Berlinale 2016: ZERO DAYS von Alex Gibney

Eine Waffe, von der keiner etwas wissen will

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Nach A-, B- und C-Waffen sieht sich die heutige Welt mit einer vierten Art von extrem gefährlicher Kriegstechnologie konfrontiert: dem Cyberwar. Über entsprechende Manipulationen digitaler Infrastrukturen können Netzwerke und Infrastrukturen lahmgelegt werden, von der Stromversorgung bis hin zu Systemen der Verkehrsregelung. 2010 entdeckten internationale Sicherheitsexperten den sich selbst replizierenden Computervirus Stuxnet. Er war offenkundig von den Regierungen der USA und Israels in die Welt gesetzt worden, um gezielt das iranische Atomprogramm anzugreifen. Doch der Virus infizierte auch "unbeteiligte" Rechner auf der ganzen Welt. Obwohl bis heute keine einzige offizielle Stelle zugibt, was geschehen ist, scheinen die Fakten klar zu sein. Der amerikanische Dokumentarfilmer Alex Gibney hat mit ZERO DAYS die Geschichte dieser Cyberattacke rekonstruiert und dabei hochkarätige Insider aus CIA, NSA, Mossad und IT-Spezialisten vor die Kamera geholt, die das Puzzle Stück für Stück zusammensetzen. Es wird klar: Wir haben hier ein Thema von internationalem Belang, über das wir dringend offen reden müssten.

Mit großem Geschick erklärt der Film über Interviews, Archivaufnahmen und Voice-Over, wie eine solche Schadsoftware funktioniert und was das Interesse der Beteiligten war, diese zu verbreiten. Dabei geht der Film bis bis in die Zeit des Schahs von Persien zurück, um zu zeigen, wie der Iran ursprünglich von seinen westlichen Verbündeten mit atomarer Technologie versorgt wurde. Als sich der Film dann dem konkreten Thema Stuxnet nähert, ist von den Gesprächspartnern (Ex-CIA, Ex-NSA, etc.) immer häufiger der Kommentar zu hören "Dazu kann ich nichts sagen. Das sind Informationen, die der Geheimhaltung unterliegen".

Über Informationen, die der New York Times Journalist James E. Sanger zusammengetragen hat, und über Leaks aus den Cyberattack-Zentren in Maryland, ergibt sich dann aber ein Bild der Operation, das an Schrecken nichts zu wünschen übrig lässt. Denn, so sagt ein Informant, wenn der Westen bestimmte Länder auf diese Weise angreift, gibt es keinen Grund, warum diese Länder den Westen nicht ebenfalls mit derartigen Cyberattacken ins Visier nehmen sollte. Was es bedeuten würde, dass in einer Großstadt für ein paar Tage die komplette Infrastruktur lahmgelegt werden würde, möchte man sich nicht wirklich vorstellen.

ZERO DAYS ist ein starkes Statement dafür, das Thema Cyberwar auf Seiten von Regierungen offen und transparent zu diskutieren - denn diese höchst explosive Waffe wird nicht einfach wieder verschwinden, nur weil alle so tun, als ob es sie in dieser Form nicht gäbe. Der Film ist spannend, informativ und beeindruckt mit einer Fülle von kompetenten Insidern, mit denen er aufwarten kann. Ein relevanter, sehr gut gemachter Film zu einem brennend aktuellen Thema.

Kommentare ( 1 )

Stimme voll zu! Der Film macht einem aber auch ganz schön Angst, da fast alles irgendwie am Netz dran hängt.

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Titel

Orignaltitel

Zero Days

Credits

Regisseur

Alex Gibney

Land

Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten

Jahr

2016

Dauer

116 min.

Festival

Berlinale 2016

Festivalplakat Berlinale 2016

Berlin, 11.02. - 21.02.2016

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