L´ANIMALE von Katharina Mueckstein (Berlinale 2018)

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Die österreichische Regisseurin Katharina Mückstein erzählt in ihrem Film L´ANIMALE von jener Zeitspanne im Leben junger Menschen, die zwischen dem Abitur und dem Verlassen des Elternhauses liegt und die geprägt ist von der Ahnung, das irgendwo da draußen ein anderes und spannenderes Leben warten könnte. In Mücksteins Film findet dieser ohnehin nicht leichte Lebensabschnitt erschwerend auch noch in der Provinz in Österreich statt, in einer ländlichen Umgebung, die außer der Dorfdisko und einer gelegentlichen Kinoveranstaltung für jugendlichen Lebenshunger nur wenig Außenreize bietet.

Im Zentrum des provinziellen Mikrokosmos von L´ANIMALE steht die junge Mati (Sophie Stockinger), die als einzige Frau Mitglied in der dörflichen Motorcross-Clique ist. Mati gibt sich cool und abgebrüht und passt sich bis hin zu ihrem äußeren Erscheinungsbild dem Machogebaren ihrer männlichen Peergroup vorkommen an. Innerlich ist sie unsicher und hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, dazu zu gehören und dem diffusen Gefühl, anders zu sein. Als Mati die unabhängige Carla kennenlernt und sich immer mehr zu ihr hingezogen fühlt, spitzt sich die Lage zu. Zwischen den Erwartungen ihrer ehrgeizigen Mutter, dem Gruppendruck ihrer Clique und der stärker werdenden Zuneigung, die sie für Carla empfindet, muss sie entscheiden, welchen Weg sie gehen will. Während der Film bis hierher eine klassische und solide erzählte Coming-of-age Geschichte ist, bekommt er durch einen zweiten Erzählstrang aus der Perspektive der Erwachsenen in Matis Umfeld eine bereichernde Dimension. Auch die Elterngeneration hat mit veritabelen Krisen und Problemen zu kämpfen und steht vor ganz eigenen Weggabelungen.

Stilistisch sicher inszeniert zeigt L´ANIMALE auf berührende Weise, wie die Wahl zwischen Wahrheit und Lüge und zwischen Zugehörigkeit und Individualität Menschen unabhängig von ihrem Alter ein Leben lang begleitet. Wenn dann kurz vor dem Finale die Protagonisten jeder für sich leise das titelgebende Chanson von Franco Battioto mitsingen, ist das ein Kunstgriff, der zwar stark an MAGNOLIA von Paul Thomas Anderson erinnert, der aber tatsächlich auch in der Provinz in Österreich funktioniert. Insgesamt ein sympathischer Film mit Tiefgang und Humor, dem viele Zuschauer zu wünschen sind.

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Titel

Orignaltitel

L'animale

Credits

Regisseur

Katharina Mückstein

Schauspieler

Jack Hofer

Simon Morzé

Kathrin Resetarits

Julia Franz Richter

Dominic Marcus Singer

Sophie Stockinger

Dominik Warta

Land

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2018

Dauer

97 min.

Festival

Berlinale 2018

Festivalplakat Berlinale 2018

Berlin, 15.02. - 25.02.2018

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