Na Putu von Jasmila Zbanic

Amar und Luna sind ein schönes, sehr verliebtes junges Paar, das in Sarajewo lebt. Sie arbeitet als Flugbegleiterin, er als Fluglotse. Sie scheinen ihr Leben und ihre Liebe intensiv zu genießen und wünschen sich ein gemeinsames Kind. Erst als Amar von seinem Job suspendiert wird, weil er während der Arbeit Alkohol getrunken hat, beginnt die heile Fassade zu bröckeln.

Amar wirkt haltlos – die Selbsthilfegruppe meidet er, stattdessen trinkt er weiter. Bis er einem alten Kriegsgefährten begegnet, der inzwischen Wahabit geworden ist. Er bietet Amar einen Job in einem von ihm geführten Camp an, und gegen Lunas Widerstand fährt Amar in das Lager. Als Luna ihn dort besucht, ist ihr alles fremd; die verschleierten Frauen, die Kritik ihrer Mitfahrerin am „westlichen“ Lebenstil, die strikte Trennung der Geschlechter. Amar dagegen scheint beglückt in dieser Welt, die bei allen Regeln und Gesetzen auch etwas Friedliches und Sicheres ausstrahlt, an einem schönen See in den Bergen Bosniens. Und es ist diese Betrachtungsweise, die den Film auszeichnet – hier wird nichts und niemand einfach verurteilt, es geht vielmehr darum zu verstehen, warum Amar sich hingezogen fühlt zu dem Leben einer so strengen Glaubensrichtung. Luna versucht genau dies: Amar zu verstehen. Aber die beiden schaffen es nicht, Nähe aufzubauen und sich einander wirklich zu öffnen. Während Amar sich zunehmend selbstbewußt und stark fühlt in seinem neu gefundenen Glauben, ist Luna empört über seinen Rigorismus. Als sie überraschend schwanger wird, trennt sie sich von Amar.

„Na putu“ erzählt eine Liebesgeschichte, ebenso wie eine Kriegsgeschichte, denn beide, Amar und Luna, sind tief gezeichnet vom Tod ihrer Eltern und den Erfahrungen des Krieges. Doch während Luna es geschafft hat, sich ein eigenes Leben nach ihren Vorstellungen aufzubauen und darin Erfüllung findet, hat Amar dies für sich nicht erreicht und leidet an seiner Haltlosigkeit – so sehr, dass er den radikalen Wahabismus als Rettung erkennt. Und so ist der Film auch eine sehr persönliche und unaufgeregte Studie darüber, was einen Menschen in den Extremismus zieht. Amar wird dabei nie verurteilt; man wünscht ihm vielmehr die Kraft, zu sich selbst zu finden und die Ketten aus archaischen Glaubenssätzen zu sprengen, die ihn am Ende des Filmes festhalten.

Kommentare ( 1 )

Sehe ich auch so wie die Rezensentin. Beeindruckender Film, der ruhig und unaufgeregt davon erzählt, welche Mechanismen Menschen für extreme Glaubensrichtungen anfällig machen und wie sich so eine Neuorientierung dann in alle zwischenmenschlichen Beziehungen hinein auswirkt.

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Titel

Orignaltitel

Na Putu

Englischer Titel

On The Path

Credits

Regisseur

Jasmila Zbanic

Schauspieler

Ermin Bravo

Zrinka Cvitesic

Mirjana Karanovic

Leon Lucev

Land

Flagge Bosnien und HerzegowinaBosnien und Herzegowina

Flagge DeutschlandDeutschland

Flagge KroatienKroatien

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2010

Dauer

100 min.

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