REVOLUTION OF SOUND. TANGERINE DREAM von Margarete Kreuzer (Berlinale 2017)

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Wer in den 70er oder 80er Jahren aufgewachsen ist, der ist an Tangerine Dream (abgekürzt oft mit T.D.) nicht vorbei gekommen. Sie waren damals eine der wenigen deutschen Bands von internationalem Rang. Einerseits waren sie ihrer Zeit voraus, andererseits aber auch schon zu Lebzeiten berühmt. Man übertreibt nicht, wenn man T.D. als Pioniere der elektronischen Musik beschreibt.

REVOLUTION OF SOUND. TANGERINE DREAM ist da wie ein Geschenk und das nicht nur für Fans.

Der Werdegang von Künstlern, deren Schaffen sich über mehrere Jahrzehnte erstreckt, sagt beiläufig auch immer etwas über den gesellschaftlichen Wandel. Tangerine Dream begann Ende der Sechziger mit psychedelischen Rock (damals spielte Mastermind Edgar Froese noch an der E-Gitarre) und spielt heute in einer Formation angekommen, die Froese noch vor seinem Tod 2015 konzipierte und die Wechselwirkung von Musik und Quantenphysik erforschen soll.

Für ihre Betrachtung der fast 60-jährigen Bandgeschichte konnte die Regisseurin Margarete Kreuzer aus dem vollen Schöpfen. Neben 300 Stunden Material aus Froeses Privatarchiv standen ihr auch die Archive der Fernsehsender rbb, WDR und Radio Bremen zur Verfügung. Zudem konnte Kreuzer eine illustre Schar an Weggenossen für Interviews gewinnen. Von ehemaligen Bandmitgliedern wie Peter Baumann über die Musiker Jean-Michel Jarre  und Brian May bis zu den Film-Regisseuren Volker Schlöndorf und Michael Mann. Kreutzer hat alles sehr geschickt zu einem Gesamtporträt verbunden. Sie spannt mit leichter Hand einen Spannungsbogen von den Siebziger Jahren, als der Vatikan Tangerine Dream untersagte, in katholischen Kirchen zu spielen bis zur Komposition des Soundtracks zum populären Computerspiel GTA 5 (erschienen 2013).

Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der musikalischen Entwicklung von T.D. sollte man zwar nicht erwarten. Auf Meilensteine und Bruchstellen wird aber im Film soweit eingegangen, wie es für das Verständnis des Kunstprojekts T.D. notwendig ist.

Nicht zuletzt wegen der vielen tollen Aufnahmen macht REVOLUTION OF SOUND. TANGERINE DREAM großen Spaß. So sehen wir die drei Bandmitglieder zu Beginn ihrer Karriere vor Regler-Türmen und alles erinnert mehr an das Cockpit eines Raumschiffs als an den Bühnenaufbau einer Musikband. Toll ist auch eine absurde Szene aus der SCI-FI Komödie „Warum die UFOs unseren Salat klauen“ wo Edgar Fröse an der Seite von Curd Jürgens spielt.

Getragen wird der Film von Auszügen aus Froeses biographischen Notizen, die aus dem Off von keinem geringeren als Alexander Hacke (Einstürzende Neubauten) vorgetragen werden. Zum Schluss des Films sagt Froese:

"Wenn sich am Ende deines Lebens der Kreis schließt, dann solltest du wieder beim Nullpunkt angekommen sein, aber auf einer höheren Oktave."

Über 90 Minuten lässt uns Magarete Kreutzer daran teilhaben, wie Fröse über 6 Jahrzehnte diesem Ideal entgegenlebt.

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Titel

Orignaltitel

Revolution of Sound. Tangerine Dream

Credits

Regisseur

Margarete Kreuzer

Schauspieler

Peter Baumann

Christoph Franke

Edgar Froese

Johannes Schmoelling

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Jahr

2017

Festival

Berlinale 2017

Festivalplakat Berlinale 2016

Berlin, 09.02. - 19.02.2017

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