, der sich als Einziger der Angeklagten selbst verteidigt hat. Jackie ist ein sehr einfacher Typ, der die meiste Zeit seines Leben im Gefängnis verbracht hat, zu Wutausbrüchen und einer unflätigen Sprache neigt - alles Eigenschaften, die vor Gericht nicht unbedingt weiterhelfen. Weil das Ganze ein Gruppenprozess ist, fürchten seine Kumpanen, dass Jackie sie durch seine zunächst hahnebüchene Verteidigungsmethode mit runterzieht. Deshalb steht er bald völlig allein da, von seinen Buddies geschnitten, als Einziger im Knast, von Staatsanwalt und Richter mißtrauisch beäugt. Aber er läßt sich trotzdem nicht unterkriegen.

Ein sehr amerikanischer Stoff, einer gegen Alle, und dazu der vermeintliche Looser, der sich am Ende als die entscheidende Figur herausstellt.

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Wettbewerb: Livresse du pouvoir (Geheime Staatsaffären) von Claude Chabrol (2)

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Drehbuchautorin Odile Barski, Claude Chabrol und Isabelle Huppert auf der Pressekonferenz

Viel hat sich in den letzten Jahren bewegt: Irak-Krieg, Tsunami, Merkel. Nur sehr dunkel kann ich mich an einen Skandal erinnern um einen französischen Öl Konzern, um Bestechungen von Politikern und um die "Ikone" Helmut Kohl. Mehr bekomme ich nicht mehr zusammen über die sog. "elf Affäre". Hinein also in den neuen Chabrol Film "Livresse du pouvoir", der sich dieses Themas angenommen hat, natürlich nicht ohne sich bereits zu Beginn des Films abzusichern, dass Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und Geschehnissen völlig unbeabsichtigt sind.

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Wettbewerb: „L’Ivresse Du Pouvoir“ (Geheime Staatsaffären) von Claude Chabrol

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Sie ist natürlich toll: Isabelle Huppert als kaltschnäuzige Staatsanwältin, die die korrupten, verweichlichten Männerbünde das Fürchten lehrt, welche sich auf Kosten des französischen Steuerzahlers bereichern. Aber so nach einer dreiviertel Stunde wird man ihrer überdrüssig, weil sie nur das ist, Anwältin, die sich in die Staatsaffäre verbissen hat und darüber auch ihre Ehe scheitern lässt. Weil ihr Mann mit der starken Frau nicht klarkommt, weil eigentlich kein Mann mit ihr klar kommt, am wenigsten die Mächtigen. Sie haben Angst. Gut, das ist der Einbruch der Frauen in den Herrenclub - und weiter? Das Problem ist: Sobald man der Hauptfigur überdrüssig ist, wird auch der Film nur noch lang, sehr lang, weil soooo viel geredet wird und so viele Namen und Leute auftauchen, die irgendwie verwickelt sind. Alles feingewandete Herren, viele Verhöre, ein paar entspannte Gespräche unter Frauen, eine sprachlose Ehe.

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Wettbewerb: "Sehnsucht" von Valeska Grisebach (2)

Ein kleines deutsches Weltwunder, was Valeska Grisebach da geschaffen hat. Immerhin hat sie es geschafft, mich morgens gegen Viertel vor zehn zum Weinen zu bringen. Eine Szene, die - und nicht nur die - Szeneapplaus bekommen hat. Szenenapplaus in Deutschland, also bitte! ...

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Wettbewerb: "Sehnsucht" von Valeska Grisebach

Epische Liebe in Brandenburg

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Die Geschichte ist bekannt: Ein Mann und eine Frau lieben sich seit langem. Dann verliebt sich der Mann in eine andere. Die Filmemacherin Valeska Grisebach hat ihren Hauptdarsteller irgendwo im Brandenburgischen "beim Schuhe zubinden" gecastet. Schauspielerfahrung hatte er vorher keine. Das ganze Ensemble von "Sehnsucht" besteht aus Menschen, die keine Profis sind. Die Idee ist klar: Große Gefühle passen eigentlich nicht zum wortkargen, nüchternen Menschenschlag in Brandenburg. Oder doch?

