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15.02.05
19:17
Perspektive Deutsches Kino: Happy End - von Sebastian Strasser
Zwiespältig: netter aber klischeehafter Coming-of-Age-Kurzfilm

Deutschland 2004, 30 min Regie: Sebastian Strasser * Drehbuch: Sebastiab Strasser, Jürgen Wierners *
Kamera: Julian Hohndorf * Schnitt: Peer-ArneSveistrup * Darsteller: Matthias Schweighöfer, Katharin Schüttler, Adela Bierich, Alexander Seidel
Der Junge ohne Namen zählt. Schritte, Pommes Frites, Regentropfen, Klopapier, einfach alles. Und nervt damit seine Eltern gewaltig. Erst als er Lila kennenlernt (beide Kinderschauspieler sind wunderbar "normal" gecasted und spielen überzeugend) trifft er jemanden, der ihn versteht. Eine zarte Liebesgeschichte entspinnt sich, die auch einen Erzählsprung von ca. 10 Jahren überdauert. Die beiden Teenager sind immernoch zusammen, auch wenn sie sich noch nie geküsst haben. Erst als Lila wegzieht verändert sich für den Jungen etwas. Aber er hat noch keine Lust erwachsen zu werden.
Der Film lebt von der gezielten Gegenüberstellung der spießigen-heilen, norddeutschen Vorstadtwelt der Eltern und den ebenso zwanghaften Handlungen des Jungen - wobei die letzteren natürlich viel positiver bewertet werden. Während die Eltern Ketterauchen, Briefmarken sammeln oder sich zwanghaft räuspern zählt der Junge eben, und zwar alles, und ohne dass dies akzeptiert würde. Leider bleibt die Gegenüberstellung aber allzu Klischeehaft und die bemüht bedeutungsvolle Erzählerstimme bringt ebenfalls nicht die Leichtigkeit, auf die der ansonsten ruhig erzählte Film eigentlich abzielt. So ist das Ergebnis zwiespältig.
Autor: dominik 15.02.05 19:17 | Kommentare (1)
18:54
Perspektive Deutsches Kino: Blackout - von Maximilian Erlenwein

Deutschland 2005 Regie: Maximilian Erlenwein * Drehbuch: Maximilian Erlenwein *
Kamera: The Chau Ngo * Schnitt: Uwe Zimmer * Darsteller: Fabian Hinrichs, Carsten Ludwig, Julia Brendler
Stark und intensiv
Der 30minütige Film ist die Arbeit für das dritte Studienjahr von Maximilian Erlenwein an der dffb hier in Berlin und mag vor allem durch sein spannendes Drehbuch und seine Darsteller zu überzeugen (einzige Ausnahme: Carsten Ludwig, dessen Marius oft zu dick aufgetragen wirkt).
Tom Schulze kommt per Bus in Berlin an, irgendwie auch zurück, aber die meisten seiner Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen und seine Freundin setzt ihn vor die Tür. Irgend etwas schreckliches ist passiert, aber Tom kann sich nicht wirklich daran erinnern.
Nach und nach gewinnt er seine Freunde, Freundin und ein normales Leben zurück, er ist ein charmanter, netter Kerl. Aber die Ruhe ist trügerisch.
Inspiriert von persönlichen Erfahrungen mit Freunden, die leichte Agressivitätsprobleme haben, hat der Regisseur selbst das Drehbuch geschrieben. Fabian Hinrichs - die beiden wohnen seit den Vorarbeiten des Films sogar zusammen in einer WG und der auf der Berlinale auch die Hauptrolle in "Sophie Scholl - die letzten Tage" spielt - erweist sich dabei als Glücksgriff für die Besetzung der Hauptrolle. Superb spielt er den, vielleicht nicht ganz untypischen Berliner Mitdreißiger, dessen Unfähigkeit erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernhemen er glaubwürding verkörpert.
Es gab sehr viel Applaus zum Film und Fragen nach der Motivation der Hauptfigu etc., die der sympathische Maximilian Erlenwein nicht alle beantworten konnte. Braucht er auch nicht: sein Film spricht für sich selbst.
Autor: dominik 15.02.05 18:54 | Kommentare (0)
12:02
Feten und gefetet werden
Kleines Fernsehspiel/ großes Gedränge
Der Mann schleicht durch den Schnee wie ein Schwarzmärktler in „der dritte Mann“. Seine Ware: Eintrittskarten für den Empfang des „ZDF kleines Fernsehspiel“. Ich frage, ob er auch Karten für das WM-Endspiel hat. „Das ist das WM-Endspiel, Mann!!“ raunt er mir zu.
