E-LOVE von Anne Villacèque

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E-LOVE beginnt zunächst wie ein herkömmliches Beziehungsdrama: Philosophieprofessorin Paule wird trotz vermeintlichen Eheglücks kurz vor ihrem 50igsten Geburstag von Ihrem Mann verlassen, der zukünftig lieber mit seiner weitaus jüngeren Freundin zusammenleben möchte. Anstatt nun aber den depressiven Leidensweg der Protagonistin zu begleiten, wählt E-LOVE eine andere und überraschende Weiterentwicklung der Story: Die Verlassene meldet sich schon kurz nach der Trennung auf einer Internet-Dating-Plattform mit dem wohlklingenden Namen "Soulmates" an und trifft sich bald immer häufiger mit verschiedensten Männern. Dabei steht für sie aber weniger die Suche nach Seelenverwandten im Vordergrund sondern Paule ist zunehmend fasziniert von den ungeahnten Möglichkeiten, mit ständig wechselnden Partnern ihren sexuellen Horizont zu erweitern.

Die unverkrampfte und humorvolle Art, mit der die verschiedenen Sex-Kontakte von Paule geschildert werden, ist ein großer Pluspunkt des Films, der immer wieder zwischen Drama und Komödie hin und her pendelt. Neben lustvollen Erfahrungen erlebt Paule auf ihrer Suche aber auch viele demütigende Situationen und gerät an ihre Grenzen. Sie muss erkennen, dass gänzlich unkomplizierte Sexabenteuer auch im Internet nicht zu haben sind und dass die potentiellen Sexualpartner immer auch gleichzeitig Menschen mit einem ganz spezifischen biografischen Background und daraus resultierenden Erwartungshaltungen sind.

Auch in formaler Hinsicht bietet E-LOVE einige Überraschungen. Durch das geschickt eingesetzte Spiel mit verschiedenen Realitätsebenen weiß man nie ganz genau was Traum ist und was Wirklichkeit. Der künstliche Schleier, der über allem liegt, wird weiter verstärkt durch die wiederkehrende Untermalung der Handlung mit Opernmusik von Vivaldi. Genauso wie die Kontaktsuchenden im Internet dazu neigen, ihre wahre Identität durch Phantasienamen zu verschleiern und die Angaben zu Alter und Aussehen zu ihren Gunsten zu verbessern, genauso verweigert sich auch die Handlung von E-LOVE einer klaren Einordnung. Die allgegenwärtige Frage danach, wo Realität endet und Fiction beginnt, wird so nicht nur auf der inhaltlichen Ebene sondern auch durch den gekonnten Einsatz formaler Mittel thematisiert und es ist daher nur konsequent, dass die Heldin erst nach dem Besuch einer Kinovorstellung doch noch auf eine Art Seelenverwandten trifft.


Kommentare ( 1 )

Sehr gut.

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Titel

Orignaltitel

E-Love

Credits

Regisseur

Anne Villacèque

Schauspieler

Carlo Brandt

Antoine Chappey

Susanne Consigny

Carole Franck

Alain Libolt

Serge Renko

Land

Flagge FrankreichFrankreich

Jahr

2011

Dauer

97 min.

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