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Wettbewerb: Zemestan (It's Winter) von Rafi Pitts

Ein Mann geht, ein anderer kommt

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Es schneit. Es ist kalt. Es ist Winter. Die einzigen schwarzen Punkte im Schnee sind die Gleise und ein hagerer Mann, der langsam an ihnen entlang geht. Aus dem Off erklingt ein Gedicht von Mehdi Akhavan Saless. Es erzählt davon, wie im Winter die Menschen den Gruß nicht erwidern, weil sie den Kopf zwischen den Schultern und den Kragen hochgeklappt haben.

Rafi Pitts Film "Zemestan" erzählt von Arbeit und Arbeitssuche, vom Weggehen und Bleiben, von Traum und Realität, und auch vom Winter: nicht nur vom tatsächlichen, sondern auch vom metaphorischen in der Gesellschaft. Und es geht um lebensnotwendige Farbtupfer.

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Wettbewerb: "The Road to Guantanamo" von Michael Winterbottom & Matt Whitecross

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Das Absurdeste zuerst: Die Szenen, die im Gefangenenlager Guantanamo auf Cuba spielen, wurden in Teheran gedreht. Am ganz anderen Ende auf Bushs Achse der Guten und Bösen. Und gerade in den dort gedrehten Szenen zeigt Winterbottom, wie die USA ihre ureigensten Werte verraten haben, um sich der Illusion von Sicherheit und eines Krieges alter Machart (Die gegen uns) hingeben zu können. Mit schrecklichen Folgen für diejenigen, die dabei ins Fadenkreuz der Terroristenjäger geraten.

Man hat sich an die Existenz von Guantanamo gewöhnt, obwohl wir wissen, was dort vor sich geht: Etwa 300 Menschen werden ohne Anklage, ohne die Möglichkeit ihre Familie oder Anwälte zu sprechen, in Käfigen wie im Tierheim gehalten. Sie werden gefoltert und bei kleinsten Vergehen in Einzelhaft gesteckt, manchmal wochenlang, sie werden ständig befragt, verhört, beschimpft und damit gebrochen. Man will von den wahllos eingekerkerten Männern erfahren: Wo ist Bin Laden. Die Frage ist so verrückt, dass die Zuschauer im Kino nur noch lachen konnten, als der CIA Mann sie einem der Jungen schließlich stellt. Aber zum Lachen gab es sonst wenig in dem Film...

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Wettbewerb: The Road to Guantanamo von Michael Winterbottom

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Schon Tage vor dem Beginn der Berlinale und, wie wir später erfahren, auch Tage bevor der Film überhaupt fertig geschnitten ist, schwappt “The Road to Guantanamo” bereits eine Welle der Symphatie entgegen. Der Körper von Dieter Kosselick scheint fast vor Emotionalität zu beben, als er auf der Pre-Berlinale-Pressekonferenz sagt: „Und besonders freue ich mich, dass wir den Film von Michael Winterbottom mit im Programm haben, der auf die Situation der Menschen hinweist, die gegen alle Menschenrechte in Guantanamo festgehalten werden.” Ein Film also, den “wir” schon gut finden, bevor wir ihn überhaupt gesehen haben, ein „Fahrenheit 9/11“ für die Berlinale 2006.

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Wettbewerb: "A Prairie Home Companion" von Robert Altman

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Eine Reise in die Good Old Times

Steht ein Nackter neben einem Elefanten, sagt der Elefant: Sieht ja ganz nett aus, aber kann man damit atmen? Oder der hier: Warum hat man PMS eben PMS genannt? Naja, Rinderwahnsinn war schon vergeben. Oh yes! Schlechte Witze, aber das Kino lag am Boden. Sie werden in "A Prairie Home Companion" von Woody Harrelson erzählt, der mit Cowboyhut und Staubmantel, neben seinem Bruder in ähnlicher Aufmachung auf der Bühne der legendären Radioshow steht und ansonsten vor allem von, ja was wohl, Cowboys singt und zwischendurch ein paar schlechte Witze zum Besten gibt.

Radioshows, so was gibt es heute gar nicht mehr. Oder doch? Ein kleines Dorf im Mittleren Westen der USA strotzt der Moderne: Ein Theater, Publikum und auf der Bühne eine feste Band und dazu verschiedene Künstler, in diesem Fall Country und Westermusikanten. Dann wird live Musik gemacht und gesendet.