Wer sich nicht für Einladungen zu den etlichen Partys und Empfängen interessiert, der interessiert sich auch nicht für Geld. Denn diese Einladungen, Platzierungen auf Gästelisten und „Ich kenne jemanden der jemanden kennt, der schon drin ist“-Informationen sind neben Filmen im Berlinale Programm an denen man beteiligt ist und gottgegebenen gutem Aussehen, die einzige handelbare Währung des Festivals und damit des deutschen Kinos. Oder einfacher: Wer sich nicht dafür interessiert, hat keine Einladung. Wer sich nicht dafür interessiert, muss Filme gucken.
Natürlich sind diese Veranstaltungen in ihrer Großartigkeit durchaus zu übertreffen. Aber es gibt üppig zu essen, ebenso zu trinken, es gibt Gedränge, Lärm und man trifft immer jemanden, den man kennt, der jemanden kennt, der einem dann vorgestellt wird. Dann hört man, was andere gerade für ein Projekt ins Leben rufen (an dem man nie nie nie teilhaben wird) oder warum der und der dies und das nicht kann, ein Arsch ist, unsympathisch, unliebenswert etc (durchaus zu übertreffen). Denn das Filmgeschäft unterscheidet sich von anderen, durch eine manchmal schlicht ordinäre Offenheit.
Noch beliebter in diesem riesigen „Wir über uns“ ist allerdings das schlichte Vergleichen der einzelnen Veranstaltungen. „Warst du auch bei hmhmhm??“ – wer so fragt, fragt rhetorisch und erzählt dann, was man verpasst hat.
Ich hoffe nicht falsch verstanden zu werden. Diese feucht-fröhliche Nullkommunikation hat letztlich eine feste betriebswirtschaftliche Funktion im Business. Denn erst, wenn der Motor durch Sponsorenbier und –wein einigermaßen auf Touren ist, werden neue Projekte ins Leben gerufen. So etwas passiert sonst nur bei Künstlers im Schreibstübchen (werden nie realisiert), an Filmhochschulen (will keiner sehen) und eben auf Partys (klassische Ursprungsmythos-Anekdote, die man dann bei Kerner oder Beckmann zu hören bekommt).
Das kleine Fernsehspiel des ZDF ist ein solcher Ort für Ursprungsmythen. Darum verzeiht man den Veranstaltern, dass sie nicht ein paar öffentlich-rechtliche Groschen mehr in den Veranstaltungsort investiert haben, dass es Bier nur in schwer zugänglichen Ecken gibt, als handele es sich um Bückware und das Buffet in einem Durchgang aufgebaut ist. Denn das alles gehört dann später zum Mythos. Sollte ich zum Beispiel eine Karte für das WM-Endspiel Anfang Juni 2006 in Berlin bekommen, werde ich in meinen Ursprungsmythos die Fete des kleinen Fernsehspiels einflechten und versuchen im Jahr darauf, ein entsprechendes Filmprojekt ins Leben zu rufen.
So, ich muss dann auch los.
Autor: jens 15.02.05 12:02 | Kommentare (2)
1:07
Klatsch, Tratsch, Promis - Die Bunte
Na klar, Berlinale ist natürlich auch Promi-Time. Christian war mit Keanu Reeves im Kino, in meinem Nachbarkino saß Bruce Willis etc. Auch solche Geschichte gehören dazu. Wer topaktuell informiert sein möchte kann vor den Berlinalekinos am Potsdamer Platz die kostenlose Hochglanzausgabe von "Bunte-night" abgreifen. Mit dem "Roben-TÜV", sinnlosen Infos wer mit wem wann wo und vor allem: was er bzw. sie dabei anhatte.
Für die ganz harten Promifans gibts die Bunte-night auch als PDF zum Download und Ausdruck, und zwar hier.
Autor: dominik 15.02.05 01:07 | Kommentare (0)
0:44
Panorama: Massaker von Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theissen
Deutschland, Libanon, Schweiz 2004 * Regie: Monika Borgmann, Lokman Slim, Hermann Theissen

Bilder, die der Film nicht zeigt: Palästinensische Überlebende in Shatila, Südlibanon 1982
Hehre Ziele, leerer Film: Narrative der Gewalt in einer Dokumentation ohne Struktur
Der Inhalt der Dokumentation „Massaker“ lässt sich erschreckend knapp zusammenfassen: Einige junge Männer berichten über ihre brutalen Taten während des Massakers an Palästinensern im Libanon 1982. Punkt.
