Berlinale 2016: MIDNIGHT SPECIAL von Jeff Nichols

Schau mir nicht in die Augen, Kleiner

Midnight_Special_klein.jpg

Alton (Jaeden Lieberher) ist nur ein acht Jahre alter Junge, aber von einer Sekte wird jedes Wort, das er sagt, aufgeschrieben und gedeutet. Manchmal spricht Alton in Zungen, in bekannten oder unbekannten Sprachen. Der Sektenführer ist überzeugt: Die Interpretation von Altons Weissagungen künden vom Jüngsten Gericht und nur Altons Anwesenheit kann die Seelen der Gemeinde retten. Nun aber ist die Sekte in Not: Alton wurde entführt und die Agenten des FBI besetzen die Ranch der Sekte. Die Regierung hat auch von den ungewöhnlichen Fähigkeiten des Jungen und die NSA will die Prophezeiungen Altons und die Predigten des Sektenführers entschlüsseln. Als Ausgangspunkt für MIDNIGHT SPECIAL wählt Jeff Nichols also ein Szenario irgendwo zwischen Entführungsthriller und Science Fiction.

Der Entführer ist Altons Vater Roy (Michael Shannon). Er hat erkannt, dass er seinen Sohn schützen muss: vor der Sekte, der Regierung aber auch vor den eigenen übersinnlichen Fähigkeiten, die der Junge besitzt. Die Entführung ist der Auslöser einer mitreißenden Verfolgungsjagd. Die Kräfte von Alton stellen alle vor ein Rätsel, dessen Lösung immer dringender wird. Über das erste Drittel baut Jeff Nichols viel Spannung auf und entwickelt den Plot mit großem Tempo. Aber die Weiterentwicklung des Spannungsbogens endet mit fortschreitender Zeit ins Nichts. MIDNIGHT SPECIAL verheddert sich in seiner eigenen Logik und handwerkliche Fehler lassen die Handlung ins unfreiwillig komische kippen. Beispiel Mit Armee und Spezialeinheiten riegelt der Regierung ein Gebiet ab. Aber natürlich sind die Militärfahrzeuge hinter der Straßensperre so geparkt, dass der japanische Familiengeländewagen die Sperre ohne Probleme durchbrechen kann.

Die größte Schwäche von Nichols Film ist aber, dass er aus der spannenden Handlung, die ein aufregendes Entführungs- und Familiendrama mit echten Science-Fiction-Elementen hätte werden können, unbedingt eine Art metaphysisch-religiösen New-Age-Thriller machen wollte. Das Problem von allen New-Age-Versatzstücken ist dabei in den meisten Fällen dasselbe – erst recht im Kino: Heraus kommt eine pseudophilosophische Soße, die den Film insgesamt nicht zum Genuss macht. 2001: A SPACE ODYSSEE ist eine der wenigen Ausnahmen, aber Jeff Nichols ist nicht Stanley Kubrick. Und so hat sich der Autor und Regisseur mit MIDNIGHT SOPECIAL selbst überfordert und die Geduld der Zuschauer überstrapaziert.

Kommentare ( 1 )

wundervolle Überschrift!!!
Im Übrigen sehe ich das alles ganz genau so wie Meister Steffen.

Kommentiere den Film oder den Eintrag

Titel

Orignaltitel

Midnight Special

Credits

Regisseur

Jeff Nichols

Schauspieler

Adam Driver

Kirsten Dunst

Joel Edgerton

Jaeden Lieberher

Michael Shannon

Drehbuch

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge FrankreichFrankreich

Jahr

2015

Dauer

112 min.

Related

Jeff Nichols (Regisseur)

BERLINALE 2007

Shotgun Stories (Regisseur)

Adam Driver (Schauspieler)

BERLINALE 2013

Frances Ha (Schauspieler)

Kirsten Dunst (Schauspieler)

BERLINALE 2014

The Two Faces of January (Schauspieler)

Michael Shannon (Schauspieler)

BERLINALE 2007

Shotgun Stories (Schauspieler)

Jeff Nichols (Drehbuch)

BERLINALE 2007

Shotgun Stories (Regisseur)

Festival

Berlinale 2016

Festivalplakat Berlinale 2016

Berlin, 11.02. - 21.02.2016

Impressum