"Na Putu" von Jasmila Žbanić (II)

Was passiert, wenn der Mann, den du liebst, plötzlich zum fundamentalistischen Moslem mutiert? Wenn die Nähe und Gemeinsamkeit, die bislang die Beziehung zu einer glücklichen machte, in Frage gestellt wird von anderen Wertvorstellungen, einer anderen Art zu denken und die Welt zu beurteilen? Jasmila Žbanić, vor drei Jahren Gewinnerin des Goldenen Bären für „Grbavica – Esmas Geheimnis“, verortet diese Geschichte in Bosnien und erzählt sie aus der Perspektive der Frau. Entstanden ist ein Film, der klar Stellung bezieht und starke Momente hat, alles in allem aber erstaunlich brav daherkommt.


Um den Kontrast der beiden Lebenseinstellungen „weltlich“ und „streng religiös“ herauszuarbeiten, zeigt die Regisseurin, wie sich der Umgang der Paares miteinander durch die Wandlung des Mannes konkret verändert. Anfangs sehen wir, wie die Stewardess Luna ihren Körper mit der Handy-Kamera abtastet – ein lustvoller, verspielter und leichter Umgang mit dem eigenen Körper. Sie und der Fluglotse Amar haben eine – wie es scheint – harmonische Beziehung mit viel Nähe, viel Lachen und viel Sex. Allerdings hat Amar ein Alkoholproblem und wird vom Dienst suspendiert. In dieser Lebenskrise findet er erst einen Job und dann Halt bei den fundamentalistischen Wahabiten. Er fängt an zu beten, lässt sich den Bart stehen, will auf einmal keinen Sex mehr mit Luna (weil der nach seinen Glaubensvorstellungen außerehelich wäre, da die beiden keine muslimische Hochzeit hatten), er findet plötzlich die Vielehe entschuldbar und vertritt auf einer Familienfeier die Meinung, die Moslems in Bosnien hätten im Krieg deshalb so sehr gelitten, weil sie von Allah für ihre laxe Religionsausübung (sprich: Gottlosigkeit) bestraft worden seien.

Žbanić setzt Lust, Freude und Körperbetontheit (vorher) gegen Askese, Verhüllung und Verschwörungstheorien (nachher). Während Luna anfangs eher nur irritiert ist, wehrt sie sich immer stärker dagegen, den Amar, den sie liebt, zu verlieren. Sie kämpft um ihn, bleibt sich aber dabei selbst streu. Das ist alles schön und gut und sicher auch richtig, wirkt in der Umsetzung aber leider bisweilen wie aus dem Lehrbuch. Allzu vorhersehbar ist die Entwicklung der Geschichte, die Aktionen und Reaktionen der Figuren. Ein paar wundervolle Szenen und vor allem die herausragenden Schauspieler Zrinka Cvitešic (Luna) und Leon Lučev (Amar) machen den Film trotzdem sehenswert – einen vergleichbaren Sog wie „Grabica“ entfaltet er jedoch nicht.

Die Regisseurin mag ihre Figuren, man meint fast, sie will ihnen partout nicht wirklich wehtun, und deshalb wird im Film fast schon verkrampft gezeigt, dass alle einander zu verstehen suchen. Amar ist, wie Luna auch, vom Krieg traumatisiert. „Na Putu“ zeigt – und das ist eine große Stärke des Films – dass verschiedene Menschen ganz unterschiedlich auf Traumata reagieren. Und dass am Ende immer eine Entscheidung steht.

Kommentare ( 1 )

Hoppla! Was ist das denn für eine tolle Schauspielerin. Ich finde, wir sollten das "Goldene Reh" verleihen.

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Titel

Orignaltitel

Na Putu

Englischer Titel

On The Path

Credits

Regisseur

Jasmila Zbanic

Schauspieler

Ermin Bravo

Zrinka Cvitesic

Mirjana Karanovic

Leon Lucev

Land

Flagge Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge KroatienKroatien

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2010

Dauer

100 min.

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