TOP OF THE LAKE von Jane Campion

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Ein fast sechsstündiger Film auf der Berlinale, da zuckt man erst mal unwillkürlich zusammen. Zurück aus diesem visuellen Marathon darf ich leicht erschöpft aber auch zufrieden resümieren: Hier hat sich wirklich jede Minute gelohnt.

Jane Campion und Garth Davis erzählen in TOP OF THE LAKE die Geschichte der jungen Polizistin Robin, die in der neuseeländischen Provinz versucht, das Verschwinden eines zwölfjährigen schwangeren Mädchens aufzuklären und die dabei mit schmerzhaften Aspekten der eigenen Vergangenheit konfrontiert wird. Neben einem Wiedertreffen mit der ehemaligen Jugendliebe und der Auseinandersetzung mit der eigenen Familie geht es für Robin schon bald um existenzielle Fragen nach ihrer Identität. Das allein wird schon unglaublich spannend erzählt. Hinzu kommt noch ein wahres Panoptikum an skurrilen Gestalten, mit denen sich die Hauptfigur während ihrer Ermittlungsarbeit auseinandersetzen muss. Vom kriminellen Clan des örtlichen Drogenbosses über eine esoterische Aussteigerkommune für gepeinigte Frauen inklusive weiblichem Guru bis hin zu den eigenen Kollegen bei der Polizei, hier weiß keiner so genau, wem man trauen kann und wer auf welcher Seite steht.

Die Charaktere sind tiefgründig gezeichnet und entziehen sich einfachen Kategorisierungen. Immer wieder nimmt die Handlung einen überraschenden Verlauf, Fährten werden gelegt und führen dann doch nur ins Leere und vieles ist ganz anders, als es auf den ersten Blick erscheint. Die Story von TOP OF THE LAKE entwickelt sich zunächst langsam, entfaltet dann aber einen immer stärkeren Spannungsbogen in dessen Folge vermutlich nahezu jeder Zuschauer gedanklich bei der Auflösung des Falls mitfiebert. Dabei funktioniert der Film aber nicht nur als packende Kriminalstory, mindestens genauso lohnend ist es auch, sich nur auf die innere Entwicklung der einzelnen Figuren zu konzentrieren.

Getragen wird das Ganze von einem phantastischen Schaupielerensembel, allen voran Elisabeth Moss in der Hauptrolle und Peter Mullan als einem ihrer abgründigen Gegenspieler. Jane Campion und Garth Davis finden originelle und atmosphärische Bilder für ihre Erzählung und sie erschaffen inmitten der neuseeländischen Provinz ein faszinierendes Universum, eingebettet in Mythen und Überlieferungen. Über allem liegt ein leicht schwermütiger Flair, immer wieder schwelgt die Kamera in der Landschaft oder aber fokussiert auf die einzelnen Darsteller, die verloren und seltsam klein vor einer überwältigenden Naturkulisse stehen. Durch den gezielten Einsatz von Humor wird zudem erfolgreich verhindert, dass das alles in irgendwelche wabernden Misterygefilde abdriftet. Obwohl als Miniserie fürs Fernsehen produziert, ist TOP OF THE LAKE auch ganz hervorragend für eine große Leinwand im Kino geeignet. Da sich die Handlung stetig weiterentwickelt und ohne störende Cliffhanger oder Wiederholungen auskommt, gerät der Seriencharakter zunehmend in Vergessenheit und es ist ein echter Genuss, die sechs Teile in einem Stück zu sehen.

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Titel

Orignaltitel

Top of the Lake

Credits

Regisseur

Jane Campion

Schauspieler

Holly Hunter

Elisabeth Moss

Peter Mullan

David Wenham

Land

Flagge AustralienAustralien

Flagge NeuseelandNeuseeland

Jahr

2012

Dauer

350 min.

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