„Sabra und Shatila“, der Ort des Verbrechens steht für die entfesselte Brutalität des Bürgerkriegs und ein furchtbares Verbrechen an den Plästinensern, dass mit Billigung der israelischen Besatzungsmacht verübt wurde. In den letzten Jahren stand vor allem die Rolle des damaligen Verteidigungsministers Ariel Sharon, dem eine israelische Untersuchungkommission „persönliche Verantwortung“ für das Verbrechen bescheinigte, im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung. Die Dokumentation beschränkt sich auf die Erzählungen von ehemaligen Angehörigen der „Kataib“ (Phalanx), der christlichen Milizen unter Kommando Pierre Gamayels. Nach der Ermordung Gamayels richten diese Milizen in den Palästinenserlagern im Südlibanon ein Blutbad an, das selbst aus dem Wahnsinn des libanesischen Bürgerkries heraussticht. Mindestens mehrere hundert Palästinenser, darunter Alte, Frauen und Kinder wurden von den bis an die Zähne bewaffneten Kämpfern regelrecht abgeschlachtet - unter den Augen der israelischen Armee.
Die Männer der Kataib berichten in der Dokumentation freimütg von ihren Taten: Wie sie Kinder ermordeten, weil sie „irgendwann erwachsen und dann zu Feinden geworden wären“, wie sie Menschen mit dem Messer langsam aufschlitzten, weil dann „das Opfer den Tod erst richtig spüre“. Während die Kämpfer von ihren Taten berichten, umkreist die ewig wackelnde Handkamera ihre schwitzenden Körper. Die Gesichter bleiben dunkel. Ab und zu rollen sie Scharzweißfotgrafien auf und zeichnen Lagepläne des Massakers mit Edding auf große weiße Folien. Die Kämpfer sitzen in kargen Räumen ohne Möbel, doch die Leere des Ortes bringt nicht den gewünschten Kontrast zur Brutalität ihrer Berichte. Die zwanghaft künstliche Inszenierung ist bald nur noch ärgerlich, und der Zuschauer fragt sich sich zunehmend: Warum dieser Film? Die Reaktion des Publikums ist verhalten, der Beifalll schwach. Nach kritischen Nachfragen an die Macher bestätigt sich ein schlimmer Verdacht: Die Regisseure wollen ganz naiv „die Motive der Täter“ erklären. Das Ziel wird konsequent verfehlt. Dass die immanente Beschäftigung mit Tätern nicht weiterführt, wenn man sich nur an ihren verschwommenen Erinnerungen abarbeitet, hat die dokumentarische Aufarbeitung des Nationalsozialismus schon oft erwiesen. Die freimütigen Geständnisse von schlichten SS-Leuten und KZ-Aufsehern alleine können nicht viel erklären.
Dass die Regisseure den Film in der anschließenden Diskussion trotzdem als Beitrag zur Untersuchung von „struktureller Gewalt“ verkaufen wollen ist skurril: Strukturen kommen nur am Rande vor, wenn die Kämpfer von Ausbildungslagern in Isral, von Propagandaschulung, Jugendverbänden und verordneten Drogenexzessen erzählen. Die Geschichte von Sabraa und Shatila selbst, von Opfern und Kontext, wird zur Fußnote der Gewalt. Das Massaker an den Palästinensern wird - trotz der Brutalität der Schilderungen - in den Narrativen der Milizionäre letztlich banalisiert, die Opfer kommen nicht vor.
Die hehren Ziele der Autoren sind gewiss: Die Aumaße des Massakers in Sabra und Shatila ins Bewustsein zu rücken. Aber der Film erreicht sein Ziel nicht. Eine Dokumentation, die sich dem Thema ganz konventionell nähert und Täterstimmen einflechtet, hätte das eher erreichen können. Die Kämpfer, so die Macher des Films, „hätten zum ersten Mal seit 1982 geredet“, was manchmal „wie eine Therapie“ gewirkt habe. Man hätte diese Therapie aber nicht filmen müssen.
Autor: rene 15.02.05 00:44 | Kommentare (0)
0:41
Q&A: Pakostnik

Sehr aufschlussreich war die Q&A Session am Ende des Films. Sie fand nicht statt. Die deutsche Botschaft in Moskau hatte der Regesseurin kein Einreisevisum gegeben.
