Blutsfreundschaft von Peter Kern


Handlung? Ästhetik?? Haltung???


In Blutsfreundschaft geht es um all dieses: Jugendliche mit Familienproblemen, Mord, Mut, schwule Bohemians, rechte Volksverführer, Transsexuelle, Skinheads, Sozialarbeiter, Konzentrationslager, das dumme Volk, Gewalt, Jungenliebe, Gruppendruck, Hitlerjugend, Schuld, Tod, Dekadenz, Geschlechtsumwandlung, Sühne, Ausländerhass, Liebe, Angst, Widerstand gegen Rechts.

In Peter Kerns Film bringt der junge Axel (Harry Lampl), kaum haben ihn die Skins rekrutiert, aus Versehen einen Sozialarbeiter um, um dann ebenfalls aus Versehen von dem alten, schwulen Wäschereibesitzer Tritzinsky (Helmut Berger) vorerst gerettet zu werden. Denn Axel löst bei Tritzinsky Schuldgefühle aus, weil er ihn an einen Freund aus HJ-Zeiten erinnert, den der alte Mann in der Nazizeit nicht nur geliebt, sondern auch an die Gestapo verraten hat. Und Axel ist jetzt in einem Loyalitätskonflikt: Er möchte von den Skins akzeptiert werden, empfindet aber auch Freundschaft für den Wäschereibesitzer, weil der der Erste ist, der sich wirklich um ihn kümmert.
Aus einer eigentlich einfachen Geschichte „Jugendlicher mit Problemen gerät in die Fänge von Skinheads und bekommt noch größere Probleme“ kreiert Peter Kern einen Plot, der einem den Mund offen stehen lässt und garniert ihn mit Bildern, die zwischen brutaler Gewalt, echter Zärtlichkeit und Übelkeit erregendem Nazikitsch hin- und hertaumeln. Genauso unstet wie die Handlung und die Ästhetik ist die Haltung des Regisseurs: Ist das Satire? Ist das Sozialkritik? Ist das die Verarschung einer dekadenten, am Sex blöde gewordenen Künstlerszene oder ist das ein mit einem breiten Grinsen gesetzter Faustschlag in die Fresse der österreichischen Nazis? Ich habe keine Ahnung. Außer Ratlosigkeit bleibt nur die Anerkennung für die gute Leistung von Harry Lampl als Axel.

Kommentare ( 3 )

Servus, Töffe,
guter Artikel zu einem offenbar zwiespältigen Film. Ich freu mich auf Sex & Drugs & Rock & Roll am Samstag.
Grüße
Lilli

gute Schauspieler in einer Story, der es an Konsequenz und Mut fehlt. Dass das so ist, merkt man schon nach 15 Minuten, wenn Axel den Sozialarbeiter eben nur aus Versehen ersticht...
Kommt aber noch schlimmer: Das Ende, wenn die Nazis sich plötzlich gegenüber einer kleinen Gruppe Ausländer auf der Straße geschlagen geben und abziehen- ein Schluss den keiner glaubt und den der Film auch nicht braucht.

Hi Lilli!
Prima, dass Du wieder dabei bist und danke für das unmoralische Angebot ;-)
Ein Hinweis an unsere Jugendlichen Leser: Drugs sind schlecht für Eure Gesundheit. Der Festivalblog kommt selbstverständlich ohne drugs zustande. Prost!

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Titel

Orignaltitel

Blutsfreundschaft

Englischer Titel

Initiation

Credits

Regisseur

Peter Kern

Schauspieler

Helmut Berger

Melanie Kretschmann

Harry Lampl

Oliver Rosskopf

Manuel Rubey

Heribert Sasse

Gregor Seberg

Matthias Franz Stein

Michael Steinocher

Land

Flagge ÖsterreichÖsterreich

Jahr

2009

Dauer

92 min.

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