AGNÈS PAR VARDA von AGNÈS VARDA (Berlinale 2019)

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Wenn eine Regisseurin einen Film über ihre eigenen Filme und ihre visuelle Kunst macht und dieser Film dann auch noch zum Teil aus ihren eigenen Vorträgen besteht, dann könnte das fürchterlich öde werden. Bei Agnès Varda wird keine Sekunde langweilig. In VARDA PAR AGNÈS, den die Berlinale im Wettbewerb zeigt, hält sich die 90-jährige, die in diesem Jahr auch die Berlinale Kamera erhielt, an ihr eigenes künstlerisches Credo: Inspriation, creation, partage – Inspiration, Kreativität, teilnehmen lassen. Ihr größter Alptraum als Regisseurin? „Ein leerer Kinosaal.“

Vardas erster Film kam vor 65 Jahren ins Kino. Fröhlich gibt sie zu, dass sie damals von den technischen Seiten des Filmemachens keine Ahnung hatte. Aber zwei Dinge hatte die Fotografin, die zu den bewegten Bildern wechselte: Den richtigen Blick und Mut zu filmästhetischen Innovationen. Der Debütfilm LA POINTE COURTE kombinierte quasi-dokumentarische Aufnahmen in einem Fischerdorf und Spielfilmpassagen mit stark stilisierten Dialogen zu einem Beziehungsdrama. Ihr Klassiker CLEO DE 5 Á 7 spielte an einem Nachmittag in Paris von 5 bis 7. Zwei Stunden Lebenszeit einer Chansonsängerin erzählt fast in Echtzeit in 90 Minuten.

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Varda redet, Varda zeigt Filmausschnitte – Varda gibt bei ihren Vorträgen vor großem Publikum eine Art Masterclass. Was auch auf der Leinwand rüberkommt ist ihre Begeisterung und ihre Präzision bei der Umsetzung ihrer Ideen. In einer der faszinierendsten Passagen von VARDA PAR AGNÈS erklärt sie die Arbeit mit der Schauspielerin Sandrine Bonnaire an SANS TOI NI LOIT (auf deutsch VOGELFREI). Bonnaire spielt eine Vagabundin, die durch das winterliche Frankreich zieht. Der Film beginnt mit ihrem Tod und dann wird ihre Wanderschaft in Rückblenden erzählt. Der Film gewann unter anderem den Goldenen Löwen in Venedig 1985, Bonnaire bekam den César als beste Schauspielerin. Vardas Dokumentarfilm enthält ein Gespräch zwischen der Regisseurin und der Schauspielerin aus dem Jahr 2018: Vor 33 Jahren sprachen sie am Set nicht über die Psychologie der Figur der Landstreicherin. Varda gab Bonnaire vielmehr ganz praktische kleine Aufträge: Lerne ein Feuer zu machen, lerne deine Stiefel zu flicken. Außerdem erklärt Varda detailliert, wie und warum sie die insgesamt 13 Tracking Shots des Films zu Stilmittel gemacht hat.

Für neue Themen, für neue Stilmittel, für neue Technik war und ist Agnès Varda immer offen. Schon 1968 entdeckte sie den Dokumentarfilm für sich und drehte BLACK PANTHERS. Genau 50 Jahre später wurde sie für die Dokumentation VISAGES VILLAGES über ihre Zusammenarbeit mit dem Künstler J.R. für einen Oscar nominiert. 2003 begann sie bei der Biennale in Venedig nach Fotografin und Regisseurin ein drittes Berufsleben als visuelle Künstlerin. PATATUTOPIA war eine Videoinstallation in Form eines Tryptichons, das herzförmige Kartoffeln zeigte. Ein Beweis, dass Varda die Phantasie und die Ideen wohl nie ausgehen werden. Weitere Kunstprojekte folgten.

VARDA PAR AGNÈS ist eine erstaunliche Selbstdokumentation eine Filmkünstlerin, die sich ihre Begeisterung und ihr Gespür für Visuelles über mehr als sieben Jahrzehnte erhalten hat. Sie lässt uns sicher auch am zehnten Jahrzehnt teilhaben.

Copyright Filmstills: Cine Tamaris 2018

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Titel

Orignaltitel

Varda par Agnès

Englischer Titel

Varda by Agnès

Credits

Regisseur

Agnès Varda

Land

Flagge FrankreichFrankreich

Jahr

2019

Festival

Berlinale 2019

Festivalplakat Berlinale 2019

Berlin, 07.02. - 17.02.2019

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