WEIYENA-EIN HEIMATFILM von Weina Zhao und Judith Benedikt (DOK.fest München 2020)

Filmstill: Weiyena Zhao mit ihren Eltern
Weina Zhao mit ihren Eltern
Eine Filmkamera kann einen therapeutischen Charakter haben. Die gilt sowohl für Menschen vor der Kamera als auch hinter der Kamera. Im Dokumentarfilm erlaubt die Kamera auf der einen Seite Fragen zu stellen, die man sonst nie stellen würde und auf der anderen Seite Antworten, die man nahestehenden Menschen, so nicht geben würde. Dabei kommen Dinge ans Licht, die lange Zeit im Erinnerungsraum einer Person verschlossen waren.

Weina Zhao ist in Wien aufgewachsen, hat aber durch ihre Eltern eine starke Bindung nach China. Über mehrere Jahre hinweg hat sie ihre Großeltern in China getroffen und mit ihnen Gespräche geführt. Dabei erfährt sie bisher unbekannte, von Leid geprägte Familiengeschichten. Die familiären Auswirkungen der geschichtlichen Tragödien im China des 20. Jahrhunderts und der Umgang mit den gemachten Erfahrungen, machen die Co-Regisseurin manchmal fassungslos, stellen aber auch neue Fragen im Hinblick auf ihre eigene Identität als Grenzgängerin zwischen den Kulturen.

Die familiäre Bindung und Zhaos fließendes Mandarin schaffen eine wichtige Vertrautheit in den Gesprächssituationen. Als Zuschauer bekommen wir bewegende Einblicke, wie chinesische Geschichte Persönlichkeiten und Lebenswege beeinflusst haben. Zhao hat nicht allein, sondern zusammen mit Judith Benedikt Regie geführt. Dies hat sicherlich dabei geholfen, dem Film trotz aller Emotionalität und persönlichen Betroffenheit eine gute Erzählstruktur zu geben.

Besonders wertvoll wird WEIYENA-EIN HEIMATFILM für den europäischen Zuschauerin auch dadurch, dass Weina Zhao trotz ihrer Nähe zu China durch die europäische Perspektive nach Antworten sucht. Ihre Fragen sind auch unsere Fragen, ihr Nicht-Verstehen ist auch unser Nicht-Verstehen. Am Ende deutet sich an, dass durch das Zusammenwirken von chinesischer Mentalität, Kultur und Geschichte menschliches Verhalten in europäischen Kategorien manchmal nicht erklärbar ist.

WEIYENA-EIN HEIMATFILM läuft auf dem DOK.fest München als Weltpremiere und kann noch bis zum 24.5. gestreamt werden. Die Q&A zum Film steht frei zur Verfügung.

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Titel

Orignaltitel

Weiyena - ein Heimatfilm

Englischer Titel

Weiyena – The Long March Home

Credits

Regisseur

Judith Benedikt

Weina Zhao

Produzent

Kurt Langbein

Kamera

Judith Benedikt

Land

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2020

Dauer

95 min.

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