Autor: andreas 15.02.05 00:41 | Kommentare (0)
0:40
Zuschauerreaktionen: Pakostnik

Norbert Kron, Journalist und Schriftsteller
Eindruck
Vielleicht fehlt mir der Wahrnehmungshorizont für Russland, aber wenn ich es mit einem Spruch von Voltaire halte Alle Künste sind gut, ausgenommen die langweilige Kunst: mich hat der Film sehr gelangweilt.
Berlinale Favorit
Lost & Fond (Eröffnungsfilm des Forums)
Nicht alle der Kurzfilme waren gut, aber es war sehr interssant, die verschiedenen Werke der jungen Leute nebeneinander zu sehen.
Lieblingsfilme
21 Gramm von Alejandro Gonzalez Iñárritu
Habla con ella von Pedro Almodovar

Ramin, Arzt
Eindruck
Wie Tarkowski, sehr russisch und neben der Plausibilität. Nocheinmal würde ich mir den Film aber nicht anschauen.
Lieblingsfilme
Der Mordbrenner von Arkansas von Burt Kennedy

Kareen Feldhoff, Studentin der Philosophie
Eindruck
Schöne Bilder, vielleicht ein wenig langatmig, aber das ist wohl im Sinne des Films.
Berlinale Favorit
Habe erst eine Film gesehen, On the Outs. Pakostnik fande ich besser.
Lieblingsfilme
Ausser Atem mit Belmondo
Autor: andreas 15.02.05 00:40 | Kommentare (0)
0:33
Forum: Pakostnik (The Rascal) von Tania Detkina (2)
Russland 2005 Regie: Tamia Detkina* Drehbuch: Tania Detkina* Kamera: Dobrynia Morgachew* Darsteller: Maxim Roganov, Anton Privalov, Swetlana Malischewa, Alexandra Ilienko

"Du kannst doch nicht in der Mitte des Filmes schon rausgehen. Damit missachtest du völlig die Arbeit, die der Künstler in das Werk gesteckt hat." Sagt Julia, selbst Künstlerin. Stunden haben wir damals diskutiert. Nun, wie auch immer: nach 30 min. hatte es mich wieder gepackt.. Und wenn ich am Rand der Sitzreihe und nicht in der Mitte gessessen hätte, dann hätte ich den spärlichen Applaus am Ende der Premiere nicht mitbekommen. So aber habe ich bis ans Ende ausgeharrt.
Hat es sich gelohnt? Unterhalten hat mich der Film schon einmal nicht. Nein, das kann ich wirklich nicht sagen. Aber, dass muss er ja auch nicht. Ich muss ja nicht dem unaufhaltsamen Trend, nur noch ins Kino zu gehen, wenn ich auch unterhalten werde, nachgeben.
Ist der Film dann "künstlerisch wertvoll"? Wie entscheiden? Vielleicht erstmal zum Inhalt, den kann man z.B. gar nicht wiedergeben. Ein Versuch?
Ein junger Mann hütet Sommerhaus ein. Hat eine Affäre mit der Tochter des Besitzers. Als der Vater zurückkehrt, wird der junge Mann aus dem Sommerhaus geschmissen. Er erhängt Teddybären im Schuppen, plant irgendetwas Gemeines und erzählt Kindern von Tod und Alter.
Also...es geht nicht. Der Inhalt ist auch nicht wichtig. Interessant ist der Mut der Regisseurin. Sie zieht ihren Stil kompromislos durch. Zugeständnisse an die Zuschauer gibt es nicht, stattdessen wenig Schönes und viel negative Aura. Verlegen lachen kann man, wenn man will, aber vielleicht hat , das man dann etwas falsch verstanden hat.
Fazit: Besser ein nicht ganz geglücktes Experiment mit Mut als ein mittelmäßiger Kompromiss mit Zuckerguss.
Und hat es sich nun gelohnt zu bleiben? Zu bleiben ja...reinzugehen....das ist eine andere Frage.
