RIZI (DAYS) von Tsai Ming-Liang (Berlinale 2020)

Rizi_202005396_1.jpg

Ein Mann sitzt an einem Fenster und schaut hinaus auf den Regen. Regungslos. Minutenlang. Tsai Ming-Liangs Film RIZI ist für die Zuschauer eine Übung in Geduld und Langsamkeit – und das Sich-darauf-Einlassen wird reich belohnt. Lange, ruhige Einstellungen, zwei Männer, denen wir minutenlang bei ihren alltäglichen Verrichtungen zusehen, bevor sie schließlich aufeinander treffen, bevor diese Körper sich berühren und miteinander Sex haben und wieder auseinanderdriften. Und das alles geschieht fast ohne Worte.

Der ältere der beiden Männer hat augenscheinlich mehr Geld, lebt in einem großen Haus, lässt sich massieren und akupunktieren, er ist eindeutig derjenige, der sich bedienen lässt. Der, der nimmt. Der jüngere Mann lebt in deutlich bescheideneren Verhältnissen. Eine kleine Stadtwohnung, vom Verkehr umtost. Hier bereitet er in aller Ruhe und mit viel Liebe zum Detail seine Mahlzeiten zu. Wir sehen ihn Gemüse im Badezimmer waschen, das Feuer in der Küche anfachen, den Dampftopf aufsetzen. Und wir sehen ihm beim Essen zu. RIZI bedeutet "Tage", und wir bekommen erst einmal sehr intensiv vermittelt, wie sich der Rhythmus eines normalen Tages für diese beiden Figuren anfühlt.

Doch manche Tage sind anders als andere. In einem Hotelzimmer wartet der Ältere schließlich auf den Jüngeren, eine bestimmte Summe Geld abzählend. Offensichtlich handelt es sich hier um eine bezahlte Dienstleistung. Er wird ausgiebig mit Massageöl eingerieben und sanft und einfühlsam am ganzen Körper massiert, schließlich wird die Massage zum Sex. Auch für diese Bilder lässt sich der Regisseur viel Zeit. Der Puls der sich berührenden Körper, die Reibung und die Wärme sind fast körperlich zu spüren. Fürsorglich wird der ältere der beiden im Anschluss eingeseift und abgeduscht.

Rizi_2_202005396_4.jpg

Nach der Geldübergabe holt der ältere Mann dann noch ein Geschenk aus seiner Tasche. Es ist eine Spielwalze, die der junge Mann noch im Hotelzimmer in Gang setzt: Es ertönt die Melodie aus Charlie Chaplins „Limelight – Lichter der Großstadt“. Werden diese beiden, im Grunde einsamen Männer sich wiedersehen? Wir wissen es nicht. Sie gehen noch gemeinsam einen Happen essen, dann trennen sich ihre Wege. Der junge Mann hat aber nun bei seinen Streifzügen durch das nächtliche Bangkok die Spielwalze dabei.

Fotos: © Homegreen Films

Kommentiere den Film oder den Eintrag

Titel

Orignaltitel

Rizi

Englischer Titel

Days

Credits

Regisseur

Tsai Ming-Liang

Schauspieler

Anong Houngheuangsy

Lee Kang-Sheng

Land

Taiwan

Jahr

2019

Impressum