Renn, wenn Du kannst von Dietrich Brüggemann

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Freundschaft, Liebe, Sehnsucht: Gefühle ohne Soße

Ein deutscher Film über die Dreiecksbeziehung zwischen einem Rollstuhlfahrer, einem Zivi und einer Cellistin? Das könnte schlimm werden - Gefühlssoße, die zäh von der Leinwand tropft. Renn, wenn Du kannst ist zum Glück anders. Querschnitter Ben (Robert Gwisdek) ist ein erfrischend zynisches Arschloch, fährt im auf Handgas umgebauten Ami-Oldtimer durch die Gegend und teilt verbal in alle Richtungen aus. Christian (Jacob Matschenz) ist sein neuer Zivi und der erste, der sich vom misantrophischen Ben nicht terrorisieren lässt. Er zeigt Ben ziemlich deutlich, dass man nur mit Ironie im Leben auch nicht wesentlich weiterkommt. Annika (Anna Brüggemann), die von Lampenfieber geplagte Cellistin, sorgt für Gefühlsaufwallungen und Komplikationen.

Dreiecksgeschichte wurden schon dutzendfach auf die Leinwand gebracht, aber das Drehbuch von Dietrich und Anna Brüggemann gewinnt einer gewöhnlichen Konstellation ungewöhnliche Seiten ab. Die Dialoge haben Biss und die Figuren entsprechen eben nicht den Klischees, sind exzentrisch und doch glaubwürdig, weil das Schauspielertrio hervorragend zusammen funktioniert. Renn, wenn Du kannst schafft das eher seltene Kunststück eine Geschichte über Freundschaft, Liebe und Sehnsucht zu erzählen, ohne ins Sentimentale oder Peinliche abzudriften. Der Komödie setzt sich dabei mit erstaunlich ernsten Themen auseinander, ohne ihren Witz zu verlieren oder sich belehrend oder mitleidsheischend im Ton zu vergreifen: Was passiert, wenn man die eigene Beziehungsunfähigkeit zur herausragenden Charaktereigenschaft erklärt? Kann man das durchhalten und was hat ein Rollstuhl damit zu tun? Und wie sieht es eigentlich mit den Träumen und Plänen aus, die sich jeder für sein Leben so zusammenspinnt?
Dietrich und Anna Brüggemanns Film gibt auf diese Fragen überraschende Antworten. Die beiden haben sogar die Chuzpe, die Zuschauer mit einer pseudokitschigen Volte zu erschrecken, dazu will ich hier nicht mehr verraten.

Kommentare ( 2 )

"ein erfrischend zynisches arschloch"...so habe ich es noch nie gesehen ; )

bin seit 38 jahren halswirbelgelähmt........seit 23 verheiratet und berufstätig........ob man sein leben im griff hat ....ist unabhängig von behinderungen......der film untertellt behinderten zu blöd für erfüllten sex zu sein........schlimm.....für einen starken rolli

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Titel

Orignaltitel

Renn, wenn du kannst

Credits

Regisseur

Dietrich Brüggemann

Schauspieler

Anna Brüggemann

Robert Gwisdek

Jacob Matschenz

Drehbuch

Land

Flagge DeutschlandDeutschland

Jahr

2009

Dauer

112 min.

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