Altman hat diesmal nicht auf ein riesen Ensemble gesetzt, sondern sich ganz dem Mythos dieser wirklich existierenden Show und ihrer Geschichte anvertraut....

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Wettbewerb: Grbavica von Jasmila Žbanić

Die Vergangenheit ist noch lange nicht vorbei

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Sarajewo, in der Gegenwart. Esma hat gerade ihren Job verloren und arbeitet nun nachts als Bedienung in einer Disko, um sich und ihre 12-jährige Tochter Sara über die Runden zu bringen. Das Verhältnis der beiden ist eng, fast kumpelhaft – und doch spürt man immer wieder seltsame Irritationen. Mutter und Tochter balgen wie junge Katzen auf dem Boden, Sara wirft sich auf Esma und hält ihre Arme fest. Da versteinert das Gesicht der Mutter: "Hör auf, hör auf!" ruft sie. Das Spiel ist abrupt zuende. Sara ist in dem Glauben aufgewachsen, ihr Vater sei als Held im Krieg gegen die Tschetniks gestorben. Doch die Wahrheit ist sehr viel schmerzhafter.

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Wettbewerb: Elementarteilchen von Oskar Roehler (2)

Ein Herz für die Elementarteilchen

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Regisseur Oskar Roehler sagt, er habe es nicht übers Herz gebracht, die Figuren in seinem Film "Elementarteilchen" im Stich zu lassen. Produzent Bernd Eichinger ergänzt, man habe bei der Verfilmung des Romans von Michel Houellebecq "einen ganz anderen Spirit" erzeugen wollen. Leider ist diese humanistische Anwandlung, die wohl auch mit Blick auf die Kinokassen enstand, in die Hose gegangen: Das Konzept, die "Elementarteilchen" zu domestizieren, geht nicht auf. Wo bei Houellebecq, seines Zeichens Berufszyniker und Moralist (doch, das kann man kombinieren), die Unmöglichkeit menschlicher Beziehungen die totale Isolation bedeutet, wo Porno und Asexualität irgendwann auf denselben Punkt zulaufen, zaubert Roehler schwuppdiwupp wie ein Kaninchen aus dem Hut die Liebe als heilende Kraft. Das passt leider hinten und vorne nicht zur Geschichte. Der Rest des Films ist über weite Strecken flacher Klamauk und Psychologie für Anfänger.

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Wettbewerb: "Wu Ji" (The Promise) von Chen Kaige

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Klar muss er sich messen. Schliesslich schwimmt „Wu Ji“ (The Promise) auf der Welle, die Zhang Yimou mit „Hero“ und Ang Lee mit „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ losgeschlagen haben. Seitdem gibt es für historische Mystik-Filme aus dem alten China mit einer kräftigen Brise Martial Arts auch in Europa und den USA ein breites Publikum.
Also sehen wir in „Wu Ji“ alles wieder: fliegende Helden, eine Schönheit a la Zhang Zi Yi, colorierte Landschaftaufnahmen, die unscharfe Line zwischen Gut und Böse.

Es beginnt mit einer scheinbar poetischen Ausgangsgeschichte: das Mädchen Qingcheng gibt einer Fee das Versprechen (ja, sehr gut aufgepasst...“The Promise“) auf ihr Glück in der Liebe zu verzichten, wenn es Ihr ansonsten an nichts fehlt. Soweit, so gut.

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Wettbewerb: Elementarteilchen von Oskar Roehler (1)

"Der Mann am Ende des 20. Jahrhunderts

mit seinem Leiden und seinen männlichen Minderwertigkeitskomplexen", so konkretisierte Regisseur Oskar Roehler in einem Interview selbst das zentrale Thema seiner Verfilmung des Romans "Elementarteilchen" von Michel Houellebecq. Und was es dann während immerhin 105 Minuten zu sehen gibt, ist wahrlich grausam und mitleidserregend: Im Zentrum der Handlung stehen die Halbbrüder Bruno und Michel, die jeweils exemplarisch diametral entgegengesetzte männliche Lebensmodelle verkörpern.

