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11.02.05
19:39
Perspektive Deutsches Kino: "Dancing with myself" von Judith Keil und Antje Kruska
Regie: Judith Keil, Antje Kruska * Drehbuch: Judith Keil, Antje Kruska * Kamera: Marcus Winterbauer * Schnitt: Inge Schneider

„Wenn man dann zu Hause sitzt und nichts tut, da gibt man sich doch die Kugel“, sagt die Lehrerin zu Laura. Die will die Schule verlassen. „Ich kann sie nicht als Schlosser einstellen. Da kann ich sie doch nicht mehr als Hilfsarbeiter einsetzen“, sagt der Angestellte der Zeitarbeitsfirma zu dem gelernten Schlosser Mario (36). Als Reinhard (63) aufgrund der Nebenwirkungen eines Medikaments, das er gegen seiner Schlafstörungen nimmt, eines Morgens nicht mehr zurechnungsfähig ist, setzt die Polizei Tränengas ein und führt ihn in Handschellen ab. Berlin. Die Stadt in der die drei Hauptfiguren in dem neuen Dokumentar-Film von Judith Keil und Antje Kruska ringen. Um das Recht auf Glück.
Szene: Reinhard liegt auf dem Bett und schaut Alexis Sorbas. „Diese Kraft, diese Energie“, sagt Reinhard bewundernd. „In mir steckt auch ein kleiner Alexis Sorbas, aber ich habe nur die Ideen und die Kraft sie auch zu leben.“ Doch die Energie ist da und sucht sich ihren Platz: in Clubs, Diskotheken oder Selbsterfahrungsgruppen. Wenn Laura, Mario und Reinhard mit sich selbst tanzen, sind Sie bei sich, lösen jeder von Ihnen sein Recht ein, dass er im wahren Leben oft nicht bekommt: das Recht beachtet zu werden, das Recht einfach nur Glück zu empfinden....
Das Vertrauen der Hauptfiguren zu den Filmemachern ist ein Schlüssel für Personenporträts im Dokumentarfilm. In „Dancing with myself“ wird es spürbar. Es hat Judith Keil und Antje Kruska ermöglicht, sensible und nahegehende Porträts von drei BerlinerInnen zu schaffen, die im Tanz Ihrem Schicksal trotzen.
Autor: andreas 11.02.05 19:39 | Kommentare (0)
15:30
Zuschauerreaktionen: "Cycles of Porn"

Michael Galinsky, Team Akreditierung Perspektive Deutsche Kino
Statement
Ich wusste gar nichts über den Film und bin positiv überascht. Der Film ist einfach gedreht und beleuchtet kritisch das "Gay Porn Business".
Szenen:
Als der Porn Actor zum zweiten Mal ans Set fahren muss, weil er beim ersten Mal nicht "kommen" konnte. Dabei nutzt er die Situation des Gefilmtwerdens durch den Dokumentarfilmer, um sich "anzuheizen".
Welchen guten Film hast du in letzter Zeit gesehen?
Wahrheit oder Pflicht (Jan Martin Scharf und Arne Nolting)

Tor Fosse, Film Einkäufer und Festivaldirektor eines Filmfests in Norwegen
Statement:
It is a good movie and very interesting to see the development from the first movie. Its very engaging.
Szenen:
To see what happened to the characters over the years, to see how they got in and out of the business.
Autor: andreas 11.02.05 15:30 | Kommentare (0)
15:19
Panorama: "Cycles of Porn" von Jochen Hick
Deutschland 2005 Regie, Producer, Kamera: Jochen Hick * Schnitt: Jörn Hartmann

"Ein Pornodreh ist wie die Abschlachtung eines Schweins. Von der Bildergalerie im Web, über das "Making of" bis zum eigentlichen Film:wir verwerten alles, jede einzelne Szene." (Statement eines Bareback* - Produzenten in den USA)
Die Grenzen zwischen Fleisch als konsumierbare Ware und begehrtem Objekt verschwimmen in Jochen Hicks zweitem Dokumentarfilm über schwule "Körperarbeit" in L.A. Hick knüpft an seinen vorherigen Film an, konzentriert sich diesmal aber auf Leben und Selbstverständnis von Darstellern im schwulen Pornobusiness von L.A. "Das schwule Pornobusiness wird ja gerne etwas glorifiziert: dadurch das nur Schwule mit Schwulen arbeiten, muss es ja gut sein, denn man kennt sich ja bestens. Doch am Ende unterscheidet es sich nicht von der Härte des heterosexuellen Business. Wer es nicht selbst zum Produzenten schafft, ist meist in kürzester Zeit wieder draussen.", sagt Jochen Hick. Wie zum Beispiel "Porno-Darsteller und "Boy next Door" Matt Bradshaw, der inzwischen wieder bei seiner Mutter in der amerikanischen Provinz wohnt. Es ist dieselbe Provinz, vor deren Schwulenfeindlichkeit er nach L.A. geflüchtet ist. Während der Zyklus vom Einstieg in die schwule Pornowelt bis zum Verbrauch des eigenen Marktwerts sich bei Matt Bradshaw noch Jahre dauerte, zeigt seine Verkürzung in der Beobachtung des"Live and Raw"-Internet Hotels. Wer hier wohnt, der wird aus dem Internet bei jedem Schritt beobachtet: vom Toilettengang bis zum Sex mit seinen Partnern. Am Anfang des Films träumt Hotelbewohner Johnny Law noch vom Aufstieg bis auf die Titelseite von Playgirl. Monate später sitzt er bereits ohne Wohung auf der Strasse, aus dem Hotel herausgewählt durch die Chatter der Internetseite.
Jochen Hicks Beobachtung der Lebensläufe von schwulen Männern im L.A. Pornbussines ist nicht leicht verdaulich aber ehrlich. Sein Filmzeigt, was sich hinter der glamorösen Fassade verbirgt, wie sich die Protagonisten den nüchternen Realitäten von Drogentod, Körperausbeutung und HIV stellen.
*Bareback = Videos mit ungeschützten schwulen Sex
Autor: andreas 11.02.05 15:19 | Kommentare (0)
2:41
Nachbelichtet: Redentor

Die Reaktion nach der ersten Vorführung war höflich und verhalten. Fragen kamen nur spärlich. Immerhin, so freute sich Regisseur Claudio Torres, würden keine Tomaten geworfen.
Autor: andreas 11.02.05 02:41 | Kommentare (0)