Ciao Dieter!

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Dieter Kosslick mit Michael Ballhaus (Berlinale 2016)

Das war sie nun (fast): die letzte Berlinale von Dieter Kosslick. Bei der Vergabe der "inoffiziellen" Preise heute Mittag fand Kosslick in seiner Rede deutliche, für seine Verhältnisse unverspaßte, Worte. Es hielt ein Plädoyer für das Filmfestival, insbesondere für das politische Filmfestival.

In den letzten Berlinale Jahren war Kosslick von einem Teil der Filmpublizistik stark kritisiert worden. Ich habe die Kritik oft als unangenehm besserwisserisch empfunden, insbesondere im Tonfall. Meine erste Berlinale war 1991 noch unter Moritz de Hadeln, aber die erste Berlinale von festivalblog war 2005, vier Jahre nach dem Kosslick übernommen hatte.

Aus meiner Sicht hat Kosslick in seiner Zeit die Berlinale von seinem Film-Elfenbeinturm hinuntergeführt und das filminteressierte Publikum mit offenen Armen in die Berlinale Kinos eingeladen.

Dafür und für manches andere gebührt "dem Dieter" ein fettes DANKE SCHÖN!

Kommentare ( 4 )

Sehe ich ähnlich. Immer nur rummeckern, dass wahlweise zu wenig Stars oder aber die künstlerisch interessanteren Filme in Cannes und Venedig laufen, ist leicht getan, wenn man diese Aufgaben nicht selbst stemmen muss.

Krasse Fehlentscheidungen wie den Jennifer-Lopez-Film über die Frauenmorde in Mexiko muss man natürlich kritisieren, auch fragte man sich bisweilen, warum manche Filme, die im Forum oder Panorama liefen, nicht anstelle anderer Filme besser im Wettbewerb aufgehoben gewesen wären.

Trotzdem muss man Kosslicks Leistung vor allem als Kommunikator nach außen anerkennen. Er hat der Berlinale ein neues, sehr positives Profil gegeben - mit seiner Offenheit, seiner zugewandten Haltung den Filmemachern und dem Normalo-Publikum gegenüber, seiner positiven Ausstrahlung und der klaren politischen Linie. Die Berliner Filmfestspiele sind inzwischen das größte Publikumsfestival der Welt, und das ist in der Tat das Verdienst von Kosslick und seinem tollen Team.
Christoph Terhechte (Forum) und Wieland Speck (Panorama) waren mit ihrem enormen Gespür für gute Filme und ihrer weltweiten Vernetzung ebenso wie Rainer Rother in der Retrospektive und andere in diesen Kosslick-Jahren natürlich mindestens ebenso wichtig für den Erfolg der Berlinale, das darf man nicht vergessen.

Und weil nichts bleibt, wie es ist (und das ist auch gut so), darf jetzt ein anderer / eine andere übernehmen - ich jedenfalls freue mich darauf zu sehen, welche neuen Akzente Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek setzen werden.
Wir werden sehen;-)

Da hast Du natürlich absolut recht: Terhechte und Speck darf man auf keinen Fall vergessen. Schade ist insbesondere wie lautlos Terhechte das Forum verlassen hat. Wieland Speck war im Panorama auch unglaublich präsent und hat wirklich viele der Vorstellungen perönlich angekündigt. Er hatte auch die Kontakte zu den Indies, die zu Stars wurden, wie z.B. Tilda Swinton.

Es ist tatsächlich so, dass ihre Arbeit zu wenig gewürdigt wird.

Ich hab ja schon fast zehn Jahre in der Stadt gelebt und immer schon Filme geliebt, war aber wie Andreas erst Anfang der Nuller Jahre das erse Mal auf der Berlinale - damals noch zwei Jahre lang mit 5 Uhr aufstehen und 3h Schlange stehen im Schneeregen - aber wir wollten das jetzt. Keine Ahnung, ob es mit Kosslick und den Lockungen, die er geschaffen hat zu tun hat, oder dem (damals) neuen und ja eigentlich schrecklichen Ort am Potsdamer Platz oder einfach daran, dass ich beriffen habe, dass man auf einem Festival sehen kann, was es sonst nirgends zu sehen gibt. Und vieleicht ist das ein Verdienst (oder auch Kritik?) an Kosslick, dass man wusste, fast alles, was im Wettbewerb läuft, irgendwann im Kino verwertet werden wird (ja, sogar der kleine Film aus Bosnien), und dass unter den großen Hut von Dieter Filme mit Hollywoodianern und mit und von indigenen Bolivianerinnen passen - im gleichen Wettbewerb. Dass das Ansätze für Kritik schafft, wir oft ja auch genervt waren von der gleichzeitigem Wunsch nach Kunstfertigkeit und Unterhaltung und Glam und politischem Ernst und Aktualität (so eine Suppe KANN gar nicht allen schmecken). Ich freu mich auf neues, ja vielleicht noch, noch gegenwärtiges Kino (Serie, Netflx=neue Formen des Guckens) - etwas was Kosslick ja als einer der ersten fest in der der Berlinale installiert hatte) werde aber wohl altersbeding auch Grund zum Nörgeln finden ("Unter Kosslick war das...."). Wichtig wäre überhaupt mal bald wieder mit Euch auf der Berlinale zu sein. So long, ihr habt echt toll geschrieben. Und so viel. In diesem Sinne: Rettet die (Film)Bienen.

: )

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Berlin, 07.02. - 17.02.2019

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