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Während der erfolgreiche Wissenschaftler Michel ein asexuelles, isoliertes Leben im Dienste der Molekularbiologie führt und die Forschung an ungeschlechtlicher Fortpflanzung seinen einzigen Lebensinhalt bildet, steht sein Halbbruder Bruno vollkommen unter dem Diktat seines schier übermächtigen Sexualtriebes. Auf der Suche nach immer neuen sexuellen Reizen pendelt er als zutiefst unglücklicher Mensch ruhelos zwischen Swingerclubs und Psychatrie hin und her. Wie sich alsbald herausgestellt, ist an all dem Elend letztlich die böse Mutti der beiden Halbbrüder schuld, die sich in deren Kindheit nicht etwa mütterlich um ihre Söhne gekümmert hat, sondern statt dessen lieber in einer Hippiekommune in Indien nach sexueller Selbstverwirklichung suchte.

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Wettbewerb (außer Konkurrenz): „A new World“ von Terrence Malick

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Ein Bioapfel ersäuft in zuckersüßer, roter Bonbon-Sauce

Ok, er lässt sich Zeit zwischen seinen Filmen. Malick hat in 35 Jahren nur 5 Filme gemacht. Jeder trug ganz seine Handschrift, wie man bei der Länge der Zeit auch erwarten konnte. „Badlands“ mit Martin Sheen von 1973 ist eins der besten Road Movies ever made und „A Thin Red Line“ ein grandioser Kriegsfilm, der 1999 auf der Berlinale auch den Goldenen Bären gewann.
Und nun also „A New World“, die Pacahontas Geschichte als große Allegorie auf den amerikanischen Traum und durchaus auch auf seine Umsetzung im Heute. Der Film trägt Malicks Handschrift: einige grandiose Bilder, ist aber ansonsten zu einer gefühlsduseligen, neohippy Anklage gegen die Moderne geworden. Story: Anfang des 17. Jahrhunderts, englische Siedler gründen in Virginia Jamestown. In der Nähe...

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Wettbewerb: Slumming von Michael Glawogger

Herr Kallmann geht über den See

Einem wie Kallmann geht man auf der Straße oder in der U-Bahn lieber aus dem Weg. Verlottert, schwankend, irrer Blick. In einem fort rezitiert er seltsame Monologe, die sich bei näherem Hinhören als Mischung aus derben Beschimpfungen und großer Dichtung offenbaren, sich aber unvermittelt zu einem wüsten Brüllen steigern können. Und das alles auf wienerisch – der Sprache der eleganten Gehässigkeit. Als Sebastian, Typ gelangweilter reicher Junge, und sein Adlatus Alex den Kallmann im Vollrausch auf einer Parkbank finden, ist nix mehr mit Reden, und mit Brüllen sowieso nicht. Und so wird das wehrlose Opfer kurzerhand ins Luxusauto geladen und auf einer Parkbank im tschechischen Nirgendwo abgelegt. Nur so aus Spaß, Langeweile und Bosheit. Michael Glawoggers "Slumming" ist ein wunderbarer, schräger Wettbewerbsbeitrag – ihn doppelbödig zu nennen wäre eine Untertreibung.

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Wettbewerb (außer Konkurrenz): „Syriana“ von Stephen Gaghan

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Alles hängt mit allem zusammen

Was "Syriana" (auch) erzählt, wird schon in den ersten Sekunden, nachdem das Licht ausgegangen ist, angedeutet: Als das Warner Brothers Logo anstatt wie üblich mit Fanfaren den Film ankündigt, sondern man zwar das Logo sieht, dazu aber ein Muezzin „Alahu akkbar“ ruft. Grandios! (Der Regisseur wird später sagen, dass damit der ewige Kampf zwischen Ökonomie und Spiritualität, die wechselseitige Verstärkung oder Abschwächung der beiden Kräfte sofort klar werden sollten.)
Wie auch schon in „Traffic“, zu dem Gaghan das Drehbuch schrieb, werden kunstvoll verschiedene Orte, Personen und Konflikte miteinander verwoben:...

