LAYLA FOURIE von Pia Marais

„Du sollst nicht Lügen“, so ermahnen Eltern ihre Kinder. Layla (Rayna Campbell) ist alleinerziehende Mutter, lebt mit ihrem Sohn in Johannesburg und bewirbt sich erfolgreich um einen neuen Job: Sie wird für eine Firma arbeiten, die Lügendetektortests durchführt. Das Aufspüren von Lügen wird in Zukunft also zu ihrer Profession. Doch bevor sie überhaupt bei ihrem ersten Mandantenangekommen ist, verschuldet sie bei einem Unfall den Tod eines Mannes und steht nun selbst vor der Entscheidung: Sage ich die Wahrheit oder verschweige sie? Pia Marais inszeniert ihr Drama um Aufrichtigkeit und Lüge und die Folgen von moralischem oder unmoralischem Handeln als klassischen Thriller.

Für Layla Fourie ist der Aufstieg von der Barbedienung zur gut bezahlten Fachkraft in der Polygraphdetektei die große Chance. Deswegen lässt sie sich auch nicht davon entmutigen, dass ihr Ex-Mann den achtjährigen Kane nicht aufnehmen will, als sie ganz kurzfristig den ersten Kunden übernehmen muss. Sie nimmt den Jungen einfach mit in das einige Fahrstunden entfernten Luxus-Casino. Dann gibt ihr das Schicksal eine ganz miese Karte. Das Drehbuch entwickelt aus dem Dilemma, das daraus entsteht, einen Plot, der die Optionen von Layla immer weiter einschränkt. Der Druck erhöht sich, die Notwendigkeit zu schweigen wird immer existentieller und in dieses ganze Lügengeflecht ist auch der kleine Kane verstrickt.

Layla ist fest entschlossen, sich von dem tödlichen Unfall nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Sie will ihren Auftrag, Stellenbewerber für das Spielcasino mit dem Lügendetektor zu testen, ausführen – koste es, was es wolle. Dabei lernt Sie auch den Bewerber Pienaar (August Diehl) näher kennen. Sie ahnt aber nicht, wie eng dieser mit dem Unfall verbunden ist.

Mit seiner durchaus spannend inszenierten aber an einigen Stellen zu konstruierten Handlung macht der Thriller von Pia Marais eher eine Volte zu viel als zu wenig. Was aber ungeheuer überzeugend gelingt ist die Einbettung des Films in die gesellschaftliche Situation im heutigen Südafrika. Denn die Wurzel des Unglücks, das Laylas Leben zu zerstören droht, liegt in der Angst und dem Misstrauen, das unterschwellig alle Beziehungen der Menschen belastet. Die Bedrohung ist immer spürbar: Menschen schützen ihre Häuser mit Gittern. Egal wo Layla sich bewegt, sie macht sich immer Sorgen um ihre Sicherheit und die ihres Sohnes. Diese Verunsicherung, ja fast Paranoia, einer ganzen Gesellschaft, macht der Film mit seiner dichten Atmosphäre spürbar. Es beginnt mit dem Misstrauen zwischen schwarzen und weißen Südafrikanern: Layla ist schwarz Pienaar weiß, allein das scheint ihre Beziehung zu belasten. Diese gesellschaftliche Ebene macht LAYLA FOURIE besonders. Der Film macht so deutlich: Die Frage nach Wahrhaftigkeit und Verantwortung stellt sich nicht nur dem Einzelnen in der Extremsituation eines Unglücks, sondern auch für eine Gesellschaft als Ganzes, in der Menschen sicher und ohne krankhaften Argwohn leben wollen.

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Titel

Orignaltitel

Layla Fourie

Credits

Regisseur

Pia Marais

Schauspieler

Rayna Campbell

August Diehl

Rapule Hendricks

Jahr

2013

Dauer

105 min.

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