Liebe im Edo-Zeitalter

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"Bushi no Ichibun" ("Love and Honore) von Yoji Yamada

Jeden Tag das beste Essen vorgesetzt zu bekommen, ein Traum? Für Shinnojo ist es real, auch wenn er diesem Umstand nichts abgewinnen kann. Der Samurai ist am Hof des Clanfürsten als Vorkoster angestellt. Vier Samurai sitzen in einem Raum hinter der Küche. Vier Schälchen werden hereingetragen. Auf Kommando müssen die Samurai probieren. Wenn sie nach einer Minute noch nicht umgefallen sind, war das Essen nicht vergiftet. Dann darf es zu seiner Lordschaft getragen werden.

Gerade an dem Tag, an dem sich Shinnojo überlegt hat, ob er nicht lieber Kinder im Schwertkampf unterrichten soll, erwischt es ihn. Zwar war es kein Gift, sondern „nur“ eine unreife Muschel, aber beinahe kostet ihn diese das Leben. Obwohl er sich nach schwerer Krankheit wieder erholt, kann er nicht mehr seine Stellung am Hof antreten. Die Vergiftung hat ihm sein Augenlicht genommen. Es droht der Abstieg in die Armut. In dieser Ausnahmesituation zeigt sich, wie stark die Bande sind, die ihn und seine Frau verbinden. Kayo ist zu allem bereit, um ihren Mann vor dem Ehrverlust zu bewahren.

„Love and Honor“ ist der dritte und letzte Teil von Yoji Yamadas Samurai-Triologie nach einer Vorlage von Shushei Fujisawa. Wie in den Vorgängerfilmen „Twilight Samurai“ und „Hidden Blade“ interessiert Yamada an der Samurai-Kaste nicht das Ritual des Kampfes, sondern der Alltag des Einzelnen, seine Hoffnungen, Probleme und Gewissensfragen. Er schildert das Leben des Samurai wie ein poetisches Lehrstück. Die Sympathieträger verfügen über eine fast märchenhafte Reinheit und Aufrichtigkeit. Das Ideal der unbedingten Liebe, die Liebe bis in den Tod, ist selten so glaubwürdig dargestellt worden. Alle Charaktere sind meisterhaft durchgezeichnet und so lebendig, als gäbe es nicht diesen Realitätsunterschied zwischen Leinwand und Zuschauerraum. Man kann es sehr gut nachvollziehen, wenn die Nebendarstellerin im Film Momoi Kaori, die gleichzeitig auch Regisseurin des Forum Films „Faces of a Fig Tree“ ist, sagt, für die ganze Filmcrew wäre der 75-jährige Regisseur Yoji Yamada ihr großer Meister.

Es ist abzusehen, das „Love and Honor“ von der europäischen Kritik sehr viel mehr Anerkennung bekommen wird, als vom europäischen Publikum. Denn während der eine Teil des Filmtitels, „Love“ eine universelle Kraft hat und überall auf der Welt ähnlich verstanden wird, ist „Honor“ etwas sehr kulturspezifisches. Das „westliche“ Publikum wird daher nicht mit jeder der moralischen Schlussfolgerungen konform gehen. Das ist bei asiatischen Filmen ein immer wiederkehrender Wahrnehmungsbrennpunkt, aber wer die Vielfalt des Kulturgutes Film gegen die kommerzialisierte Vereinheitlichung der filmischen Erzählformen verteidigt, sollte sehr glücklich sein über diesen großartigen Film von Yoji Yamada.

Kommentare ( 1 )

Was der Titel verspricht, hält der Film. Darum geht's. Es ist ein Samurai Film mit nur einem Kampf, viel Humor und viel Gefühl zwischen den zackigen Bewegungen. Und was die Frage der Ehre angeht, finde ich es gar nicht so kulturpezifisch, sondern in diesem Film nachvollziehbar und gar nicht - wie soll man sagen - altbacken. Es ist ein historischer Film sicher, aber es gab auch bei uns immer Elitesoldaten, Soldateneid bis in den Tod auf König und Vaterland bis vor ein paar Jahrzehnten (und heute wird immer noch geschworen), es gab Duelle um die Ehre oder um Frauen. Sooooo weit weg ist das also gar nicht, egal was man von der Sache an sich hält.

Eine schöne Geschichte ist dieser Film, um große Liebe und Tragik, um Vergebung und Vergessen und, ja um die Ehre, die das Individuum, den Mann, den Samurai, die Familie zusammenhält. Bei uns nennt man es heute Identität oder die "Unverletzlichkeit der Menschenwürde" - nur dass die Anlässe, sich gegenseitig abzumurksen zum Glück weniger geworden sind. Hab die ersten Teile nicht gesehen, werde es aber sicher nachholen, nach diesem grandiosen Einstieg.

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Titel

Orignaltitel

Bushi no Ichibun

Englischer Titel

Love And Honor

Credits

Regisseur

Yoji Yamada

Schauspieler

Mitsugoro Bando

Rei Dan

Takuya Kimura

Kaori Momoi

Land

Flagge JapanJapan

Jahr

2006

Dauer

121 min.

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