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Wettbewerb: Snow Cake von Marc Evans (1)

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Scrabble für Fortgeschrittene

Britischer Humor trifft auf Autistin. Das klingt nach absurden und komischen Momenten, vielleicht sogar nach Klamauk. Gleichzeitig hat "Snow Cake", der Eröffnungsfilm der Berlinale, ein ernstes Thema – es geht um Schuld und Erlösung, um das Wahren und Einreißen zwischenmenschlicher Grenzen. Doch der Film des walisischen Regisseurs Marc Evans hält gekonnt die Balance. Abgesehen von einigen Längen und einigen allzu gewollt wirkenden Wendungen des Plots, ist "Snow Cake" ein schöner Eröffnungsfilm für die Berlinale. Einen gehörigen Anteil daran haben die beiden Hauptdarsteller: Sigourney Weaver (als Autistin fast so gut wie Dustin Hoffman) und Alan Rickman (jaja, der fiese Snape aus Harry Potter diesmal sehr traurig) sind ein großartiges Duo.

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Wettbewerb: Snow Cake von Mark Evans (2)

Ein netter Film

Snow Cake macht es uns gemütlich: Gute Schauspieler, hübsche pointierte Dialoge, keine Szene ohne einen Schuss Humor und ein Setting, das genug dramatisches Potential bietet, damit auch die Tränendrüne gedrückt werden kann. Trotzdem tut hier nichts weh. Es ist ein angenehmer Film, in den man entspannt mit einem Arbeitskollegen oder mit seiner Großmutter gehen kann.

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Außer Konkurrenz aber voll konkurrenzfähig

Viele renommierte Regisseure und großartig klingende Filme laufen dieses Jahr im Wettbewerb, aber ohne an ihm teil zu nehmen.

Außer Konkurrenz läuft Bennett Millers Biopic "Capote". Philip Seymour Hoffman hat gerade für seine Darstellung des Schriftstellers Truman Capote (Frühstück bei Tiffanies) den Golden Globe gewonnen. Der Film handelt von dem dandyhaften Autor Capote und seinem Buch "Kaltblütig" aus den 50er Jahren, in dem er die Beweggründe einen grausamen Mordes beleuchtet und dafür in der Provinz und bei dem vermeintlichen Mörder recherchiert.

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Wettbewerb Vorbericht: Requiem

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Bereits mit "23", dem Film ueber den mysteriösen Tod des Computerhackers Karl Koch, hat sich Hans-Christian Schmid mit einer Gegenwartsgeschichte beschäftigt, die sehr widersprüchlich gedeutet wird. Requiem beschaeftigt sich diesmal mit einer Geschichte, die sich in den 70ger Jahren in Bayern zugetragen hat, der Geschichte von Anneliese Michel. Wahnvorstellungen und unerklärbares Verhalten der Paedagogikstudentin führten damals einige zu der Anahme sie sei vom Teufel besessen und Würdenträger der katholischen Kirche leiteten Exorzismus Riten für sie ein. Sehr ausführlich beschäftigt sich ein Wikipedia Artikel mit diesem Fall (nimmt das Ende des Films selbstverständlich bereits vorweg).

Wettbewerb Vorbericht: Elementarteilchen


Stars....gibt es sowas in Deutschland? Wenn ja, dann spielen sie fast alle in "Elementarteilchen" mit, dem neuen Film von Oskar Roehler: Moritz Bleibtreu, Franka Potente, Christian Ulmen, Uwe Ochsenknecht, Nina Hoss...Zu diesem Aufgebot passend wurde der Film von Bernd Eichinger produziert. Vorlage bildet der gleichnamige Roman von Michel Houellebecq. Es geht um zwei sehr ungleiche Brüder (gespielt von Ulmen und Bleibtreu), die aufgrund tragischer Familienereignisse wieder aufeinandertreffen. Beleuchtet wird insbesondere ihre unterschiedliche Position im Grenzbereich von sexueller Phantasie und Realität, ein zentrales Motiv, das natürlich in keiner Geschichte von Michel Houellebecq fehlen darf.
Im Jahr 2000, als die Berlinale noch von Mortiz von Hadeln geleitet wurde, war Roehlers Film "Die Unberührbare" von der damaligen Auswahlkommission nicht in den Wettbewerb eingeladen worden. Kritik an dieser Entscheidung blieb nicht aus. Später hat der Film den deutschen Filmpreis bekommen. Daraus hat man anscheinend gelernt. Im Jahr 2002 war Oskar Roehler selbst Mitglied in der Offiziellen Jury und mit "Der alte Affe Angst" wurde auf der Berlinale 2003 dann erstmals ein Film von Roehler im Wettbewerb gezeigt.

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