"The Messenger" von Oren Moverman

"The Messenger“ ist ein Film über den Krieg, in dem kein Schuss fällt, kein Panzer fährt, keine Rakete von einem Jet abgeschossen wird. Regisseur Oren Moverman lässt die spektakulären Hollywoodbilder beiseite und beschäftigt sich mit dem was wichtig ist – mit dem was der Krieg anrichtet: dem Tod, der Verzweiflung der zurückgelassenen Angehörigen und dem Kampf der aus dem Krieg Zurückgekehrten um ein normales Leben.

Sergeant Will Montgomery (Ben Foster) ist ein Held, das erzählen ihm jedenfalls seine Vorgesetzten: Er wurde im Irak schwer verwundet und hat vergeblich sein Leben riskiert, um einen anderen Soldaten zu retten. Zurück in den USA hat er noch drei Monate Militärdienst abzuleisten, als er zu einer Sonderabteilung delegiert wird, deren einzige Aufgabe es ist, Angehörigen die Nachricht zu übermitteln, dass ihre Tochter, ihr Sohn, ihr Mann oder ihre Frau im Krieg getötet wurde. Mit den neuen Herausforderungen soll ihn Tony Stone (Woody Harrelson) vertraut machen, der schon einige Zeit in der Sonderanteilung arbeitet. Stone erledigt seine Pflicht scheinbar unbewegt wie ein Fels, die Dienstanweisung ist seine Bibel, er geht vor wie nach einem Skript. Trotzdem sind die Überbringer der schlechten Nachrichten vielen Anfeindungen ausgesetzt: Sie werden beschimpft, bespuckt und sogar angegriffen.

Für Montgomery ist das – wie für den Zuschauer – nur schwer zu ertragen. Er macht zum ersten Mal etwas, für das er nicht ausgebildet wurde. Die Trauer, mit der er täglich konfrontiert wird, verstärkt seine eigenen Zweifel am Krieg, an der Armee und an seiner eigenen Lebenssituation nur noch. Er ist wie eine Feder in einem Uhrwerk, die immer stärker überdreht wird. Die Durchhalteparolen von Stone "die Army ist die beste Familie, die man haben kann“ zerren immer mehr an seinen Nerven. Trotzdem entwickelt sich zwischen den beiden Männern eine Freundschaft.

"The Messenger“ ist die erste Regiearbeit von Oren Moverman, der zuvor als Drehbuchautor unter anderem gemeinsam mit Todd Haynes "I’m not there“ geschrieben hat. Moverman bleibt ganz dicht an seinen Hauptfiguren und verzichtet in der Geschichte auf jede Art von Hollywood-Schnickschnack. Es gibt keine Rückblenden auf Kriegserfahrungen, keine Action... Es gibt Emotionen aber keine kitschige Sentimentalität. Mutig von Overman ist es besonders, das Duo Montgomery/Stone nicht zu Helden aufzublasen. Die beiden Soldaten versuchen nur ihren Job zu machen und das ist schwer genug. Am Ende gibt es so etwas Ähnliches wie Hoffnung, aber der Film vermeidet auch da das Klischee.

"The Messenger“ zeigt eine Arena des Krieges, in der mit Heroismus nichts zu gewinnen ist. Es gibt überhaupt keine Gewinner mehr. Es gibt nur noch den persönlichen Verlust und die Hoffnung, das letzte an Kraft aufzuwenden, um ein Rest an Würde zu bewahren – das gelingt nicht immer. "The Messenger“ ist kein angenehmer Film, sondern ein guter Film. Im Friedrichstadtpalast war es nach dem letzten Bild drei Sekunden still. Dann kam ein kurzer Applaus, dann war es wieder still bis zu einem weiteren kurzen Applaus nach dem Ende des Abspanns. Auch beim Rausgehen war es ruhiger als sonst. Ein gutes Zeichen.

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Titel

Orignaltitel

The Messenger

Credits

Regisseur

Oren Moverman

Schauspieler

Ben Foster

Woody Harrelson

Jena Malone

Drehbuch

Land

Flagge Vereinigte StaatenVereinigte Staaten

Jahr

2009

Dauer

102 min.

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