Autor: andreas 15.02.05 00:33 | Kommentare (0)
0:18
Panorama Dokumente: Lost Children von Ali Samadi Ahadi und Oliver Stoltz
Regie: Ali Samadi Ahadi, Oliver Stoltz * Drehbuch: Ali Samadi Ahadi, Oliver Stoltz *
Kamera: Maik Behres * Schnitt: Ali Samadi Ahadi * Musik: Ali N. Askin
Wieder eine Weltpremiere im Panorama der Berlinale. "Verlorene Kinder" dokumentiert den Versuch eine kirchlichen Hilfsorganisation, vier ehemalige Kindersoldaten in Nord-Uganda wieder in ihre Familien und Dörfer zu integrieren. Harte Kost also.
Der Film beginnt mit einem reißerischen Trailer, in dem eine tiefe Männerstimme, wie man sie aus den Vorankündigungen amerikanischer Action-Filme kennt einige Fakten zu Uganda erzählt, während dazu schwer erträgliche Bilder von mordenden Soldaten (oder Rebellen?) gezeigt werden. Dann erst beginnt der eigentlich eher ruhige und nachdenkliche Film, der die 4 Kinder in der kirchlichen Organisation und bei der Arbeit mit einer Sozialarbeiterin zeigt. 8, 12, 13 und 15 Jahre sind diese Kinder alt, die aus ihren Dörfern und von ihren Eltern entführt wurden und von den Rebellen zu unglaublichen Gräueltaten gezwungen wurden.
Uns begenen diese Kinder sehr ruhig: sie erzählen (etwas verwirrend: manchmal werden diese Erzählungen untertitelt, manchmal eingesprochen) meist mit entspannter Stimme, wie sie entführt wurden und was sie alles sehen und tun mussten. Die Kamera verweilt dabei auffallend oft an den offnen und eiternden Wunden derjenigen Kinder, die gerade neu ins Heuim gekommen sind. Das wirkt etwas voyeuristisch und befremdlich.
Nach und nach beginnen die Kinder sich zu öffnen und weitere Details von ihren unglaublichen Erlebnisse zu berichten: wie der dreizehnjährige Kilama eine Frau vor den Augen ihrer Kinder brutal niederstach, von den Initiationsriten anderer entführter Kinder, die erst einen Entführten zu Tode prügeln und dann sein Gehirn aus dem gespaltenen Schädel herauslecken mussten.
Aber auch der Versuch einer Reintegration der Kinder in ihre Familien wird beleuchtet. Hier wird deutlich, dass der achtzehnjährige Bürgerkrieg in diesem Land tiefe Auswirkungen auf die Bevölkerung hat: alkoholabhängige Eltern wissen nichts mit ihren Kindern anzufangen, Angehörige haben Angst vor der unkontrollierbaren Aggressivität der Kinder (von der man im Film nichts sieht, die die Regisseure im anschließenden Gespräch allerdings betonen) oder vor den Drohungen der Rebellen, jeden umzubringen, falls der oder die Entführte wieder bei ihnen gefunden werde.
Das Problem der "child soldiers" wird bei uns meist mit Bildern von behelmten, betrunkenen Kindern, die in der Gegend herumschießen illustiert. Die beiden Regisserure wollen ein anderes, ein realistischers Bild aus einem Land zeigen, dass seit 18 Jahren von einem mörderischen Bürgerkrieg zerfleischt wird, von dem in Europa aber nur in der Presse zu lesen ist, wenn bspw. 800 Menschen auf einen Schlag ermordet werden.
Schade ist dabei, dass die Filmmacher nicht auf die Schilderungen der Kinder vertrauen. Auch das erschütternde Interview mit einem Kind, das verdächtigt wurde auf der falschen Seite zu kämpfen und dem deshalb die Ohren, die Nase, die Oberlippe und alle Finger abgeschnitten wurden, reicht ihnen nicht. Statt dessen werden am Ende noch einmal nahezu unerträgliche Bilder von Leichen und Verstümmelten Opfern des Krieges gezeigt. Sie wollten daran erinnern, dass in diesem Land Krieg herrscht, meinten sie dazu. Der Film hätte dies auch ohne den reißerischen Anfang und das grobschlächtige Ende getan.
Es gibt nur wenige Augenblicke des Glücks in diesem Film: als die mehrfach vergewaltigte Jennifer erfährt, dass sie kein AIDS hat bspw., oder als der junge Francis nach Jahren wieder in sein Dorf kommt und ganz spontant von den Dorfbewohnern aufgenommen und von seiner Mutter in die Arme geschlossen wird. Aber diese Glücksmomente seien Zufälle gewesen, so die Regisseure, denn die Realität sieht nach wie vor anders aus.
Autor: dominik 15.02.05 00:18 | Kommentare (0)